Lesezeit: 2 Min

Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell

Fertigung des Audi R8 im Werk Böllinger Höfe in HeilbronnFoto: BÄR Automation GmbH / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell

.

Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte zur Gefahr für die nationale Sicherheit erklären, würde er das globale Handelssystem infrage stellen – und damit das deutsche Geschäftsmodell. Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen wären besonders betroffen.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass Trump die Zölle auf Autoimporte von aktuell 2,5 auf 25 Prozent oder mehr anhebt. Schon bei den Stahl- und Aluminiumimporten hatten die amerikanischen Handelspartner – zurecht – kein Verständnis dafür, dass sich einer der größten Stahlproduzenten der Welt durch Importe aus verbündeten Ländern gefährdet sieht.

Die globale Handelsordnung neu interpretieren

Sollten die Schutzzölle nun auf die Automobilimporte ausgeweitet werden, müsste die EU gemeinsam mit handelsliberalen Staaten wie Kanada und Japan die globale Handelsordnung neu interpretieren. Denn dem Beispiel der USA werden wohl andere Länder mit protektionistischen Maßnahmen folgen – mit dem Vorwand, es gehe ihnen um die nationale Sicherheit. Die internationale Arbeitsteilung, die eine wichtige Grundlage für den Wohlstand in Deutschland ist, wäre dann nicht mehr möglich. "In einer Welt mit hohen Handelsbarrieren hätte das deutsche Geschäftsmodell in seiner jetzigen Form keine Zukunft", betont IW-Handelsexpertin Galina Kolev.

Mehr als ein Schnupfen für die deutsche Wirtschaft

Rund 29 Prozent der deutschen Autoexporte in die USA entfallen auf Baden-Württemberg, knapp vor Bayern mit 28 Prozent. Aber auch andere Bundesländer wären betroffen: 62 Prozent der sächsischen US-Exporte kommen aus dem Automobilbereich. Und selbst in Bundesländern mit einem geringeren Anteil sind negative Effekte zu erwarten: Bundesländer wie etwa Nordrhein-Westfalen oder das Saarland sind wichtige Zulieferer der deutschen Automobilindustrie. Die allgemeine Verunsicherung wird zudem für ein getrübtes Geschäftsklima sorgen: "Wenn die Automobilindustrie eine Grippe bekommt, bedeutet das für den Rest der deutschen Wirtschaft nicht nur einen Schnupfen", so Kolev.



Quelle: IW Köln


304 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Cybersicherheit: Staat und Wirtschaft bündeln ihre Kräfte
    Donnerstag, 20. September 2018

    Cyberattacken sind gefährlich und unberechenbar, sie bedrohen Wirtschaft und Staat. Ein neues Bündnis soll die Zusammenarbeit im Kampf gegen Cyberangriffe nun verbessern. Das ist dringend nötig.

  • Der Welthandel wackelt
    Dienstag, 18. September 2018

    Die USA haben ihren protektionistischen Kurs gegenüber China noch einmal verschärft. Für den stagnierenden Welthandel ist das ein weiterer Rückschlag. Langfristig richtet diese Politik großen...

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...