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Ölpreis

Biden zeigt Nerven

Die Aktion ist spektakulär: Noch niemals zuvor hat ein US-Präsident so viel Öl aus der strategischen Reserve des Landes auf den Markt geworfen. Rund 180 Millionen Barrel sollen es werden.

Geschrieben von Dieter Kuckelkorn am . Veröffentlicht in Wirtschaft.
Daher bemüht sich Biden intensiv darum, Öl aufzutreiben. Mit dem Iran wird eine Einigung angestrebt, damit die Sanktionen aufgehoben werden können. Mit dem bisherigen Gegner Venezuela befindet man sich ebenfalls in Gesprächen.
Daher bemüht sich Biden intensiv darum, Öl aufzutreiben. Mit dem Iran wird eine Einigung angestrebt, damit die Sanktionen aufgehoben werden können. Mit dem bisherigen Gegner Venezuela befindet man sich ebenfalls in Gesprächen.
Foto: The White House / U.S. Government Works

Die Aktion ist spektakulär: Noch niemals zuvor hat ein US-Präsident so viel Öl aus der strategischen Reserve des Landes auf den Markt geworfen. Rund 180 Millionen Barrel sollen es werden.

Das entspricht in etwa einem Drittel der gesamten Reserve und fast dem globalen Ölverbrauch von zwei Tagen. Die russischen Ölexporte, die Joe Biden am liebsten ganz unterbinden würde, machen etwa 4 bis 5 Millionen Barrel pro Tag aus.

Der US-Präsident zeigt damit eindeutig Nerven. Die Sanktionen gegen Russland bringen erhebliche Nebenwirkungen im Inland mit sich. Die Preise für Benzin und Heizöl erreichen Rekordniveaus, und bei Diesel drohen Engpässe, die zu Lieferschwierigkeiten bei zahlreichen Gütern führen könnten. Gleichzeitig sind 70 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegt. Außerdem stehen im November Kongresswahlen an.

Daher bemüht sich Biden intensiv darum, Öl aufzutreiben. Mit dem Iran wird eine Einigung angestrebt, damit die Sanktionen aufgehoben werden können. Mit dem bisherigen Gegner Venezuela befindet man sich ebenfalls in Gesprächen. Die USA wollen sogar Indien erlauben, weiter russisches Öl zu kaufen, solange dies zu einem deutlichen Abschlag gegenüber dem Weltmarktpreis erfolgt und die bisherigen Mengen nicht überschritten werden.

Allerdings sind die Bemühungen der US-Administration bislang nicht von Erfolg gekrönt. Venezuela kann aufgrund der desolaten Lage seiner Ölindustrie die Produktion nur langsam steigern. Der Iran verkauft unter der Hand bereits rund 3 Millionen Barrel vornehmlich an China, so dass die möglichen Steigerungen ebenfalls begrenzt sind. Das Kartell Opec plus zeigt sich bislang vom Drängen Bidens unbeeindruckt und dreht den Ölhahn nur äußerst langsam auf. Hier rächt sich, dass Biden das Verhältnis zum saudi-arabischen Kronprinzen zu Beginn seiner Amtszeit gründlich ruiniert hat. In der Not haben daher die USA sogar die Ölimporte aus Russland kräftig hochgefahren, auch wenn offiziell ein Embargo verhängt ist.

Wenngleich durch die Freigabe der Reserven nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank der Ölmarkt im zweiten Quartal nicht mehr unterversorgt und im dritten Jahresviertel sogar überversorgt wäre, ist mit Blick auf die zahlreichen geopolitischen Konflikte letztlich doch nicht zu erwarten, dass es zu einem nachhaltigen Rückgang des Ölpreises kommt, zumal die Reserven wieder aufgefüllt werden müssen. Wie es scheint, hat Biden weiterhin gute Gründe, nervös zu sein.

Quelle: Börsen-Zeitung

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