#zeitfokus.

Sonntag, 05 Apr 2020
Foto: Jivee Blau / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  519 Worte im Text  vor 230 Tagen
Briten droht ein "perfekter Sturm". Es ziehen Sturmwolken auf für die britische Wirtschaft. Einen deutlichen Warnschuss hatten die Finanzmärkte am Wochenanfang abgegeben. Der Kurs des britischen Pfunds erreichte am Montag den Tiefststand von 1,0724 Euro - so niedrig notierte es zuletzt in der Rezession nach der Finanzkrise 2009. Die weltweite Wirtschaftsschwäche kombiniert mit den Befürchtungen eines harten Brexit ließen die Landeswährung in den Keller rauschen. Analysten sehen im Falle eines ungeregelten Austritts aus der EU durchaus noch weiteres Fallpotenzial - bis zur Parität zum Euro und darüber hinaus. Seit dem Referendum im Juni 2016 war der Pfundkurs sozusagen der Kanarienvogel im Bergwerksschacht, der Auskunft darüber gab, wie es um den Brexit steht. Nach einer sofortigen Abwertung der Landeswährung am Tag nach der Entscheidung um mehr als zehn Prozent haben seither die Finanzmärkte auf jede politische Entwicklung im Brexit-Drama ebenso prompt reagiert: Deutete sich ein weicher Brexit an, stieg das Pfund, und es fiel, wenn sich ein harter Ausstieg abzeichnete. Jetzt weist alles auf einen No-Deal-Brexit hin, auf einen ungeregelten Ausstieg mit womöglich chaotischen Konsequenzen für die Wirtschaft. Der neue Premierminister Boris Johnson hat einen Brief an seine Beamten geschrieben, in dem er unterstrich, dass "die dringliche und schnelle Vorbereitung für einen Austritt ohne Deal meine Top-Priorität" ist. Gleichzeitig hat er eine Urlaubssperre bis zum 31. Oktober verhängt. Johnson mag zwar noch davon reden, einen Deal erreichen zu wollen. Aber seine Bedingungen sind für Brüssel unannehmbar. Es kann kaum noch einen Zweifel geben: Die britische Regierung steuert den No-Deal an. Ob die Opposition ihn stoppen kann, ist ungewiss. Für ausländische Investoren klingeln jetzt die Alarmglocken. Zumal es der britischen Volkswirtschaft schon vor dem vollzogenen Austritt nicht gut geht. Während das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2019 noch um ein halbes Prozent wuchs - hauptsächlich der Bevorratung vor dem ursprünglichen Austrittstermin am 29. März geschuldet - , schrumpfte das BIP im zweiten Quartal um 0,2 Prozent. Eine Rezession zeichnet sich ab. Das Investitionsklima war schon vorher wegen der Brexit-Unsicherheit schlecht. Jetzt wird es geradezu toxisch, wie das Finanzberatungsunternehmen de Vere in einer Umfrage herausfand: 60 Prozent seiner Investoren wollen mittlerweile ihr Kapital abziehen. "Großbritannien scheint deprimierenderweise", so de-Vere-CEO Nigel Green, "auf einen wirtschaftlichen Abgrund zuzutaumeln." Green sieht "einen perfekten Sturm" auf das Land zukommen: "das Pfund auf einem Zehnjahres-Tief, die wachsende Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung und das Risiko eines No-Deal-Brexit, der das Königreich in eine Rezession stößt." Dabei hat Green noch nicht einmal einen weiteren Risikofaktor für Investoren benannt: die Möglichkeit, dass der Labour-Chef Jeremy Corbyn im Zuge der politischen Wirren um den Brexit ans Ruder kommen könnte. Der Altlinke mit seinen dezidiert antikapitalistischen Positionen wäre Gift für das Investitionsklima. Dabei sehen andere ökonomische Eckdaten zur britischen Volkswirtschaft zur Zeit gar nicht so schlecht aus. Der Arbeitsmarkt ist ausgesprochen stabil. Die Beschäftigungsrate liegt bei der Rekordmarke von 76,1 Prozent und die Arbeitslosigkeit beträgt nur 3,9 Prozent, ein Tiefststand seit den 1970er Jahren. Auch die Löhne stiegen um 3,9 Prozent und liegen damit deutlich über der Inflationsmarke von 2,1 Prozent. Aber die guten Nachrichten werden überschattet vom drohenden Brexit in 75 Tagen. Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

Es ziehen Sturmwolken auf für die britische Wirtschaft. Einen deutlichen Warnschuss hatten die Finanzmärkte am Wochenanfang abgegeben. Der Kurs des britischen Pfunds erreichte am Montag den Tiefststand von 1,0724 Euro - so niedrig notierte es zuletzt in der Rezession nach der Finanzkrise 2009.

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Foto: European Parliament / CC BY 2.0 (via Flickr)

Die kleine Krise der Großen Koalition im EU-Personalhader

Die weltweite Wirtschaftsschwäche kombiniert mit den Befürchtungen eines harten Brexit ließen die Landeswährung in den Keller rauschen. Analysten sehen im Falle eines ungeregelten Austritts aus der EU durchaus noch weiteres Fallpotenzial - bis zur Parität zum Euro und darüber hinaus. Seit dem Referendum im Juni 2016 war der Pfundkurs sozusagen der Kanarienvogel im Bergwerksschacht, der Auskunft darüber gab, wie es um den Brexit steht. Nach einer sofortigen Abwertung der Landeswährung am Tag nach der Entscheidung um mehr als zehn Prozent haben seither die Finanzmärkte auf jede politische Entwicklung im Brexit-Drama ebenso prompt reagiert: Deutete sich ein weicher Brexit an, stieg das Pfund, und es fiel, wenn sich ein harter Ausstieg abzeichnete. Jetzt weist alles auf einen No-Deal-Brexit hin, auf einen ungeregelten Ausstieg mit womöglich chaotischen Konsequenzen für die Wirtschaft. Der neue Premierminister Boris Johnson hat einen Brief an seine Beamten geschrieben, in dem er unterstrich, dass "die dringliche und schnelle Vorbereitung für einen Austritt ohne Deal meine Top-Priorität" ist. Gleichzeitig hat er eine Urlaubssperre bis zum 31. Oktober verhängt. Johnson mag zwar noch davon reden, einen Deal erreichen zu wollen. Aber seine Bedingungen sind für Brüssel unannehmbar.

Es kann kaum noch einen Zweifel geben: Die britische Regierung steuert den No-Deal an. Ob die Opposition ihn stoppen kann, ist ungewiss. Für ausländische Investoren klingeln jetzt die Alarmglocken. Zumal es der britischen Volkswirtschaft schon vor dem vollzogenen Austritt nicht gut geht. Während das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2019 noch um ein halbes Prozent wuchs - hauptsächlich der Bevorratung vor dem ursprünglichen Austrittstermin am 29. März geschuldet - , schrumpfte das BIP im zweiten Quartal um 0,2 Prozent. Eine Rezession zeichnet sich ab. Das Investitionsklima war schon vorher wegen der Brexit-Unsicherheit schlecht. Jetzt wird es geradezu toxisch, wie das Finanzberatungsunternehmen de Vere in einer Umfrage herausfand: 60 Prozent seiner Investoren wollen mittlerweile ihr Kapital abziehen. "Großbritannien scheint deprimierenderweise", so de-Vere-CEO Nigel Green, "auf einen wirtschaftlichen Abgrund zuzutaumeln." Green sieht "einen perfekten Sturm" auf das Land zukommen: "das Pfund auf einem Zehnjahres-Tief, die wachsende Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung und das Risiko eines No-Deal-Brexit, der das Königreich in eine Rezession stößt." Dabei hat Green noch nicht einmal einen weiteren Risikofaktor für Investoren benannt: die Möglichkeit, dass der Labour-Chef Jeremy Corbyn im Zuge der politischen Wirren um den Brexit ans Ruder kommen könnte. Der Altlinke mit seinen dezidiert antikapitalistischen Positionen wäre Gift für das Investitionsklima. Dabei sehen andere ökonomische Eckdaten zur britischen Volkswirtschaft zur Zeit gar nicht so schlecht aus. Der Arbeitsmarkt ist ausgesprochen stabil. Die Beschäftigungsrate liegt bei der Rekordmarke von 76,1 Prozent und die Arbeitslosigkeit beträgt nur 3,9 Prozent, ein Tiefststand seit den 1970er Jahren. Auch die Löhne stiegen um 3,9 Prozent und liegen damit deutlich über der Inflationsmarke von 2,1 Prozent. Aber die guten Nachrichten werden überschattet vom drohenden Brexit in 75 Tagen.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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