Freitag, 07 Aug 2020
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Die seit Mitte 2015 geltende Bürokratiebremse soll die deutsche Wirtschaft entlasten, aber zahlreiche Regulierungen machen mittelständischen Industrieunternehmen das Leben weiterhin schwer.

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Foto: Tim Gouw / CC0 (via Unsplash)

Die Job-Chancen nutzen

Entsprechend stufen knapp 50 Prozent der befragten Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland nur als "befriedigend" ein. 42 Prozent beurteilen die Rahmenbedingungen als "gut" bis "sehr gut". Rund neun Prozent der befragten Unternehmen kommen zu einer negativen Einschätzung. 82 Prozent geben an, dass die Last in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Weniger als ein Prozent der industriellen Mittelständler spürt eine Entlastung von der Bürokratie. Das sind zentrale Ergebnisse des aktuellen BDI/PwC-Mittelstandspanels, an dem 794 Unternehmen teilgenommen haben.

Gesetzgeber weiter gefordert

"Die bürokratischen Lasten hemmen die Unternehmen in ihrem wirtschaftlichen Vorankommen", sagt Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand. "Der Gesetzgeber muss sich daher die Frage stellen, ob die Maßnahmen zum Bürokratieabbau schon ausreichen." Hans-Toni Junius, Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses, ergänzt: "Vor allem sozialpolitische und steuerrechtliche Regelungen sowie Umweltauflagen belasten die mittelständischen Industrieunternehmen."

Bewertung der eigenen Geschäftslage fällt positiv aus

Mit der eigenen wirtschaftlichen Lage sind die deutschen Mittelständler dagegen zufrieden: Nahezu die Hälfte der Unternehmen (rund 48 Prozent) beurteilt sie als "gut" oder "sehr gut". Auch für die kommenden sechs bis zwölf Monate rechnet der industrielle Mittelstand mit einer stabilen Entwicklung. "Im Vergleich zu unserer Frühjahrsbefragung ist der Anteil der Unternehmen, die sich aktuell in einer guten bis sehr guten Verfassung befinden, deutlich gestiegen", erläutert Junius. "Insgesamt verzeichnete jedes fünfte Unternehmen seitdem eine positive Geschäftsentwicklung." Vor allem Unternehmen, die auf ausländischen Märkten aktiv sind, schätzen ihre aktuelle Wirtschaftslage optimistisch ein: "Dass exportorientierte Unternehmen erfolgreicher sind, deckt sich mit den Ergebnissen früherer Studien", sagt Bartels. "Aktuell haben hier aber sicher auch noch einmal die schwache Euro-Entwicklung und die konjunkturelle Erholung im Euroraum beigetragen."

Schuldenkrise, Exportdynamik und Fachkräftemangel bereiten Sorge

Als größte Geschäftsrisiken für 2016 nennt der industrielle Mittelstand die Schuldenkrise in Europa (61 Prozent) und eine nachlassende Exportdynamik (49 Prozent), die insbesondere den chinesischen Markt betreffen könnte. China gehört zu den wichtigsten internationalen Absatzmärkten für den deutschen Mittelstand. Fast 48 Prozent der mittelständischen Industrieunternehmen nennen den Fachkräftemangel an dritter Stelle der Risikofaktoren.

Bessere Integration von Flüchtlingen gewünscht

Knapp 20 Prozent der Unternehmen planen, im neuen Jahr Arbeitsplätze zu schaffen. Mehr als drei Viertel der Unternehmen (80 Prozent) suchen Fach- und Führungskräfte. Hier sehen die Mittelständler eine große Hürde: "72 Prozent sind davon überzeugt, dass sie der Fachkräftemangel an der Schaffung neuer Arbeitsplätze im Inland hindert. Er könnte damit langfristig negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen haben", erklärt Bartels. Eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen, sei eine bessere Integration von Flüchtlingen in Schule, Ausbildung und den Arbeitsmarkt - vor allem dann, wenn das Qualifikationsniveau stimmt und die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass im Ausland erworbene Qualifikationen in Deutschland anerkannt werden.



Quelle: ots/BDI/PwC


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