Lesezeit: 2 Min

Cybersicherheit: Überfällige Anpassungen

Die EU-Kommission will die Bürger bei der Cybersicherheit stärker einbinden. Foto: Pete Linforth / Pixabay CC0

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Cybersicherheit: Überfällige Anpassungen

.

Die wirtschaftlichen Schäden durch Cyberattacken haben sich in den vergangenen vier Jahren verfünffacht. Inzwischen vergeht keine Woche mehr, in der nicht ein prominentes Unternehmen gehackt wird. Die Europäische Kommission reagiert jetzt mit einer Neuauflage ihrer Cybersicherheitsstrategie – ein dringend nötiger Schritt.

Bereits 2013 hatte die Kommission eine erste Strategie vorgelegt – die den Entwicklungen aber schon länger nicht mehr standhalten kann. Mit der Neuauflage, die auf der EU-Cybersicherheits-Konferenz in Tallinn vorgestellt werden soll, wird endlich auch der Verbraucher stärker in den Blick genommen.

Insbesondere will die Kommission laut einem vorab öffentlich gewordenen Dokument wohl Folgendes:

  • Sicherheitsstandards erhöhen: Unternehmen sollen vernetzte Produkte mit hohen Sicherheitsstandards ausstatten (security by design). Damit sollen vor allem die Verbraucher die Sicherheit dieser Produkte mit freiwilligen EU-weiten Zertifizierungen besser bewerten können. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung: Unsichere Produkte müssen langfristig von den Märkten verschwinden.

  • Kommunikation und Information verbessern: Unternehmen und Behörden müssen laut Kommission noch besser und schneller kommunizieren, um Cyberrisiken besser bewerten zu können. Nur eine offene und vertrauensvolle Informationspolitik kann Cyberkriminalität effektiv eindämmen, wie auch eine IW-Studie zeigt. Dafür will die Kommission ein Cybersicherheits-Kompetenzzentrum einrichten – ein längst überfälliger und notwendiger Schritt.

  • Bürger sensibilisieren: Zentral für die Cybersicherheit bleiben aber die Nutzer. Das hat auch die Kommission erkannt und fordert, Cybersicherheit zum zentralen Bestandteil der beruflichen und akademischen Ausbildung zu machen. Zudem sollen Awareness-Kampagnen die Bürger für Cybersicherheit sensibilisieren. Eine dringend nötige Initiative, denn letztlich sind die Menschen die wirkungsvollste Firewall.

Cybersicherheit ist der Anschnallgurt der digitalen Gesellschaft und unerlässlich für den Wohlstand und Frieden in der EU. Indem die Kommission Cybersicherheit als zentrales strategisches Interesse der EU finanziell und ideell unterstützen will, versucht sie, mit der dramatischen Entwicklung der Internetkriminalität Schritt zu halten. Dafür müssen jetzt aber zeitnah Verantwortlichkeiten und Ressourcen verteilt und klare Deadlines für die Umsetzung gesetzt werden – ansonsten könnte sich die Strategie erneut als zu schwach erweisen.



Quelle: IW Köln


316 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...