Samstag, 15 Aug 2020
In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise.
In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise. Foto: AbsolutVision
 2-4 Minuten Lesezeit  634 Worte im Text  vor 57 Tagen

Die Coronakrise hat für das Entstehen einer neuen Anleiheart gesorgt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Covid-19-Response-Bonds oder kurz Covid-19-Bonds. Mit den Erlösen aus diesen Anleihen sollen Auswirkungen der Pandemie bekämpft, d.h. die entsprechenden Maßnahmen oder bestimmte Projekte finanziert werden. Dabei geht es auch um soziale Aspekte, weshalb die Anleihen unter sogenannten Social Bonds subsumiert werden können. Die Anleihen treffen am Markt auf eine rege Resonanz, was unterstreicht, dass weite Anlegerkreise soziale Aspekte durchaus im Blick haben bzw. diese stark betonen. Das ist eben auch ein Ausdruck der hohen Nachfrage.

Amira Mohamed Ali
Foto: Paulr1960 / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Raus aus den Gräben

Bis einschließlich Dienstag der gerade abgelaufenen Woche wurden laut Daten von Informa Global Markets (IGM) 36 solcher Covid-19-Response-Bonds an den Anleihemärkten untergebracht, davon 16 im Euro und 20 im Dollar. Die Zeichnungswünsche der Investoren übertrafen die Bondvolumina. Das war nicht nur aggregiert so, sondern praktisch jede einzelne Anleihe erfreute sich einer regen Nachfrage und war überzeichnet.

Aber das ist nicht der einzige soziale Aspekt, für den sich Anleger derzeit verstärkt interessieren. Im Blick haben viele Investoren prinzipiell ESG-Investments, also Kapitalmarktanlagen, bei denen die Aspekte Environment, Social und Governance großgeschrieben werden. Dabei geht es zum einen generell darum, wie sich diese Anlageklasse in der Krise im Vergleich mit ihren konventionellen, also Nicht-ESG-Investments hinsichtlich der Performance schlägt. Zum anderen geht es aber auch darum, wie stark das "S", also das Soziale von Institutionen betont und in der Krise - und verständlicherweise auch noch danach - gelebt wird.

Das "S" betrifft natürlich nicht nur supranationale Emittenten oder multilaterale Förderinstitutionen, sondern vor allem auch jene Banken und Unternehmen, die sich einer ESG-Ausrichtung verschrieben haben. Oftmals geschah das ja in Zeiten von eitel Sonnenschein. Nun muss sich in der aktuellen Krise zeigen, inwieweit solche Strategien bzw. ESG-Programme eben auch noch weiter umgesetzt werden und wie sie nach der Krise um die Erfahrungen der Krise adjustiert werden.

Diverse Assetmanager haben bereits signalisiert, dass sie sehr genau darauf achten werden, wie es um diese sozialen Aspekte in börsennotierten Unternehmen und Banken bestellt ist. Dabei geht es um sehr viele Fragen. Wie wurde beim Lockdown mit der Belegschaft umgegangen? Wie sieht es bei Homeoffice-Angeboten, Kinderbetreuungen, technischem Equipment etc. aus. Was wurde alles unternommen, um Stellen zu sichern? Wer stellte die Herstellung auf in der Krise benötigte Produkte um, um zu helfen, aber eben auch Arbeitsplätze zu erhalten? Wie wird beim Wiederhochfahren der Produktion auf soziale Belange geachtet und geholfen? Wer genehmigt sich große Boni, der vorher Kurzarbeit einführte und Mitarbeiter entließ? Das sind nur einige Aspekte, die Assetmanager im Blick haben, wenn es später eben auch wieder um die Frage geht, kann diese oder jene Aktie eines Unternehmens gekauft werden, wenn es um die konsequente Einhaltung von ESG-Standards geht.

Eines ist vollkommen klar: Unternehmen, die jetzt die ESG-Agenda der Firma auch täglich vorleben und in sozialer Hinsicht nicht mit Enttäuschungen aufwarten, werden bei Assetmanagern punkten. Sie zählen dann zweifelsohne zu den Gewinnern in Sachen "S" von ESG, aber auch der Unternehmensführung. Solche Aktien werden sich aller Voraussicht nach dann auch eher auf den Kauflisten wiederfinden, die Performance sollte tendenziell besser ausfallen als bei solchen Unternehmen, die hier nicht überzeugen konnten. Auch deren Anleihen sollten am Markt besser abschneiden.

In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise und schneiden performancemäßig Berichten zufolge besser ab als ihre Nicht-ESG-Pendants. Und das Geld, um solche sozialen Erfordernisse finanzieren zu können, die sich aus der Covid-19-Krise ergeben, lässt sich über den Markt besorgen - zum Beispiel über Covid-19-Repsonse-Bonds. Nach Daten von IGM hat bislang aber weltweit im Euro oder im Dollar noch kein einziges Unternehmen einen solchen Bond emittiert. Mal sehen, welches Unternehmen der Debütant am Markt für Covid-19-Bonds wird.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Insbesondere Alleinerziehende fühlten sich vielfach im Stich gelassen.
Foto: PDPics

Zusammenhalt in der Corona-Krise - Der Staat muss mehr tun

Der Sozialverband VdK Deutschland fordert mit Blick auf die Corona-Krise weitere Schritte, um den Zusammenhalt der Gesellschaft in Deutschland zu sichern. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte der...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
"Bei einem positiven Testergebnis müssen die Betroffenen schnellstmöglich informiert werden und nicht zwei Wochen warten - andernfalls wird die Gesundheit vieler Menschen aufs Spiel gesetzt."
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Hofreiter kritisiert Söder wegen Testpanne in Bayern

Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, hat den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) wegen dessen Teststrategie scharf kritisiert. "Die aktuelle Testpanne in...
"Es ist traurig, dass die SPD nicht bereit ist, aus ihren Niederlagen zu lernen und endlich einmal wieder ein glaubwürdiges soziales Profil zu wagen", sagte Wagenknecht.
Foto: dielinke_nrw / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Wagenknecht kritisiert Scholz-Kandidatur

Nach Einschätzung der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht haben sich die Chancen für einen rot-rot-grünen Machtwechsel im Bund mit der SPD-Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz eher verschlechtert.
"Es ist keine Option, nichts zu tun und wegzuschauen", sagte Asselborn nach der dritten blutigen Protestnacht in Minsk.
Foto: EU2017EE Estonian Presidency / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Luxemburgs Außenminister fordert von EU mehr "Druck auf Lukaschenko"

Vor der für Freitag geplanten außerplanmäßigen Videokonferenz der EU-Außenminister hat Luxemburgs Chefdiplomat Jean Asselborn eine deutliche Reaktion der EU angesichts des umstrittenen Wahlsiegs des...
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
"Die CDU hat angesichts der Pandemie eine ideologische Grundposition über Bord geworfen, an der sie noch 2013 die Sondierungen mit den Grünen scheitern ließ"
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Trittin sieht neue Schnittmengen mit CDU und CSU

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin sieht durch die Corona-Politik neue Schnittmengen mit CDU/CSU für ein mögliches schwarz-grünes Bündnis nach der nächsten Bundestagswahl. Zugleich lehnt er das von...
Back To Top