In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise.
In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise. Foto: AbsolutVision
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Die Coronakrise hat für das Entstehen einer neuen Anleiheart gesorgt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Covid-19-Response-Bonds oder kurz Covid-19-Bonds. Mit den Erlösen aus diesen Anleihen sollen Auswirkungen der Pandemie bekämpft, d.h. die entsprechenden Maßnahmen oder bestimmte Projekte finanziert werden. Dabei geht es auch um soziale Aspekte, weshalb die Anleihen unter sogenannten Social Bonds subsumiert werden können. Die Anleihen treffen am Markt auf eine rege Resonanz, was unterstreicht, dass weite Anlegerkreise soziale Aspekte durchaus im Blick haben bzw. diese stark betonen. Das ist eben auch ein Ausdruck der hohen Nachfrage.

Michael Müller
Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

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Bis einschließlich Dienstag der gerade abgelaufenen Woche wurden laut Daten von Informa Global Markets (IGM) 36 solcher Covid-19-Response-Bonds an den Anleihemärkten untergebracht, davon 16 im Euro und 20 im Dollar. Die Zeichnungswünsche der Investoren übertrafen die Bondvolumina. Das war nicht nur aggregiert so, sondern praktisch jede einzelne Anleihe erfreute sich einer regen Nachfrage und war überzeichnet.

Aber das ist nicht der einzige soziale Aspekt, für den sich Anleger derzeit verstärkt interessieren. Im Blick haben viele Investoren prinzipiell ESG-Investments, also Kapitalmarktanlagen, bei denen die Aspekte Environment, Social und Governance großgeschrieben werden. Dabei geht es zum einen generell darum, wie sich diese Anlageklasse in der Krise im Vergleich mit ihren konventionellen, also Nicht-ESG-Investments hinsichtlich der Performance schlägt. Zum anderen geht es aber auch darum, wie stark das "S", also das Soziale von Institutionen betont und in der Krise - und verständlicherweise auch noch danach - gelebt wird.

Das "S" betrifft natürlich nicht nur supranationale Emittenten oder multilaterale Förderinstitutionen, sondern vor allem auch jene Banken und Unternehmen, die sich einer ESG-Ausrichtung verschrieben haben. Oftmals geschah das ja in Zeiten von eitel Sonnenschein. Nun muss sich in der aktuellen Krise zeigen, inwieweit solche Strategien bzw. ESG-Programme eben auch noch weiter umgesetzt werden und wie sie nach der Krise um die Erfahrungen der Krise adjustiert werden.

Diverse Assetmanager haben bereits signalisiert, dass sie sehr genau darauf achten werden, wie es um diese sozialen Aspekte in börsennotierten Unternehmen und Banken bestellt ist. Dabei geht es um sehr viele Fragen. Wie wurde beim Lockdown mit der Belegschaft umgegangen? Wie sieht es bei Homeoffice-Angeboten, Kinderbetreuungen, technischem Equipment etc. aus. Was wurde alles unternommen, um Stellen zu sichern? Wer stellte die Herstellung auf in der Krise benötigte Produkte um, um zu helfen, aber eben auch Arbeitsplätze zu erhalten? Wie wird beim Wiederhochfahren der Produktion auf soziale Belange geachtet und geholfen? Wer genehmigt sich große Boni, der vorher Kurzarbeit einführte und Mitarbeiter entließ? Das sind nur einige Aspekte, die Assetmanager im Blick haben, wenn es später eben auch wieder um die Frage geht, kann diese oder jene Aktie eines Unternehmens gekauft werden, wenn es um die konsequente Einhaltung von ESG-Standards geht.

Eines ist vollkommen klar: Unternehmen, die jetzt die ESG-Agenda der Firma auch täglich vorleben und in sozialer Hinsicht nicht mit Enttäuschungen aufwarten, werden bei Assetmanagern punkten. Sie zählen dann zweifelsohne zu den Gewinnern in Sachen "S" von ESG, aber auch der Unternehmensführung. Solche Aktien werden sich aller Voraussicht nach dann auch eher auf den Kauflisten wiederfinden, die Performance sollte tendenziell besser ausfallen als bei solchen Unternehmen, die hier nicht überzeugen konnten. Auch deren Anleihen sollten am Markt besser abschneiden.

In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise und schneiden performancemäßig Berichten zufolge besser ab als ihre Nicht-ESG-Pendants. Und das Geld, um solche sozialen Erfordernisse finanzieren zu können, die sich aus der Covid-19-Krise ergeben, lässt sich über den Markt besorgen - zum Beispiel über Covid-19-Repsonse-Bonds. Nach Daten von IGM hat bislang aber weltweit im Euro oder im Dollar noch kein einziges Unternehmen einen solchen Bond emittiert. Mal sehen, welches Unternehmen der Debütant am Markt für Covid-19-Bonds wird.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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