Donnerstag, 06 Aug 2020
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Während der US-Aktienmarkt auch am Freitag mit Indexrekorden aufgewartet hat, hat der Dax in der abgelaufenen Woche nicht ganz so stark von der Zinssenkungsfantasie profitiert. Mit einem Stand von 12.323 Punkten wies das Blue-Chip-Barometer zuletzt ein Wochenminus von 2% auf. Auf die Stimmung der Marktteilnehmer drückt das sich zusehends eintrübende Bild, was die Unternehmensgewinne betrifft. Gerade eine Stabilisierung der Unternehmensgewinne mit anschließender Erholung war aber eines der wichtigsten Argumente für eine ansprechende Entwicklung auch des Dax im zweiten Halbjahr.

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Foto: Dguendel / CC BY42.0 (via Wikimedia Commons)

Kein Ort für Trinker und Dealer

Doch von dem einstmaligen Optimismus für die Gewinne ist nicht mehr viel übrig geblieben. Am Dienstag schockte BASF mit ihrer Gewinnwarnung die Marktteilnehmer. Dass der Chemiekonzern die Prognose zurückschrauben würde, war zwar erwartet worden. Doch das Ausmaß der Senkung - BASF stimmte den Markt darauf ein, dass sein operatives Ergebnis in diesem Jahr um bis zu 30% einbrechen könnte - übertraf selbst die schlimmsten Erwartungen mit der Folge, dass die Aktie mit einem Einbruch um bis zu 6,5% reagierte. Nicht genug damit, meldete sich am Freitag mit Daimler ein weiterer Großkonzern mit einer Gewinnwarnung, was die Aktie des Unternehmens auf ein Sechsmonatstief drückte. Noch härter traf es unterhalb des Dax die Anteilseigner von Krones und Aumann, deren Aktien am Donnerstag nach Gewinnwarnungen um 18,5% und 20,5% absackten.

Das sind alles andere als gute Vorzeichen für die Berichtssaison zum zweiten Quartal. Weitere Unternehmen werden mit ihren Resultaten und vor allem skeptischeren Ausblicken die Stimmung trüben und auf die Gewinnschätzungen der Analysten drücken. Diese bewegen sich mit hohem Tempo abwärts. In nur ungefähr einer Woche ist die Konsensprognose für das Wachstum des aggregierten Gewinns der Dax-Unternehmen für dieses Jahr von ca. 5% auf ungefähr 4% geschrumpft. Damit rückt allmählich die Nulllinie, wenn nicht gar eine Gewinnrezession in Sicht.

Zum Jahresbeginn war noch ein Gewinnwachstum von 11% erwartet worden. Entsprechend hat sich die Bewertung des Dax, der sich zudem in diesem Jahr um 16,7% befestigt hat, spürbar erhöht. Nach 11 zum Jahresauftakt liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dax nun bei 13,7. Sinken die Erwartungen für die Gewinne weiter, wird sich das KGV - erst recht im Falle erneuter Avancen - noch weiter von seinem Zehnjahresdurchschnitt nach oben absetzen. Nur in relativer Betrachtung, d.h. gegenüber den wieder tief in den roten Bereich gesunkenen Staatsanleiherenditen, sieht die Bewertung überzeugend aus. Mit anderen Worten: Der Aktienmarkt ist nun sehr davon abhängig, dass die hohen Erwartungen an geldpolitische Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken nicht enttäuscht werden.

Nicht viel besser sieht die Lage am von Rekord zu Rekord eilenden amerikanischen Aktienmarkt aus. Lange Zeit u.a. dank des sehr starken Technologiesektors und seit 2016 dank der Strohfeuereffekte der Steuerreform des US-Präsidenten Donald Trump gerade im Vergleich zu Europa auf der Überholspur, was Performance und Unternehmensgewinnentwicklung betrifft, trübt sich auch hier die Lage ein. Auch an der Wall Street droht eine alles andere als begeisternde Quartalsberichtssaison. Zwar werden die Unternehmen die Erwartungen "übertreffen". Das liegt aber daran, dass sie ihre Prognosen im Vorfeld reduziert haben - und zwar nicht zu knapp. 70% der Unternehmen, die sich vor der in der neuen Woche startenden Berichtssaison zu ihren Zahlen geäußert haben, so die DZ Bank, haben ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Die Messlatte für sogenannte positive Überraschungen ist somit auf ein sehr niedriges Niveau gedrückt worden. Für die Unternehmen des S&P 500 wird ein Rückgang der Gewinne im Vergleich zum zweiten Quartal 2018 um 1,6% erwartet. Das wäre laut DZ Bank die schwächste Berichtssaison seit Anfang 2016. Für das Gesamtjahr liegt die Erwartung für das Gewinnwachstum nur noch bei 2,4% und damit unter dem Niveau für die Dax-Firmen, was jedoch der sehr viel besseren Entwicklung im Vorjahr zu verdanken ist. Allerdings wird der Indexgewinn je Aktie in den USA stark von massiven Aktienrückkäufen - auch dies zum Teil ein Effekt der niedrigen Zinsen - gestützt. Der Ausblick auf das Gesamtjahr, so die DZ Bank, bleibe schwach. Eine Gewinnrezession auf Basis des Gewinns je Aktie könne nur durch Aktienrückkäufe vermieden werden.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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