#zeitfokus.

Dienstag, 07 Apr 2020
Foto: Mario Ohibsky / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  337 Worte im Text  vor 267 Tagen
Deplatzierte Schadenfreude: Wachstumszahlen in China. Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 6,2% nach zuvor 6,4% gewachsen. Im Weltmaßstab ist das eine stramme Performance, für das Reich der Mitte allerdings ist es der schwächste Wachstumsausweis seit Beginn der Quartalserfassung vor 27 Jahren. An den Märkten sorgt dies aber für wenig Aufregung. Der schleichende Wachstumsrückgang ist insbesondere vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA breit erwartet worden. Für das Gesamtjahr 2019 rechnen die Experten mit mindestens 6,1% Wachstum - sofern es nicht zum ganz großen Knall zwischen Peking und Washington kommt. Bezeichnenderweise lässt es sich US-Präsident Donald Trump nicht nehmen, per Twitter seinen Senf zum China-Wachstum zu geben. Er betont, dass die US-Strafzölle den "Haupteffekt" für Chinas Konjunkturbremsung darstellen, und droht zugleich wieder, dass noch mehr Zölle kommen könnten. Trumps Schadenfreude über einen von ihm wesentlich beeinflussten Niedergang der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Monaten deckt sich allerdings nicht ganz mit der ökonomischen Realität. Selbstverständlich erweist sich der Handelsstreit als Belastung für Chinas Wirtschaft, weil er sowohl auf die Stimmung im Industriesektor drückt als auch das Konsumvertrauen angreift. Für die konjunkturelle Abkühlung aber sind auch längerfristige, strukturelle Effekte verantwortlich. Dabei spielen Nachwirkungen einer Finanzstabilitätskampagne und gedrosselte Anlageinvestitionen eine Rolle, die mit der Handelspolitik wenig zu tun haben. Der Außenhandel für sich genommen wiederum ist bislang keineswegs der große Bremsklotz. Chinas Nettoexporte steuerten in der ersten Jahreshälfte gut 20% zum Outputwachstum bei - ein extrem hoher Wert. Dabei haben nicht zuletzt Vorzieheffekte in Erwartung verschärfter Strafzölle eine Rolle gespielt. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass außenwirtschaftliche Bremseffekte erst im weiteren Jahresverlauf stärker negativ auf Chinas Wachstum durchschlagen werden. Allerdings nähren flottere Konjunkturdaten im Juni die Hoffnung, dass die "wirtschaftspsychologische" Beeinträchtigung des Handelsstreits wieder nachlässt und sich die Binnennachfrage auf Erholungskurs befindet. Chinas noch behutsame Stimulierungspolitik beginnt zu greifen und kann bei Bedarf weiter verstärkt werden. Das offizielle Wachstumsziel für 2019 von mindestens 6% scheint bislang nicht in Gefahr. Eher scheint Trump sein Ziel zu verfehlen, Chinas Wirtschaft mit handelspolitischen Drohungen zum Entgleisen zu bringen. Quelle: ots/Börsen-Zeitung

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 6,2% nach zuvor 6,4% gewachsen. Im Weltmaßstab ist das eine stramme Performance, für das Reich der Mitte allerdings ist es der schwächste Wachstumsausweis seit Beginn der Quartalserfassung vor 27 Jahren. An den Märkten sorgt dies aber für wenig Aufregung. Der schleichende Wachstumsrückgang ist insbesondere vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA breit erwartet worden. Für das Gesamtjahr 2019 rechnen die Experten mit mindestens 6,1% Wachstum - sofern es nicht zum ganz großen Knall zwischen Peking und Washington kommt.

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Foto: Kasa Fue / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Bezeichnenderweise lässt es sich US-Präsident Donald Trump nicht nehmen, per Twitter seinen Senf zum China-Wachstum zu geben. Er betont, dass die US-Strafzölle den "Haupteffekt" für Chinas Konjunkturbremsung darstellen, und droht zugleich wieder, dass noch mehr Zölle kommen könnten. Trumps Schadenfreude über einen von ihm wesentlich beeinflussten Niedergang der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Monaten deckt sich allerdings nicht ganz mit der ökonomischen Realität.

Selbstverständlich erweist sich der Handelsstreit als Belastung für Chinas Wirtschaft, weil er sowohl auf die Stimmung im Industriesektor drückt als auch das Konsumvertrauen angreift. Für die konjunkturelle Abkühlung aber sind auch längerfristige, strukturelle Effekte verantwortlich. Dabei spielen Nachwirkungen einer Finanzstabilitätskampagne und gedrosselte Anlageinvestitionen eine Rolle, die mit der Handelspolitik wenig zu tun haben. Der Außenhandel für sich genommen wiederum ist bislang keineswegs der große Bremsklotz. Chinas Nettoexporte steuerten in der ersten Jahreshälfte gut 20% zum Outputwachstum bei - ein extrem hoher Wert. Dabei haben nicht zuletzt Vorzieheffekte in Erwartung verschärfter Strafzölle eine Rolle gespielt. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass außenwirtschaftliche Bremseffekte erst im weiteren Jahresverlauf stärker negativ auf Chinas Wachstum durchschlagen werden.

Allerdings nähren flottere Konjunkturdaten im Juni die Hoffnung, dass die "wirtschaftspsychologische" Beeinträchtigung des Handelsstreits wieder nachlässt und sich die Binnennachfrage auf Erholungskurs befindet. Chinas noch behutsame Stimulierungspolitik beginnt zu greifen und kann bei Bedarf weiter verstärkt werden. Das offizielle Wachstumsziel für 2019 von mindestens 6% scheint bislang nicht in Gefahr. Eher scheint Trump sein Ziel zu verfehlen, Chinas Wirtschaft mit handelspolitischen Drohungen zum Entgleisen zu bringen.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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