Lesezeit: 2 Min

Der Welthandel wackelt

Foto: Patrick Baum / CC0 via Pixabay

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Der Welthandel wackelt

.

Die USA haben ihren protektionistischen Kurs gegenüber China noch einmal verschärft. Für den stagnierenden Welthandel ist das ein weiterer Rückschlag. Langfristig richtet diese Politik großen Schaden an und auch kurzfristig zeigen sich kaum positive Impulse für die deutsche Wirtschaft.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China erreicht neue Dimensionen. Chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar sollen mit einem Extrazoll von 10 Prozent belegt werden, ab kommendem Jahr sogar 25 Prozent. Mit diesem Schritt wollen die USA ihr Handelsdefizit gegenüber China senken. Womöglich wird diese Maßnahme tatsächlich zu einem Rückgang der US-amerikanischen Importe aus China führen. Doch das kommt die Amerikaner teuer zu stehen. Die US-Verbraucher werden einen Preisaufschlag auf chinesische Waren zahlen oder auf teurere Produkte umsteigen müssen. Aber auch die Bezieher von chinesischen Zwischenprodukten für die eigene Herstellung werden einen Wettbewerbsverlust auf dem US- und dem Weltmarkt erleiden.

Für die deutsche Wirtschaft bleibt diese Eskalation nicht ohne Folgen. Der Welthandel stagniert seit Anfang des Jahres, die wirtschaftspolitische Unsicherheit ist Gift für Investitionen weltweit. Selbst die kurzfristigen positiven Impulse aufgrund der Umlenkung von Handelsströmen sind kaum der Rede wert. So stiegen zwar die deutschen Exporte von Stahlrohren in die USA zwischen Januar und Juli um 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch dieser Anstieg kommt hauptsächlich aus der Zeit vor dem eigentlichen Beginn des Handelskonflikts. Insgesamt exportierten die deutschen Unternehmen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres nur 2,1 Prozent mehr in die USA als im Vorjahr – und damit deutlich unterdurchschnittlich. Die deutschen Exporte lagen im Zeitraum Januar bis Juli insgesamt um 4,5 Prozent höher als im Vorjahr. Vor einem Jahr war der Anstieg im gleichen Zeitraum mit 6,4 Prozent noch wesentlich höher.

Auch der Handel mit China wird deutlich gebremst – deutsche Unternehmen exportierten in diesem Jahr bislang zwar rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr ins Reich der Mitte. Doch auch das ist weniger als 2017 – da waren es 13,3 Prozent – und weit unter dem langfristigen Durchschnitt.

Der Handelskonflikt erreicht somit bereits gefährliche Dimensionen, die das globale Handelssystem in Frage stellen. Eine diplomatische Lösung ist dringend notwendig – bilateral oder durch eine Reform der Welthandelsorganisation, die unfaire Handelspraktiken wie Subventionen und Wettbewerbsverzerrungen durch Staatsunternehmen besser angeht.



Quelle: IW Köln


367 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Öffentlicher Gesamthaushalt: Der Schein trügt
    Donnerstag, 02. August 2018

    Die Schulden sinken – so die erfreuliche Nachricht des Statistischen Bundesamtes. Das klingt nach politischer Weitsicht und Generationengerechtigkeit. Doch der Schein trügt. Von einer soliden und...

  • Diesel-Skandal: Zeugen bestreiten VW-Darstellung
    Donnerstag, 26. Juli 2018

    Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn soll bereits Monate vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals detailliert über den Abgas-Betrug informiert gewesen sein. Zudem habe er bereits 2007 von...

  • Cybersicherheit: Staat und Wirtschaft bündeln ihre Kräfte
    Donnerstag, 20. September 2018

    Cyberattacken sind gefährlich und unberechenbar, sie bedrohen Wirtschaft und Staat. Ein neues Bündnis soll die Zusammenarbeit im Kampf gegen Cyberangriffe nun verbessern. Das ist dringend nötig.

  • Der Welthandel wackelt
    Dienstag, 18. September 2018

    Die USA haben ihren protektionistischen Kurs gegenüber China noch einmal verschärft. Für den stagnierenden Welthandel ist das ein weiterer Rückschlag. Langfristig richtet diese Politik großen...

  • Waffenstillstand im Handelsstreit
    Donnerstag, 26. Juli 2018

    Mit den Vereinbarungen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump konnte die nächste Eskalationsstufe im Handelskonflikt vermieden werden. Zugleich wird ein Startschuss für...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Deutsche Reeder besorgt über Verkauf großer Schiffskreditportfolien an ausländische Investoren
    Mittwoch, 06. Februar 2019

    Der Verband Deutscher Reeder (VDR) verfolgt den Verkauf großer Schiffskreditportfolios an ausländische Investoren "mit Sorge". "Wenn solche Portfolios vermehrt ins Ausland gehen, kann das kein gutes...