Die 4.760.000.000.000 Euro Lücke

Foto: geralt / pixabay (CC)

Wirtschaft
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Frankfurt (ots) - In seiner jüngsten Ausgabe beleuchtet der Degussa Marktreport die Hintergründe der EZB-Geldpolitik sowie deren Konsequenzen für die Preisstabilität.

Die US-Notenbank Fed begann ab Ende 2008 im Zuge der sogenannten "QE"-Politik die US-Dollar-Basisgeldmenge auszuweiten. Innerhalb eines dreiviertel Jahres wurden die gesamten, täglich fälligen Kundenguthaben der US-Banken mit Basisgeld gedeckt. Dadurch wurden die US-Finanzinstitute gegen einen Bankrun immunisiert. In Euroland hingegen ist die Situation eine andere. Die täglich fälligen Guthaben, die Kunden bei Euro-Banken halten, belaufen sich auf 5.378 Mrd. Euro. Die Euro-Banken verfügen jedoch nur über Basisgeldbestände in Höhe von 617 Mrd. Euro. Damit besteht eine "Liquiditätslücke" von 4.760 Milliarden Euro. Die EZB unter Führung von Mario Draghi ist offensichtlich gewillt, diese nun zu schließen.

Bis zum Herbst 2016 will sie mittels Anleihekäufe zusätzlich 1.140 Milliarden Euro in Umlauf bringen. Draghi kündigte allerdings bereits an, dass das Programm auch über den September 2016 hinaus laufen könnte. Zudem wurde die selbst gesteckte Obergrenze für den Ankauf öffentlicher Schulden von 25% auf 33% erhöht. Vor allem zwei Gründe sprechen für eine deutliche Ausweitung der EZB-Anleihekäufe. Zum einen hat die Zentralbank ein Interesse daran, die Banken der Eurozone ebenso gegen einen Bankrun zu immunisieren wie die Fed die US-Institute.

Zum anderen kommt das schließen der Liquiditätslücke den Politikern der Eurozone sehr entgegen. Draghi müsste nahezu die Hälfe aller Staatsschulden monetisieren: Die Schuldpapiere wandern dann in die Bilanz der EZB beziehungsweise der nationalen Zentralbanken und können zu extremen Tiefzinsen refinanziert werden. Sollten darüber hinaus auch kurzfristig fällige Termineinlagen mit Basisgeld unterfüttert werden, müsste die EZB fast die gesamten marktgehandelten Staatsschulden im Euroraum aufkaufen.

Damit stellt sich die Frage nach den Folgen einer derartigen Ausweitung der Euro-Basisgeldmenge. Die Antwort darauf, stellt Prof. Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH, fest, ist nicht ganz einfach und davon abhängig, ob die EZB die neu geschaffene Basisgeldmenge "stilllegt", in dem sie die Mindestreservesätze drastisch anhebt. Polleit hält dies allerdings aufgrund von politischen Widerständen für eher unwahrscheinlich. Ein, im Extremfall sogar drastischer Kaufkraftverlust des Euro erscheint da realistischer. Weitere Auswirkungen dürften, dem Degussa-Chefvolkswirt zufolge, weiterhin künstlich niedrige Zinsen, steigende Aktienkurse sowie ein sinkender Außenwert des Euros sein. "In einem solchem Umfeld", erinnert Polleit, "stellt Gold eine wirksame Impfung des Vermögensportfolios gegen die Widrigkeiten des ungedeckten Papiergeldsystems dar."



Quelle: Degussa


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