Die wirtschaftliche Lage in Deutschland verbessert sich

Foto: Bankenverband / Flickr (CC)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Er wird von einer kräftigen Binnennachfrage getragen. Zusätzlichen Schub geben der niedrige Ölpreis und die Euroabwertung. Die Industrieindikatoren sind in der Tendenz weiter aufwärtsgerichtet. Exporte und Importe nahmen im Februar zu. Die Exporterwartungen der Unternehmen haben sich weiter aufgehellt. Die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt fällt überdurchschnittlich stark aus.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühjahr im Aufschwung.[1] Das Bruttoinlandsprodukt hatte bereits im vierten Quartal des letzten Jahres kräftig um 0,7 % zugenommen.[2] Spürbare Einkommenszuwächse und eine solide Entwicklung am Arbeitsmarkt stärken die Binnennachfrage. Sie bleibt in einem schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeld die wichtigste Triebfeder der Konjunktur. Zudem dürften die aufgrund der Euroabwertung verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit und der anhaltend niedrige Ölpreis die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich stimulieren. Die Stimmung in den Unternehmen hat sich im letzten halben Jahr merklich verbessert. Die Anschaffungsneigung der privaten Verbraucher ist ungebrochen hoch. Das hohe Wachstumstempo am Ende des letzten Jahres wird allerdings im ersten Vierteljahr voraussichtlich nicht erreicht. Darauf deuten unter anderem die schwächeren Auftragseingänge und die Produktionsergebnisse im Januar und Februar hin. Insgesamt sprechen die Konjunkturindikatoren jedoch dafür, dass sich der Aufschwung in einem moderaten Tempo fortsetzen wird. Zudem bleiben mit der Schuldenkrise in Griechenland, dem ungelösten Russland-Ukraine-Konflikt sowie der angespannten Situation im Nahen Osten zahlreiche Risiken für die deutsche Konjunktur bestehen. Die Bundesregierung wird ihre Frühjahrsprognose am 22. April vorstellen.

Das Wachstumstempo der Weltwirtschaft steigt leicht an, zeigt sich jedoch weiterhin wenig dynamisch. Im Januar 2015 lag die preisbereinigte Weltindustrieproduktion lediglich 2,5 % über dem Vorjahresniveau. Vor allem das Wachstum der Schwellenländer bleibt weiterhin sehr verhalten. Russlands Konjunktur wird insbesondere durch den niedrigen Ölpreis und durch den Einfluss der Sanktionen deutlich gebremst. Die Prognosen für das russische Bruttoinlandsprodukt gehen mittlerweile von einer kräftigen Rezession im Jahr 2015 aus. In China deuten niedrigere Erwartungen für die Investitionstätigkeit auf ein unterdurchschnittliches Wachstum hin. Positive Impulse kommen aus den Vereinigten Staaten. Aber auch im Euroraum ist ein leichter Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität zu verzeichnen. Der schwache Eurokurs und der niedrige Ölpreis dürften sich positiv auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken. Für das Jahr 2015 rechnet die EZB mit einem Wachstum von 1,5 % im Euroraum. Für die Weltwirtschaft wird ein BIP-Wachstum von real rund 3,5 % prognostiziert.

Der deutsche Außenhandel entwickelte sich im Februar nach einem leichten Rückgang im Vormonat wieder positiv. Saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen wurden 1,5 % mehr Waren als im Januar exportiert. Die Wareneinfuhren nahmen gegenüber dem Vormonat um 1,8 % zu. In realer Rechnung dürften sie aufgrund der gesunkenen Einfuhrpreise sogar merklich kräftiger gestiegen sein. Im Dreimonatsvergleich entwickelten sich die Auslandsumsätze positiv, die Auslandsbestellungen fielen jedoch etwas schwächer aus. Eher negative Impulse kamen hierbei aus den Ländern des Euroraums, wohingegen sich die Aufträge aus dem übrigen Ausland leicht positiv entwickelten. Die Exporterwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate haben sich weiter aufgehellt. Dies dürfte nicht zuletzt auch auf die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber wichtigen Handelspartnern im Zuge der Abwertung des Euro zurückzuführen sein.

In der Industrie hat sich das Wachstumstempo nach dem starken Schlussquartal 2014 etwas abgeschwächt. Nachdem Brückentage die Produktion im Januar gedämpft hatten, gab es im Februar einen Anstieg um 0,5 %. In der Tendenz bleibt die Industrieproduktion aufwärtsgerichtet, wobei wesentliche Impulse zuletzt von den Vorleistungsgüterproduzenten kamen. Die Industrieumsätze fielen im Februar weniger stark aus als im Vormonat, entwickeln sich aber im Trend ebenfalls positiv. Dies gilt sowohl für das Inlands- als auch für das Auslandsgeschäft. Dagegen sind die Auftragseingänge nach dem kräftigen Dezemberergebnis sehr verhalten ins neue Jahr gestartet. Während die Inlandsnachfrage im Februar unverändert blieb, gingen die Auslandsbestellungen erneut zurück. Die einschlägigen Stimmungsindikatoren, wie das ifo Geschäftsklima, haben sich jedoch weiter aufgehellt. Im Baugewerbe konnte das witterungsbedingt hohe Produktionsniveau des Vormonats im Februar nicht gehalten werden: Es gab einen Rückprall um 3,1 %. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe stiegen im Januar allerdings kräftig um 9,8 % an, wobei die Bestellungen von öffentlichen und gewerblichen Auftraggebern kamen. Das Geschäftsklima in der Baubranche war trotz guter Rahmenbedingungen rückläufig, die Einschätzungen der Unternehmen liegen aber weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt.

Der private Konsum bleibt die wichtigste Kraft hinter der aktuellen konjunkturellen Entwicklung. Im vierten Quartal 2014 stiegen die privaten Konsumausgaben um 0,8 % und trugen damit maßgeblich zum kräftigen BIP-Wachstum bei. Nach der außerordentlich positiven Entwicklung der letzten Monate fielen die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) im Februar zwar etwas schwächer aus, doch die Kaufneigung der Verbraucher scheint angesichts der günstigen Situation am Arbeitsmarkt und der positiven Einkommensperspektiven ungebremst. Die niedrigen Ölpreise sorgen trotz der Abwertung des Euro für eine insgesamt moderate Preisniveauentwicklung.

Der Arbeitsmarkt befindet sich weiter im Aufwind. Angesichts der anziehenden Konjunktur und verstärkt durch den milden Winter fiel die Frühjahrsbelebung überdurchschnittlich stark aus. Die Zahl der Arbeitslosen ging im März um 85.000 Personen zurück (saisonbereinigt: -15.000 Personen) und fiel damit wieder unter die Drei-Millionen-Grenze. Die Beschäftigung stieg im Februar saisonbereinigt um weitere 28.000 Personen. Vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entwickelte sich zuletzt sehr dynamisch und konnte im Januar saisonbereinigt um 76.000 Personen zulegen. Im Gegenzug ging die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten (Minijobs) im Januar kräftig zurück. Insgesamt signalisieren Frühindikatoren eine Fortsetzung der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Mai-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 18. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 13. April 2015 vorlagen.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.

Ausgewählte Daten zur wirtschaftlichen Lage
Stand: April 2015
PDF: 9,2 KB

Alternativer Download: Ausgewählte Daten zur wirtschaftlichen Lage



Quelle: BMWI


Wirtschaft (Top 10)

  • Typgenehmigung für Millionen Dieselautos rechtswidrig
    Dienstag, 25. Oktober 2016

    Die Typgenehmigung für Millionen Dieselautos auf deutschen Straßen ist womöglich rechtswidrig und damit ungültig. Das geht aus einem Gutachten des renommierten Umweltrechtlers Prof. Dr. Martin Führ...

  • Selbständige Beschäftigung geht zurück
    Mittwoch, 02. September 2015

    Tendenz zur Selbständigkeit branchenübergreifend gebrochen - Vor allem weniger Solo-Selbständige - Zahl der Arbeitnehmer steigt dagegen - Insbesondere jüngere Erwerbstätige nehmen lieber eine...

  • bautec 2016 setzt Impulse für die Baubranche
    Dienstag, 23. Februar 2016

    Nach vier Messetagen zog die bautec 2016 am vergangenen Freitag eine positive Bilanz. 35.000 Besucher informierten sich bei 500 Ausstellern aus 17 Ländern über innovative Produkte und Services sowie...

  • Steuerschätzung: Immer mehr Einnahmen
    Donnerstag, 05. November 2015

    Sorgen wegen der Steuereinnahmen müssen sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Amtskollegen aus den Ländern nicht machen. Entgegen Spekulationen der vergangenen Tage vor der...

  • Kartellstrafe für Lkw-Hersteller: Bitteres Lehrgeld
    Dienstag, 19. Juli 2016

    Im Jahr 1997 nahm alles seinen Anfang: In einem gemütlichen Hotel in Brüssel trafen sich führende Manager von Europas größten Lkw-Herstellern und vereinbarten Preisabsprachen und ein koordiniertes...

  • Gefahr für digitale Geschäftsmodelle
    Montag, 03. Juli 2017

    Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) möchte Unternehmen dazu verpflichten, ihre Algorithmen den Behörden offenzulegen. Dies soll verhindern, dass Konsumenten mithilfe der Programme diskriminiert...

  • Niedrigzinsumfrage: Stresstest nach dem Stresstest
    Montag, 25. Juli 2016

    Manch einer hat sich verwundert die Augen gerieben, dass die European Banking Authority (EBA) in ihrem Stresstest zur Lage der Großbanken auf ein Negativzinsszenario verzichtet. Dabei stehen diese...

  • Investoren fürchten Brexit-Folgen
    Freitag, 16. September 2016

    Immer weniger Immobilienunternehmen gehen davon aus, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in nächster Zeit verbessern wird. Zwar gibt es weiterhin mehr Optimisten als Pessimisten, wie der neue...

  • Die Inflationierung der Immobilienpreise ist verheerend
    Freitag, 12. Juni 2015

    München (ots) - Ryan McMaken entlarvt in seinem jüngsten Beitrag auf www.misesde.org den Glauben an steigende Immobilienpreise als Gradmesser für eine positive Wirtschaftsentwicklung als primitiven...

  • Privater Neubau hilft nicht gegen Wohnungsnot
    Donnerstag, 23. Juni 2016

    Der private Wohnungsbau, auf den die Politik bei der Bekämpfung der Wohnungsnot in großen Städten vorrangig setzt, schafft so gut wie keine bezahlbaren Mietwohnungen. 95,3 Prozent der privaten...