Lesezeit: 2 Min

Eigenerzeugung: Industrie nicht stärker belasten

Photovoltaik-Anlagen sind bei Privathaushalten und Betrieben beliebt. Foto: Hans Braxmeier / CC0 via Pixabay

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Eigenerzeugung: Industrie nicht stärker belasten

.

Wer seinen Strom selbst erzeugt, für den entfallen eine Reihe von Abgaben auf den Strompreis. Das macht die Solaranlage auf dem eigenen Dach noch attraktiver. Die Agora Energiewende hat zur Entwicklung der sogenannten Eigenversorgung durch PV-Anlagen Schätzungen vorgelegt. Doch für politische Handlungsempfehlungen sind auch andere Bereiche, in denen Strom erzeugt wird, mit einzubeziehen – das war bisher hauptsächlich die Industrie.

Strom erzeugen und so die Stromrechnung billiger machen – das klingt gut, birgt aber Probleme: Die Kosten für die Förderung von erneuerbaren Energien oder zum Ausbau der Netze zum Beispiel müssen von den restlichen Stromverbrauchern getragen werden. Auch für die Stromnetzbetreiber ist das Verhalten von Privatpersonen, die ihren Strom mal verbrauchen und mal ins öffentliche Netz einspeisen, schwierig.

Dennoch: Bis zu 24 Terawattstunden (TWh) könnten laut Agora bis 2035 mittels kleinerer PV-Anlagen von Privathaushalten und Betrieben selbst erzeugt werden und Strom aus dem öffentlichen Netz verdrängen. Im Vergleich zu den geschätzten 2 TWh heute wäre das immerhin mehr als eine Verzehnfachung.

Auch ein Kurzbericht des IW Köln zeigt: Durch den Anstieg von Abgaben und Umlagen treten vor allem neue Akteure in den Markt. Die Eigenversorgung insgesamt ist von 44,9 Terawattstunden im Jahr 2008 um über 50 Prozent auf fast 60,7 Terawattstunden 2014 gestiegen. Auch in kleineren Industriebetrieben hat sich die Eigenerzeugung beinahe verfünffacht. Den größten Teil der Eigenversorgung macht aber mit rund 40 TWh weiterhin die industrielle Stromerzeugung in größeren Kraftwerken aus – ein Segment, das schon vor 2008 bestand und sich auch seitdem mengenmäßig kaum verändert hat. Hier werden traditionell häufig Wärme und Strom gemeinsam erzeugt und Reststoffe energetisch verwertet – das ergibt auch ökologisch Sinn.

Daher ist ein Politikwechsel, der Eigenversorgung vollumfänglich belastet, nicht möglich. Ein erheblicher Teil der Industrie ist auf Eigenversorgungsmodelle angewiesen und zwar schon lange vor dem massiven Anstieg der zu vermeidenden Umlagen. Hier müssen Ersatzinvestitionen möglich sein, ohne damit den bereits vorhandenen Nachteil der hiesigen Stromkosten zu verschärfen. Dass das Eigenerzeugungsprivileg aber an anderen Stellen zunehmend Investitionsverzerrungen und Verteilungsprobleme verschärft, macht einmal mehr deutlich: Die EEG-Umlage darf nicht über Strompreis finanziert werden.



Quelle: IW Köln


342 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Öffentlicher Gesamthaushalt: Der Schein trügt
    Donnerstag, 02. August 2018

    Die Schulden sinken – so die erfreuliche Nachricht des Statistischen Bundesamtes. Das klingt nach politischer Weitsicht und Generationengerechtigkeit. Doch der Schein trügt. Von einer soliden und...

  • Diesel-Skandal: Zeugen bestreiten VW-Darstellung
    Donnerstag, 26. Juli 2018

    Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn soll bereits Monate vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals detailliert über den Abgas-Betrug informiert gewesen sein. Zudem habe er bereits 2007 von...

  • Cybersicherheit: Staat und Wirtschaft bündeln ihre Kräfte
    Donnerstag, 20. September 2018

    Cyberattacken sind gefährlich und unberechenbar, sie bedrohen Wirtschaft und Staat. Ein neues Bündnis soll die Zusammenarbeit im Kampf gegen Cyberangriffe nun verbessern. Das ist dringend nötig.

  • Der Welthandel wackelt
    Dienstag, 18. September 2018

    Die USA haben ihren protektionistischen Kurs gegenüber China noch einmal verschärft. Für den stagnierenden Welthandel ist das ein weiterer Rückschlag. Langfristig richtet diese Politik großen...

  • Waffenstillstand im Handelsstreit
    Donnerstag, 26. Juli 2018

    Mit den Vereinbarungen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump konnte die nächste Eskalationsstufe im Handelskonflikt vermieden werden. Zugleich wird ein Startschuss für...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Deutsche Reeder besorgt über Verkauf großer Schiffskreditportfolien an ausländische Investoren
    Mittwoch, 06. Februar 2019

    Der Verband Deutscher Reeder (VDR) verfolgt den Verkauf großer Schiffskreditportfolios an ausländische Investoren "mit Sorge". "Wenn solche Portfolios vermehrt ins Ausland gehen, kann das kein gutes...