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Eigenerzeugung: Industrie nicht stärker belasten

Photovoltaik-Anlagen sind bei Privathaushalten und Betrieben beliebt. Foto: Hans Braxmeier / CC0 via Pixabay

Wirtschaft
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Eigenerzeugung: Industrie nicht stärker belasten

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Wer seinen Strom selbst erzeugt, für den entfallen eine Reihe von Abgaben auf den Strompreis. Das macht die Solaranlage auf dem eigenen Dach noch attraktiver. Die Agora Energiewende hat zur Entwicklung der sogenannten Eigenversorgung durch PV-Anlagen Schätzungen vorgelegt. Doch für politische Handlungsempfehlungen sind auch andere Bereiche, in denen Strom erzeugt wird, mit einzubeziehen – das war bisher hauptsächlich die Industrie.

Strom erzeugen und so die Stromrechnung billiger machen – das klingt gut, birgt aber Probleme: Die Kosten für die Förderung von erneuerbaren Energien oder zum Ausbau der Netze zum Beispiel müssen von den restlichen Stromverbrauchern getragen werden. Auch für die Stromnetzbetreiber ist das Verhalten von Privatpersonen, die ihren Strom mal verbrauchen und mal ins öffentliche Netz einspeisen, schwierig.

Dennoch: Bis zu 24 Terawattstunden (TWh) könnten laut Agora bis 2035 mittels kleinerer PV-Anlagen von Privathaushalten und Betrieben selbst erzeugt werden und Strom aus dem öffentlichen Netz verdrängen. Im Vergleich zu den geschätzten 2 TWh heute wäre das immerhin mehr als eine Verzehnfachung.

Auch ein Kurzbericht des IW Köln zeigt: Durch den Anstieg von Abgaben und Umlagen treten vor allem neue Akteure in den Markt. Die Eigenversorgung insgesamt ist von 44,9 Terawattstunden im Jahr 2008 um über 50 Prozent auf fast 60,7 Terawattstunden 2014 gestiegen. Auch in kleineren Industriebetrieben hat sich die Eigenerzeugung beinahe verfünffacht. Den größten Teil der Eigenversorgung macht aber mit rund 40 TWh weiterhin die industrielle Stromerzeugung in größeren Kraftwerken aus – ein Segment, das schon vor 2008 bestand und sich auch seitdem mengenmäßig kaum verändert hat. Hier werden traditionell häufig Wärme und Strom gemeinsam erzeugt und Reststoffe energetisch verwertet – das ergibt auch ökologisch Sinn.

Daher ist ein Politikwechsel, der Eigenversorgung vollumfänglich belastet, nicht möglich. Ein erheblicher Teil der Industrie ist auf Eigenversorgungsmodelle angewiesen und zwar schon lange vor dem massiven Anstieg der zu vermeidenden Umlagen. Hier müssen Ersatzinvestitionen möglich sein, ohne damit den bereits vorhandenen Nachteil der hiesigen Stromkosten zu verschärfen. Dass das Eigenerzeugungsprivileg aber an anderen Stellen zunehmend Investitionsverzerrungen und Verteilungsprobleme verschärft, macht einmal mehr deutlich: Die EEG-Umlage darf nicht über Strompreis finanziert werden.



Quelle: IW Köln


342 Wörter im Bericht.

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