Lesezeit: 2 Min

EU fördert mit Agrarmilliarden den Verstoß gegen eigene Umweltstandards

Foto: Wolfgang Eckert / CC0 via Pixabay

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

EU fördert mit Agrarmilliarden den Verstoß gegen eigene Umweltstandards

.

Rund 58 Milliarden Euro gibt die Europäische Union jedes Jahr für die Förderung ihrer Landwirtschaft aus. Es ist einer der größten Ausgabenposten in der EU. Obwohl der Agrarhaushalt laut Vorschlag der EU-Kommission wegen des Brexits maßvoll schrumpfen soll, ist keine grundlegende Neuverteilung der Agrarmilliarden geplant.

Die Zahlungen, die eigentlich die Einkommen von Landwirten stabilisieren und den Umweltschutz verbessern sollen, verfehlen aber oft die gewünschte Wirkung. Die NDR-Redaktion des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ hat anlässlich des Vorschlags für den neuen EU-Haushalt, der am 2. Mai vorgelegt wird, die Subventionen für das Agrarland Niedersachsen analysiert. Das Ergebnis: Fast 70 Prozent der Gelder fließen in den Westen Niedersachsens – eine Region, in der regelmäßig gegen Umweltrichtlinien der EU verstoßen wird.

Der Westen Niedersachsens steht für Massentierhaltung, große Mastbetriebe und zunehmende Umweltprobleme, verursacht durch Landwirtschaft. Die niedersächsische Landesregierung bezeichnet die Region in ihrem aktuellen Nährstoffbericht als „Risiko-Region“. Denn hier werden die Grenzwerte für Nitrat, Phosphor und Stickstoff überschritten - Folgen einer verfehlten Agrarpolitik, finanziert von den Steuerzahlern. Wissenschaftler kommen in einer Studie im Auftrag der EU-Kommission zu dem Ergebnis, dass die von der Landwirtschaft verursachten Umweltschäden bei 300 Euro pro Hektar liegen. Damit kommt in Deutschland zu den Direktzahlungen an die Landwirtschaft in Höhe von 5,2 Milliarden Euro jährlich noch einmal dieselbe Summe an Umweltkosten, die der Steuerzahler zu tragen hat, kritisiert Prof. Friedhelm Taube von der Universität Kiel. Als Mitglied des Agrarbeirates der Bundesregierung moniert er seit Jahren, dass die EU mit ihren Subventionen eine Landwirtschaft fördert, die gegen Regeln und Grenzwerte in der Europäischen Union verstößt.

Und auch das Ziel der Einkommensstabilisierung in der Landwirtschaft wird nicht erreicht. EU-Agrarkommissar Phil Hogan schreibt in seinem ersten Entwurf zur Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik, dass 80 Prozent der Direktzahlungen an nur 20 Prozent der Landwirte fließen. Es profitieren vor allem die Betriebe mit großen Flächen, denn die Direktzahlungen werden pro Hektar gezahlt – unabhängig davon, ob dieser Betrieb tatsächlich Einkommenszuschüssen bedarf.

Plusminus“ (NDR): Mittwoch, 2. Mai, 21.45 Uhr, im Ersten



Quelle: NDR


331 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...