Europäer in der Digitalwirtschaft zu naiv und verzagt

Foto: Tobias Albers-Heinemann / CC0 via Unsplash

Wirtschaft
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EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat den Bürgern der Europäischen Union angesichts der Risiken der Digitalisierung Blauäugigkeit vorgeworfen. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag) warnte die Dänin insbesondere vor einer übergroßen Freigiebigkeit mit persönlichen Informationen.

"Wir müssen den Irrglauben durchbrechen, dass die Preisgabe von Daten keine Art von Bezahlung wäre", sagte Vestager, die durch spektakuläre Wettbewerbsverfahren gegen digitale Weltkonzerne wie Google, Apple und Amazon bekannt geworden ist. "Überall, wo Du nicht mit Bargeld bezahlst, bezahlst Du auch mit Daten", erklärte die EU-Kommissarin. Der Verbraucher werde auf diese Weise selbst Teil eines Produkts und seine Daten zu einer Ware, die weiterverkauft würde. "Man sollte sich hier keine Illusionen machen", warnte Vestager.

Die frühere dänische Ministerin zeigte sich irritiert, wie wenig die Verbraucher auf ihre Rechte achteten. "Wir müssen in viel größerem Maße als bisher aufwachen", rief sie zu mehr Wachsamkeit auf. "Es bringt ja nichts, wenn unsere Politiker unsere Rechte stärken und wir diese als Bevölkerung dann nicht auch nutzen."

Zugleich beklagte Vestager, "dass die Leute offenbar nicht so neugierig und entschlossen sind, etwas Neues auszuprobieren". So gebe es Produkte wie den deutschen Browser Cliqz. "Er bietet neue Möglichkeiten zu sagen, ich will nicht getracked werden, ich will keine digitale Spur hinterlassen. Aber wie bekannt ist er?", fragte Vestager und warb für mehr Wagemut: "Wir brauchen selbstbestimmte Konsumenten und Bürger." Wenn die Bürger es wollten, könnten sogar europäische Alternativen zu Google oder Amazon ähnlich wie in Russland oder China erfolgreich sein. "In Europa gibt es jedenfalls keinen Mangel an Unternehmern, Innovatoren, fähigen Leuten im Tech-Bereich. Wir haben, was wir bräuchten", sagte Vestager. Fraglich sei einzig der Wille der Verbraucher.



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung


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