#zeitfokus.

Dienstag, 26 Mai 2020
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Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden Euro, zeigen Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft.

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Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat die nächste Eskalationsstufe erreicht: Die USA haben die Zölle auf chinesische Importe seit Freitag von zehn auf 25 Prozent erhöht. Davon betroffen sind Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar. Das dürfte auch die deutschen Exporte belasten, zeigt eine IW-Simulation mit dem Global Economic Model von Oxford Economics: Demnach dürften die preisbereinigten deutschen Exporte 2020 um mehr als 0,1 Prozent oder rund zwei Milliarden Euro niedriger als bis jetzt prognostiziert ausfallen. Voraussetzung dafür ist, dass die seit Freitag geltenden US-Zölle auf chinesische Waren bleiben und China mit einem proportionalen Anstieg der Zölle auf US-Waren reagiert. Die preisbereinigte Simulation bemisst den Rückgang in Preisen des Jahres 2010.

Milliardeneinbußen bei allen Beteiligten

Weil beide Länder enge Handelbeziehungen mit Deutschland pflegen, sind die Auswirkungen für die Bundesrepublik besonders stark spürbar. "Wenn der größte und der drittgrößte Handelspartner Deutschlands sich gegenseitig mit Zöllen bestrafen, kann das an der deutschen Exportwirtschaft nicht spurlos vorbei gehen", sagt IW-Außenhandelsexpertin Galina Kolev. Die beiden Großmächte leiden allerdings selbst am stärksten unter dem Handelsstreit: Nach IW-Berechnungen dürfte das preisbereinigte US-BIP im Jahr 2020 um 0,1 Prozent kleiner ausfallen, in China ist sogar mit Einbußen von 0,3 Prozent zu rechnen.

Handelskonflikt kennt nur Verlierer

Wer die neuen Zölle zu tragen hat, bleibt noch unklar. Das US-Handelsdefizit gegenüber China ist trotz der Strafzölle im Jahr 2018 um 11,6 Prozent auf 419 Milliarden US-Dollar gestiegen. Im Oktober vermeldete das US-Handelsministerium sogar ein Allzeithoch. Die Aussicht auf neue Zölle in 2019 dürfte viele Importeure dazu veranlasst haben, für die kommenden Monate vorzusorgen.

Seit Oktober ist das US-Handelsdefizit gegenüber China rückläufig. Zwar könnte das auf saisonale Effekte zurückzuführen sein, doch das Defizit erreichte im März mit 20,7 Milliarden US-Dollar den tiefsten Wert seit fünf Jahren. Auch die Preisentwicklung zeigt, dass die Last nicht ausschließlich durch die US-Verbraucher in Form steigender Produktpreise zu tragen ist. So lag der Preisindex für US-Importe aus China im März 2019 um 0,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Index bezieht sich auf alle Importe aus China, auch die ohne neue Zölle. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass chinesische Hersteller seit Beginn des Handelskonflikts ihre Preise gesenkt haben könnten, um die Zolleffekte für die US-Verbraucher abzumildern.

Dass am Ende alle Beteiligten verlieren, macht sich anhand der aktuellen Entwicklung und den Prognosen bemerkbar. "Der Handelskonflikt verunsichert Investoren und hängt wie eine dunkle Wolke über der Weltkonjunktur", so Kolev. Das Institut der deutschen Wirtschaft reduzierte aus diesem Grund seine Prognosen für 2019: Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr nur noch um 2 ¾ Prozent zulegen und somit mehr als einen halben Prozentpunkt weniger als 2018. Für Deutschland wird nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent erwartet – 2018 waren es noch 1,5 Prozent. Die preisbereinigten Exporte dürften 2019 um nur noch 1,4 Prozent den Vorjahreswert übersteigen.



Quelle: IW Köln
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