#zeitfokus.

Sonntag, 05 Apr 2020
Foto: pxhere / CC0
 2-4 Minuten Lesezeit  614 Worte im Text  vor 51 Tagen
Im Höhenflug - Analyse zum Aktienmarkt. Der Höhenflug der Aktienmärkte scheint durch nichts aufzuhalten zu sein. Nach dem ersten nachhaltigeren Durchbruch des Dax über das alte Rekordhoch von knapp 13.600 Zählern ist der deutsche Leitindex am Freitag noch bis auf ein Rekordhoch von 13.789 gestiegen. Auf Basis des Wochenschlusses hat der deutsche Standardwerteindex seit Jahresbeginn um 3,7 Prozent zugelegt. Die ungebrochene Hausse der Aktienmärkte ist überaus bemerkenswert, findet sie doch in einem Umfeld statt, in dem sich die Aussichten für die Weltwirtschaft, deren Wachstum im zurückliegenden Jahr spürbar gesunken ist, deutlich eingetrübt haben. Nach wie vor kann überhaupt nicht eingeschätzt werden, wie sich die Corona-Epidemie weiter entwickeln wird bzw. wann sie überstanden sein wird. Klar ist nur, dass sie bereits jetzt erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichtet. Welches Gesamtausmaß diese Schäden haben werden, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Fakt ist, dass die Konsenserwartung einer leichten Beschleunigung des globalen Wachstums wie schon im Vorjahr enttäuscht zu werden droht. Die Epidemie wird irgendwann überstanden sein, aber man muss sich - Nachholeffekte hin oder her - bereits darauf einstellen, dass das Wachstum der Weltwirtschaft auch 2020 zurückgehen könnte. Dazu reicht ein Blick auf China. Volkswirte haben ihre Prognosen für das Wachstum Chinas bereits von 6,0 Prozent auf 5,5 Prozent reduziert - und das unter der Prämisse, dass die Epidemie relativ zeitnah den Höhepunkt erreicht. Die Hausse der Aktienmärkte trotz dieser widrigen Umstände unterstreicht die Macht, die die ultralockere Geldpolitik und die extrem niedrigen Zinsen haben. Die Notenbanken sind die Haupttriebfeder des bald elf Jahre andauernden und damit ungewöhnlich langen Bullenmarktes. Zuletzt haben die mexikanischen Währungshüter ihren Leitsatz reduziert. Damit haben Zentralbanken seit dem Kollaps von Lehman Brothers im September 2008 laut Bank of America weltweit insgesamt 800 Leitzinssenkungsschritte beschlossen. Das ist genauso einmalig wie das aktuell niedrige Zinsniveau, das die Investoren dazu zwingt, immer stärker ins Risiko zu gehen, und dadurch maßgeblich die Aktienkurse, aber auch andere Risiko-Assets in die Höhe treibt. 800 Zinssenkungsschritte, dazu noch weitere Stützmaßnahmen wie massive Liquiditätsspritzen und Wertpapierkäufe: Es kann nicht verwundern, dass sich in den zurückliegenden Jahren ein Gewöhnungseffekt bei Marktteilnehmern eingestellt hat, kennen doch viele von ihnen nichts anderes als ebendies. Die Folge ist ein ausgeprägtes Vertrauen darauf, dass die Zentralbanken im Krisenfall zur Hilfe eilen und ihre Eingriffe auch dazu führen werden, Ungemach von der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten abzuwenden. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass sich die Rekordjagd unter diesen Voraussetzungen fortsetzen wird und etwa der Dax in absehbarer Zeit auch über die Schwelle von 14.000 steigen wird. Denn den Investoren fehlen angesichts des sich immer weiter auftürmenden Bergs negativ rentierender Anleihen schlichtweg die Alternativen. Jedoch muss auch die Frage aufgeworfen werden, wie weit dies die Aktienmärkte noch nach oben tragen kann. Niedrige Zinsen, dadurch relativ günstige Bewertungen und der Mangel an Anlagealternativen werden nicht unendlich in der Lage sein, einen Bullenmarkt zu tragen, wenn nicht irgendwann die fundamentale Basis nachzieht. Derzeit bröckelt sie jedenfalls weiter ab. So werden die Dividendenausschüttungen der Dax-Unternehmen in diesem Jahr erstmals seit langem sinken. Allein in der abgelaufenen Woche haben Daimler und die Commerzbank ihre Dividenden gesenkt. Zwar ist die Dax-Dividendenrendite im Vergleich zur mit minus 0,40 Prozent rentierenden zehnjährigen Bundesanleihe attraktiv. Dennoch bricht der Anstieg der Dividenden ab. Gerade der deutsche Aktienmarkt mit seinem hohen Export- und China-Geschäftsanteil ist von dem Virusausbruch betroffen. Dabei ist die absolute Bewertung bereits in den anspruchsvollen Bereich vorgerückt. Auf Basis des Konsens für den aggregierten Gewinn je Aktie der Dax-Gesellschaften liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aktuell bei knapp 15. Der Konsens unterstellt jedoch immer noch ein zweistelliges Gewinnwachstum. Ein Wachstum von 5 Prozent unterstellt, läge das KGV bei 15,6. Das ist alles andere als ein günstiges Bewertungsniveau. Quelle: ots/Westfalen-Blatt

Der Höhenflug der Aktienmärkte scheint durch nichts aufzuhalten zu sein. Nach dem ersten nachhaltigeren Durchbruch des Dax über das alte Rekordhoch von knapp 13.600 Zählern ist der deutsche Leitindex am Freitag noch bis auf ein Rekordhoch von 13.789 gestiegen. Auf Basis des Wochenschlusses hat der deutsche Standardwerteindex seit Jahresbeginn um 3,7 Prozent zugelegt. Die ungebrochene Hausse der Aktienmärkte ist überaus bemerkenswert, findet sie doch in einem Umfeld statt, in dem sich die Aussichten für die Weltwirtschaft, deren Wachstum im zurückliegenden Jahr spürbar gesunken ist, deutlich eingetrübt haben.

empty alt
Foto: Hans Braxmeier / CC0 de (via Pixabay)

Thomas-Cook-Pleite: Reisebüroverband erwägt EU-Klage für Staatshaftung

Nach wie vor kann überhaupt nicht eingeschätzt werden, wie sich die Corona-Epidemie weiter entwickeln wird bzw. wann sie überstanden sein wird. Klar ist nur, dass sie bereits jetzt erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichtet. Welches Gesamtausmaß diese Schäden haben werden, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Fakt ist, dass die Konsenserwartung einer leichten Beschleunigung des globalen Wachstums wie schon im Vorjahr enttäuscht zu werden droht.

Die Epidemie wird irgendwann überstanden sein, aber man muss sich - Nachholeffekte hin oder her - bereits darauf einstellen, dass das Wachstum der Weltwirtschaft auch 2020 zurückgehen könnte. Dazu reicht ein Blick auf China. Volkswirte haben ihre Prognosen für das Wachstum Chinas bereits von 6,0 Prozent auf 5,5 Prozent reduziert - und das unter der Prämisse, dass die Epidemie relativ zeitnah den Höhepunkt erreicht.

Die Hausse der Aktienmärkte trotz dieser widrigen Umstände unterstreicht die Macht, die die ultralockere Geldpolitik und die extrem niedrigen Zinsen haben. Die Notenbanken sind die Haupttriebfeder des bald elf Jahre andauernden und damit ungewöhnlich langen Bullenmarktes. Zuletzt haben die mexikanischen Währungshüter ihren Leitsatz reduziert. Damit haben Zentralbanken seit dem Kollaps von Lehman Brothers im September 2008 laut Bank of America weltweit insgesamt 800 Leitzinssenkungsschritte beschlossen. Das ist genauso einmalig wie das aktuell niedrige Zinsniveau, das die Investoren dazu zwingt, immer stärker ins Risiko zu gehen, und dadurch maßgeblich die Aktienkurse, aber auch andere Risiko-Assets in die Höhe treibt.

800 Zinssenkungsschritte, dazu noch weitere Stützmaßnahmen wie massive Liquiditätsspritzen und Wertpapierkäufe: Es kann nicht verwundern, dass sich in den zurückliegenden Jahren ein Gewöhnungseffekt bei Marktteilnehmern eingestellt hat, kennen doch viele von ihnen nichts anderes als ebendies. Die Folge ist ein ausgeprägtes Vertrauen darauf, dass die Zentralbanken im Krisenfall zur Hilfe eilen und ihre Eingriffe auch dazu führen werden, Ungemach von der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten abzuwenden.

Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass sich die Rekordjagd unter diesen Voraussetzungen fortsetzen wird und etwa der Dax in absehbarer Zeit auch über die Schwelle von 14.000 steigen wird. Denn den Investoren fehlen angesichts des sich immer weiter auftürmenden Bergs negativ rentierender Anleihen schlichtweg die Alternativen. Jedoch muss auch die Frage aufgeworfen werden, wie weit dies die Aktienmärkte noch nach oben tragen kann. Niedrige Zinsen, dadurch relativ günstige Bewertungen und der Mangel an Anlagealternativen werden nicht unendlich in der Lage sein, einen Bullenmarkt zu tragen, wenn nicht irgendwann die fundamentale Basis nachzieht.

Derzeit bröckelt sie jedenfalls weiter ab. So werden die Dividendenausschüttungen der Dax-Unternehmen in diesem Jahr erstmals seit langem sinken. Allein in der abgelaufenen Woche haben Daimler und die Commerzbank ihre Dividenden gesenkt. Zwar ist die Dax-Dividendenrendite im Vergleich zur mit minus 0,40 Prozent rentierenden zehnjährigen Bundesanleihe attraktiv. Dennoch bricht der Anstieg der Dividenden ab.

Gerade der deutsche Aktienmarkt mit seinem hohen Export- und China-Geschäftsanteil ist von dem Virusausbruch betroffen. Dabei ist die absolute Bewertung bereits in den anspruchsvollen Bereich vorgerückt. Auf Basis des Konsens für den aggregierten Gewinn je Aktie der Dax-Gesellschaften liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aktuell bei knapp 15. Der Konsens unterstellt jedoch immer noch ein zweistelliges Gewinnwachstum. Ein Wachstum von 5 Prozent unterstellt, läge das KGV bei 15,6. Das ist alles andere als ein günstiges Bewertungsniveau.



Quelle: ots/Westfalen-Blatt
#mehrNachrichten
Es geht ganz klar um Schutzkleidung und alles, was damit zusammenhängt. Die werden illegal ins Ausland verschickt.
Foto: visuals

Zoll beschlagnahmt Atemschutzmasken und Schutzkleidung bei 3M

Die Zollbehörde Mönchengladbach hat bei einer Kontrolle im europäischen Verteilzentrum des US-Konzerns 3M in Jüchen hochwertige Atemschutzmasken und andere Schutzkleidung für Ärzte, Laboranten,...
Grünen haben die Abschaltung der Kernkraftwerke Emsland, Grohnde und Gundremmingen bis zum Ende der Corona-Krise gefordert.
Foto: Günter Ruopp

Grüne fordern Abschaltung von Atomkraftwerken bis zum Ende der Corona-Krise

Die Grünen im Bundestag haben die Abschaltung der Kernkraftwerke Emsland, Grohnde und Gundremmingen bis zum Ende der Corona-Krise gefordert. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter...
Björn Höcke auf einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Nordhausen
Foto: Vincent Eisfeld / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die Beobachtung der AfD als erster Schritt

Recht hatte der AfD-Bundesvorstand, als er Anfang 2017 eine Randfigur ausschließen wollte, weil sie eine "übergroße Nähe zum Nationalsozialismus" habe. Doch der damit gemeinte Björn Höcke blieb....
Giuseppe Conte
Foto: European Parliament / CC BY 2.0 (via Flickr)

Zweifel an Notwendigkeit von Corona-Bonds

Unter deutschen Finanzmarktexperten gibt es Zweifel an der Notwendigkeit sogenannter Corona-Bonds, wie sie Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte gerade erneut gefordert hat. Bert Van Roosebeke...
Derweil steht das staatliche Gesundheitssystem NHS vor dem Kollaps.
Foto: Chatham House / CC BY-NC-ND 2.0 (via Flickr)

Johnson versagt in der Corona-Krise

Corona-Krise? Nicht in Großbritannien. Das dachten zumindest viele Briten, obwohl die Situation in den Krankenhäusern des Königreichs schon schlimme Ausmaße angenommen hat. Als ob das Virus ein Witz...
Seit Anfang des Jahres befindet sich der Autobauer im "Task-force-Modus".
Foto: Jakob Härter / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Volkswagen im Task-force-Modus

Der Ausnahmezustand, in den die Ausbreitung des Coronavirus die Welt in rasanter Weise versetzt, hat den weltgrößten Autobauer zu einer Aussetzung seiner Produktion veranlasst. In weiten Teilen...
Mark Carney
Foto: Bank of England / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Musterknabe: Bank of England

Mark Carney hat in der letzten Woche seiner Amtszeit als Gouverneur der Bank of England eine Salve aus der Stalinorgel abgefeuert, um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die britische...
Back To Top