#zeitfokus.

Dienstag, 26 Mai 2020
MAN TGA Müllwagen
MAN TGA Müllwagen Foto: Norbert Schnitzler / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia
 1-2 Minuten Lesezeit  362 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Im Jahr 1997 nahm alles seinen Anfang: In einem gemütlichen Hotel in Brüssel trafen sich führende Manager von Europas größten Lkw-Herstellern und vereinbarten Preisabsprachen und ein koordiniertes Marktvorgehen.

empty alt
Foto: Reza Dehshiri / CC-BY 4.0 (via Wikimedia Commons)

Kirchliche Hilfswerke kritisieren weltweit steigende Umsätze in der Rüstungsindustrie

Erst 14 Jahre später endete das Kartell mit einer Selbstanzeige von MAN. Und wiederum fünf Jahre später wird den Konzernen nun - erneut in Brüssel, diesmal in den eher ungemütlichen Büros der EU-Kommission - die Rechnung präsentiert:

knapp 3 Mrd. Euro Geldbußen. Eine solche Ansage hat es seitens der EU-Wettbewerbshüter bisher noch nie gegeben. Und weitere Milliarden an Schadenersatzforderungen werden wohl noch folgen.

Ist die Höhe der Geldbußen angemessen oder überzogen? Darüber kann man sicherlich diskutieren. Allein Daimler muss ja 1 Mrd. Euro auf den Tisch legen. Zu beachten ist aber die Länge des Kartells, die Marktmacht der beteiligten Konzerne, die im Segment der mittelschweren und schweren Lkw in Europa einen Anteil von 90 Prozent auf sich vereinen, und die systematische Aushebelung des Wettbewerbs durch eine Koordinierung der Bruttopreislisten. Untersuchungen zeigen, dass Kunden in Kartellen bis zu 20 Prozent höhere Preise bezahlen - da ist das harte Vorgehen der EU-Wettbewerbsbehörde, die mehr als 300.000 Seiten Beweismaterial gesammelt hat, durchaus nachvollziehbar.

Die Brüsseler Entscheidungen im Lkw-Kartell werden eine abschreckende Wirkung haben. Und das ist auch gut so, denn es ist erstaunlich, bei welchen Unternehmen sich in der zurückliegenden Dekade alleine in Deutschland noch ernste Compliance-Probleme gezeigt haben. Siemens, MAN, Thyssenkrupp, zuletzt VW und jetzt Daimler - es geht um die Crème de la Crème der deutschen Industrie, die mit unsauberen Geschäftspraktiken auffällt und die dafür auch schon viel bitteres Lehrgeld zu zahlen hatte.

Natürlich ist in den vergangenen Jahren schon viel passiert. Neue Manager sind angetreten, die mehr Gespür mitbringen, was geht und was nicht. In den Vorständen wurden neue Compliance-Ressorts geschaffen.

Die Mitarbeiterschulungen sind in den letzten Jahren deutlich ausgebaut worden. Aber wie auch jetzt wieder im Lkw-Kartell zu sehen:

Es geht in den seltensten Fällen um Einzeltäter. Üblicherweise muss vielmehr die ganze Unternehmenskultur auf den Prüfstand gestellt werden. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Auch von daher ist es gut, dass Brüssel jetzt den Druck erhöht und ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt hat.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung


#mehrNachrichten
Armin Laschet will ins Kanzleramt
Foto: Christliches Medienmagazin pro / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Leichtsinn im Krisenmanagement: Gar nicht alles ist gut gelaufen

Seit mindestens zwei Monaten lässt sich beobachten, wie der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes in der Corona-Krise agiert. Als Talkgast bei Anne Will zeigte Armin Laschet, dass ihm...
Seine Chancen auf den CDU-Vorsitz will Armin Laschet derzeit nicht bewerten.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Parteitaktisches Kalkulieren: Alle Rechte wieder in Kraft setzen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat für einen differenzierten Blick auf die gegenwärtigen Corona-Proteste geworben. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"...
Die geplante Smartphone-Anwendung "sagt nichts darüber aus, ob ein tatsächliches Infektionsrisiko besteht.
Foto: Arie Wubben

Zweifel an Nutzen von Corona-App

Der Bonner Infektiologe und Intensivmediziner Peter Walger hat vor übertriebenen Hoffnungen in eine Anti-Corona-App gewarnt. "Ich erwarte von der App keine wirkliche Hilfestellung beim Versuch, in...
Unser Wohlstandsmodell entpuppt sich als verletzlich.
Foto: Justin Lim

Corona-Krise - Chance für Wirtschaft ohne Wachstum

Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech sieht die Corona-Krise als Chance, eine Ökonomie ohne Wachstum und die damit verbundene Umweltzerstörung zu erreichen. "Die Corona-Krise deckt für mehr...
Lars Klingbeil
Foto: SPD Schleswig-Holstein / CC BY 2.0 (via Flickr)

SPD in Wahlkampfvorbereitung

Die SPD fährt im Schatten der Corona-Krise ihre Wahlkampfvorbereitung hoch und geht dabei einen neuen Weg: "Mit Blick auf die Bundestagswahl starten wir ein neues Format. Ich organisiere für die...
Die Umlage diskreditiert die erneuerbaren Energien, weil die Kosten per Stromrechnung den Verbraucherinnen und Verbrauchern aufgehalst werden.
Foto: S. Hermann & F. Richter

SPD-Vize fordert Abschaffung der EEG-Umlage

SPD-Partei- und Fraktionsvize Matthias Miersch hat ein Ende der derzeitigen EEG-Umlage gefordert, mit der Verbraucher über den Strompreis die Energiewende finanzieren. "Wir müssen den Anstieg der...
Es sollte jedem Einzelnen zu denken geben, welche unheilvolle Allianz sich bundesweit bei sogenannten Hygiene- und Querdenkerdemos zusammenfindet.
Foto: UN COVID-19 Response

Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretiker

Es gibt eine Vielzahl nachvollziehbarer Gründe, Kritik an der Anti-Corona-Krisenpolitik von Bund und Ländern zu üben. Familien, die sich bei der Doppelbelastung von Arbeit und Kinderbetreuung vom...
Back To Top