Mittwoch, 12 Aug 2020
MAN TGA Müllwagen
MAN TGA Müllwagen Foto: Norbert Schnitzler / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia
 1-2 Minuten Lesezeit  362 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Im Jahr 1997 nahm alles seinen Anfang: In einem gemütlichen Hotel in Brüssel trafen sich führende Manager von Europas größten Lkw-Herstellern und vereinbarten Preisabsprachen und ein koordiniertes Marktvorgehen.

Annalena Baerbock und Robert Habeck
Foto: Dominik Butzmann / Die Grünen

Grüne formulieren Führungsanspruch für nächste Regierung

Erst 14 Jahre später endete das Kartell mit einer Selbstanzeige von MAN. Und wiederum fünf Jahre später wird den Konzernen nun - erneut in Brüssel, diesmal in den eher ungemütlichen Büros der EU-Kommission - die Rechnung präsentiert:

knapp 3 Mrd. Euro Geldbußen. Eine solche Ansage hat es seitens der EU-Wettbewerbshüter bisher noch nie gegeben. Und weitere Milliarden an Schadenersatzforderungen werden wohl noch folgen.

Ist die Höhe der Geldbußen angemessen oder überzogen? Darüber kann man sicherlich diskutieren. Allein Daimler muss ja 1 Mrd. Euro auf den Tisch legen. Zu beachten ist aber die Länge des Kartells, die Marktmacht der beteiligten Konzerne, die im Segment der mittelschweren und schweren Lkw in Europa einen Anteil von 90 Prozent auf sich vereinen, und die systematische Aushebelung des Wettbewerbs durch eine Koordinierung der Bruttopreislisten. Untersuchungen zeigen, dass Kunden in Kartellen bis zu 20 Prozent höhere Preise bezahlen - da ist das harte Vorgehen der EU-Wettbewerbsbehörde, die mehr als 300.000 Seiten Beweismaterial gesammelt hat, durchaus nachvollziehbar.

Die Brüsseler Entscheidungen im Lkw-Kartell werden eine abschreckende Wirkung haben. Und das ist auch gut so, denn es ist erstaunlich, bei welchen Unternehmen sich in der zurückliegenden Dekade alleine in Deutschland noch ernste Compliance-Probleme gezeigt haben. Siemens, MAN, Thyssenkrupp, zuletzt VW und jetzt Daimler - es geht um die Crème de la Crème der deutschen Industrie, die mit unsauberen Geschäftspraktiken auffällt und die dafür auch schon viel bitteres Lehrgeld zu zahlen hatte.

Natürlich ist in den vergangenen Jahren schon viel passiert. Neue Manager sind angetreten, die mehr Gespür mitbringen, was geht und was nicht. In den Vorständen wurden neue Compliance-Ressorts geschaffen.

Die Mitarbeiterschulungen sind in den letzten Jahren deutlich ausgebaut worden. Aber wie auch jetzt wieder im Lkw-Kartell zu sehen:

Es geht in den seltensten Fällen um Einzeltäter. Üblicherweise muss vielmehr die ganze Unternehmenskultur auf den Prüfstand gestellt werden. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Auch von daher ist es gut, dass Brüssel jetzt den Druck erhöht und ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt hat.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung


#mehrNachrichten
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Back To Top