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Die deutsche Konjunktur hat im Laufe des Jahres spürbar an Fahrt verloren. Nun gibt es eine neue Hiobsbotschaft: Die weltweit größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien vermeldet einen Drohnenangriff. Der Ölpreisschock dürfte allerdings nur vorübergehend sein und damit lediglich kurzfristige konjunkturelle Schwankungen nach sich ziehen, zeigt eine Simulationsrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

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Gesichtserkennung: Die Macht des Machbaren regiert

Nach einem turbulenten Wochenende ist die Welt am Montag mit einem stark angestiegenen Ölpreis aufgewacht. Der Angriff auf die saudischen Raffinerien hat zu einem Produktionsrückgang geführt und die risikoaversen Ölpreishändler dazu veranlasst, ihre Kontrakte aufzustocken. Binnen weniger Stunden rauschte der Ölpreis in die Höhe und verzeichnete einen Anstieg von zeitweise über zehn Prozent für die Sorte Brent.

China wäre stark betroffen

Sollte der Ölpreis weiter steigen, würde das konjunkturelle Folgen haben. Um der technischen Rezession auszuweichen, kämpft die deutsche Konjunktur aktuell – das BIP war im zweiten Quartal rückläufig. Handelskonflikt, Brexit-Vorbereitungen, Italien-Krise: Die Risiken mehren sich. Simulationsrechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit dem Weltwirtschaftsmodell von Oxford Economics zeigen, dass die Weltwirtschaft selbst bei einem Ölpreisanstieg um 20 Prozent einen BIP-Rückgang um 0,1 Prozent in 2020 und 0,2 Prozent in 2021 im Vergleich zu einem Szenario einbüßen würde, bei dem der Ölpreis bei etwa 60 US-Dollar für einen Barrel der Sorte Brent bleibt. China wäre aufgrund der hohen Ölimporte besonders stark betroffen: Das preisbereinigte BIP würde bei einem Preisanstieg von 20 Prozent um 0,3 Prozent in 2020 und 0,6 Prozent in 2021 geringer ausfallen. Für Deutschland wäre ein moderates Minus in Höhe von 0,1 Prozent in 2021 zu erwarten.

Keine Engpass-Gefahr für Deutschland

Dass der Ölpreis sehr sensibel für die Ölförderung und die Unsicherheit in Saudi-Arabien reagiert, ist keine Überraschung. Immerhin werden dort zwölf Prozent der gesamten Weltproduktion gefördert. Doch es ist davon auszugehen, dass es sich aktuell um eine vorübergehende Entwicklung handelt, die lediglich kurzfristige konjunkturelle Schwankungen auslösen wird. Zum Vergleich: Während des zweiten Golfkriegs, zwischen August 1990 und März 1991, verdoppelte sich der Ölpreis binnen weniger Wochen und sorgte für viel Unruhe an den Märkten. Spätestens ab Januar 1991 kehrte er allerdings zu seinem Niveau von vor dem Krieg zurück.

Die internationale Energieagentur IEA in Paris sieht derzeit keine Versorgungsprobleme, da die Märkte gut mit Beständen versorgt seien. Zudem hat US-Präsident Donald Trump im Falle eines länger anhaltenden Produktionsausfalls bereits eine Freigabe der nationalen Ölvorräte angekündigt. Nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) bestünde für Deutschland auch keine Engpass-Gefahr, da die Lieferungen aus Saudi-Arabien 2018 nur einen geringen Anteil ausmachten.



Quelle: IW Köln
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