#zeitfokus.

Samstag, 04 Apr 2020
RWE Kohlekraftwerk
RWE Kohlekraftwerk Foto: Axel Hartmann (glasseyes view) / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)
 1-2 Minuten Lesezeit  351 Worte im Text  vor 79 Tagen
Krokodilstränen. Der Deal mit der Bundesregierung zum beschleunigten Braunkohleausstieg steht. Doch das Krokodil RWE weint dicke Tränen. Glaubt man Vorstandschef Rolf Martin Schmitz, dann deckt die Entschädigungssumme von 2,6 Mrd. Euro nicht die Kosten für die Abschaltung einiger sehr alter Kraftwerke bis Ende 2022 und das Ende des Tagebaus Hambach bis 2030. Das mag sein. Der Deal tut RWE ein bisschen weh. In Wahrheit aber kann der Konzern froh sein, die Braunkohle mit so viel staatlicher Unterstützung loszuwerden. Man hätte es bei erwartbar weiter steigenden CO2-Preisen und einer mutmaßlich weiter verschärften EU-Regulierung ohnehin zunehmend schwer gehabt, mit den alten Braunkohlekraftwerken im Rheinischen Revier Geld zu verdienen. Die Investoren sehen es denn auch genauso. Mit einem weiteren Anstieg des Aktienkurses feiern sie das Milliardengeschenk der Bundesregierung, für das es keine juristische Notwendigkeit gab, sondern das den gesellschaftlichen Konsens absichern soll. Der Braunkohle-Deal wird am Kapitalmarkt als vergleichsweise klare Regelung gesehen, die ab jetzt Planungssicherheit bringt - auch wenn das Gesetz noch nicht verabschiedet ist, die EU noch prüfen muss und noch viele Details festgezurrt werden müssen. Binnen Jahresfrist hat sich der Börsenwert des Konzerns, dem nun der Umbau zum künftig großen Ökostromerzeuger von der Bundesregierung vergoldet wird, um die Hälfte erhöht. Nur möchte RWE verständlicherweise nicht allzu laut mitfeiern, das käme in Berlin nicht gut an. Der Kohlekompromiss wird für den Bund teuer. Zusammen 4,35 Mrd. Euro bekommen die Braunkohlekonzerne, 40 Mrd. Euro sollen den Kohleregionen beim Umsteuern helfen, noch weitere Milliarden gehen an Tausende Braunkohlearbeiter, deren Stellen wegfallen, und an Unternehmen, die besonders viel Strom brauchen und im internationalen Wettbewerb stehen. Umso mehr ist zu begrüßen, dass wenigstens an einer Stelle des Braunkohle-Deals ganz klar die Vernunft gesiegt hat. Das hochmoderne neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 von Uniper darf 2021 ans Netz gehen. Das Kraftwerk politisch zu stoppen, hätte Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe erfordert, weil zumindest die Baukosten hätten ersetzt werden müssen. Stattdessen werden nun ältere Steinkohlekraftwerke abgeschaltet. Dadurch, dass Datteln 4 ans Netz geht, wird mehr CO2 mit geringerem Aufwand eingespart, als wenn es nicht in Betrieb ginge. Mehr solcher Effizienzorientierung wäre zu wünschen. Quelle: ots/Börsen-Zeitung

Der Deal mit der Bundesregierung zum beschleunigten Braunkohleausstieg steht. Doch das Krokodil RWE weint dicke Tränen. Glaubt man Vorstandschef Rolf Martin Schmitz, dann deckt die Entschädigungssumme von 2,6 Mrd. Euro nicht die Kosten für die Abschaltung einiger sehr alter Kraftwerke bis Ende 2022 und das Ende des Tagebaus Hambach bis 2030.

Ist die geschichtsträchtigste Woche erst erreicht, wenn Lagarde Helikoptergeld 5.0 ankündigt?
Foto: Paul Fiedler

Die Turbulenzen halten an

Das mag sein. Der Deal tut RWE ein bisschen weh. In Wahrheit aber kann der Konzern froh sein, die Braunkohle mit so viel staatlicher Unterstützung loszuwerden. Man hätte es bei erwartbar weiter steigenden CO2-Preisen und einer mutmaßlich weiter verschärften EU-Regulierung ohnehin zunehmend schwer gehabt, mit den alten Braunkohlekraftwerken im Rheinischen Revier Geld zu verdienen.

Die Investoren sehen es denn auch genauso. Mit einem weiteren Anstieg des Aktienkurses feiern sie das Milliardengeschenk der Bundesregierung, für das es keine juristische Notwendigkeit gab, sondern das den gesellschaftlichen Konsens absichern soll. Der Braunkohle-Deal wird am Kapitalmarkt als vergleichsweise klare Regelung gesehen, die ab jetzt Planungssicherheit bringt - auch wenn das Gesetz noch nicht verabschiedet ist, die EU noch prüfen muss und noch viele Details festgezurrt werden müssen. Binnen Jahresfrist hat sich der Börsenwert des Konzerns, dem nun der Umbau zum künftig großen Ökostromerzeuger von der Bundesregierung vergoldet wird, um die Hälfte erhöht. Nur möchte RWE verständlicherweise nicht allzu laut mitfeiern, das käme in Berlin nicht gut an.

Der Kohlekompromiss wird für den Bund teuer. Zusammen 4,35 Mrd. Euro bekommen die Braunkohlekonzerne, 40 Mrd. Euro sollen den Kohleregionen beim Umsteuern helfen, noch weitere Milliarden gehen an Tausende Braunkohlearbeiter, deren Stellen wegfallen, und an Unternehmen, die besonders viel Strom brauchen und im internationalen Wettbewerb stehen.

Umso mehr ist zu begrüßen, dass wenigstens an einer Stelle des Braunkohle-Deals ganz klar die Vernunft gesiegt hat. Das hochmoderne neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 von Uniper darf 2021 ans Netz gehen. Das Kraftwerk politisch zu stoppen, hätte Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe erfordert, weil zumindest die Baukosten hätten ersetzt werden müssen. Stattdessen werden nun ältere Steinkohlekraftwerke abgeschaltet. Dadurch, dass Datteln 4 ans Netz geht, wird mehr CO2 mit geringerem Aufwand eingespart, als wenn es nicht in Betrieb ginge. Mehr solcher Effizienzorientierung wäre zu wünschen.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
In der Gesellschaft hat ein Bewusstseinswandel eingesetzt, weil der Klimawandel real ist und unsere Lebensgrundlagen bedroht.
Foto: Markus Spiske

Nachhaltigkeit lohnt

Auf dem 13. Finanzplatztag der WM Gruppe, der gerade in der IHK Frankfurt stattfand, hat ein Thema dominiert: die nachhaltige und grüne Geldanlage. Dabei hat Ali Masarwah von Morningstar in einem...
Leipziger Strasse, Berlin
Foto: andre_berlin / CC0 (via Pixabay)

Geplante Reform verschärft die Lage im Immobilienmarkt

Möchten Hausbesitzer ihre Mehrfamilienhäuser umwandeln und die Wohnungen einzeln verkaufen, brauchen sie dafür künftig eine Genehmigung – so zumindest will es das Bundesjustizministerium. Entlastet...
Es ist ein großer Fehler, dass die EU keine koordinierte Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus und dessen wirtschaftliche Auswirkungen hat.
Foto: 𝓴𝓘𝓡𝓚 𝕝𝔸𝕀

Ökonomen warnen wegen Coronavirus vor neuer Banken- und Staatsschuldenkrise

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus warnen führende Ökonomen vor einer dramatischen Ausweitung der ökonomischen Krise. Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, sagte der "Neuen...
"Selbstentmachtung" des Parlaments
Foto: Elekes Andor / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Inakzeptable Einschränkung der Demokratie in Ungarn

Das neue Notstandsgesetz in Ungarn stößt in Deutschland auf massive Kritik. "Der Beschluss des ungarischen Parlaments ist eine weitere inakzeptable Einschränkung der Demokratie und der bürgerlichen...
Christine Lagarde: "Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliches Handeln."
Foto: Marie-Lan Nguyen / CC BY 3.0 (via Wikimedia Commons)

Whatever it takes 2.0

Wenngleich die Worte nicht genau die gleichen sind -"everything necessary" versus "whatever it takes" -, so ist die Botschaft exakt die gleiche: So wie Ex-EZB-Präsident Mario Draghi 2012 versprach,...
Es braucht jetzt nicht nur eine entschlossen handelnde Bundesregierung, sondern auch eine Kanzlerin, die um Vertrauen, um Verständnis, um unser aller Mittun wirbt.
Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Merkel hat verstanden

Dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Fernsehansprachen an das Volk wendet, wie gestern Abend zur besten Sendezeit, geschah bislang nur in eher salbungsvollen Neujahrsansprachen, kurz nach dem...
Seit Anfang des Jahres befindet sich der Autobauer im "Task-force-Modus".
Foto: Jakob Härter / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Volkswagen im Task-force-Modus

Der Ausnahmezustand, in den die Ausbreitung des Coronavirus die Welt in rasanter Weise versetzt, hat den weltgrößten Autobauer zu einer Aussetzung seiner Produktion veranlasst. In weiten Teilen...
Back To Top