Lebensgefährliche China-LED auf dem deutschen Markt

Foto: luctheo / pixabay (CC)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

In Deutschland gehandelte LED-Lampen können für Verbraucher lebensgefährlich sein. Das haben Recherchen des Politikmagazins "Panorama 3" im NDR Fernsehen ergeben (Sendung: Dienstag, 22. September, 21.15 Uhr).

Die Lampen werden in China hergestellt und in Deutschland über Internetshops und Verkaufsplattformen wie Amazon und Ebay vertrieben. "Panorama 3" hat in einer Stichprobe Lampen gekauft und vom "Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik" (VDE) untersuchen lassen. Das Ergebnis: Sechs der sieben untersuchten Produkte können im Fehlerfall einen tödlichen Stromschlag verursachen und dürfen so in Deutschland nicht gehandelt werden.

Unter den gefährlichen LED waren eine Wohnraumlampe mit klassischem Schraubsockel sowie eine Unterbauleuchte, wie sie auch in Küchen verwendet wird. Die anderen beanstandeten LED können als Ersatz für Halogenstäbe in Außenleuchten und Baustrahlern verwendet werden.

Sie alle wurden beim VDE nach sicherheitsrelevanten Kriterien untersucht. Das Ergebnis: Netzstrom führende Kabel und Bauteile der beanstandeten Lampen sind nicht ausreichend isoliert. So können im Fehlerfall Metallgehäuse oder andere Bauteile der Lampen unter Netzstrom stehen. "Ich kann einen Schlag bekommen, der tödlich enden kann", warnt Jürgen Ripperger vom VDE. Alle Testobjekte tragen ein CE-Zeichen, das eigentlich die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen der europäischen Union garantieren soll.

Die Vertriebswege der Lampen über das Internet sind für Verbraucher häufig schwer zu durchschauen. Verantwortlich für die Produkte sind eigentlich Importeure und Händler. Doch es gibt Dutzende Internethändler, über die solche Lampen zu beziehen sind, und die Anbieter wechseln häufig ihre Namen. Bei gleich vier Produkten war es schwierig, überhaupt Verantwortlichen ausfindig zu machen, weil diese offenbar in China sitzen.

Bei nur zwei der gefährlichen Produkte konnte "Panorama 3" herausfinden, wer die verantwortlichen Importeure sind. Ihre Namen standen auf den LED. Das Unternehmen "Chilitec" aus Lehre (Landkreis Helmstedt) reagierte schnell: Es nahm die Lampen vom Markt und startete eine Rückrufaktion. Auch die Firma "Elba Electronic" aus Heroldstatt in Baden-Württemberg teilte auf Anfrage mit, dass die Lampen mittlerweile vom Markt genommen und Restbestände "eingestampft" worden seien.

Für die über Ebay gekauften Produkte teilte die Verkaufsplattform auf Anfrage von "Panorama 3" mit, man habe die Händler informiert und diese "aufgefordert, die Käufer zu kontaktieren und die Produkte zurückzurufen." Eine Stellungnahme von Amazon zu den dort gekauften Produkten steht bislang aus.

Frank Schulz von der Firma "MarkMonitor" beobachtet chinesische Onlinehändler für Markenhersteller und warnt: Diesen Händlern sei es oft "egal, nach welchen Sicherheitskriterien die Produkte gefertigt sind". Das Internet sei für gefährliche Waren einen idealer Absatzkanal. "Der Verbraucher ist im Endeffekt schutzlos."



Quelle: NDR


Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Öffentlicher Gesamthaushalt: Der Schein trügt
    Donnerstag, 02. August 2018

    Die Schulden sinken – so die erfreuliche Nachricht des Statistischen Bundesamtes. Das klingt nach politischer Weitsicht und Generationengerechtigkeit. Doch der Schein trügt. Von einer soliden und...

  • Diesel-Skandal: Zeugen bestreiten VW-Darstellung
    Donnerstag, 26. Juli 2018

    Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn soll bereits Monate vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals detailliert über den Abgas-Betrug informiert gewesen sein. Zudem habe er bereits 2007 von...

  • Cybersicherheit: Staat und Wirtschaft bündeln ihre Kräfte
    Donnerstag, 20. September 2018

    Cyberattacken sind gefährlich und unberechenbar, sie bedrohen Wirtschaft und Staat. Ein neues Bündnis soll die Zusammenarbeit im Kampf gegen Cyberangriffe nun verbessern. Das ist dringend nötig.

  • Der Welthandel wackelt
    Dienstag, 18. September 2018

    Die USA haben ihren protektionistischen Kurs gegenüber China noch einmal verschärft. Für den stagnierenden Welthandel ist das ein weiterer Rückschlag. Langfristig richtet diese Politik großen...

  • Waffenstillstand im Handelsstreit
    Donnerstag, 26. Juli 2018

    Mit den Vereinbarungen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump konnte die nächste Eskalationsstufe im Handelskonflikt vermieden werden. Zugleich wird ein Startschuss für...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Deutsche Reeder besorgt über Verkauf großer Schiffskreditportfolien an ausländische Investoren
    Mittwoch, 06. Februar 2019

    Der Verband Deutscher Reeder (VDR) verfolgt den Verkauf großer Schiffskreditportfolios an ausländische Investoren "mit Sorge". "Wenn solche Portfolios vermehrt ins Ausland gehen, kann das kein gutes...