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Leistungsschutzrecht ist ein schönes Wort

Wirtschaft
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Leistungsschutzrecht ist ein schönes Wort

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Grundsätzlich ist der Schutz von Leistungen per Recht eine wunderbare Idee, wenn das Recht denn dann auch für alle gleichermaßen gilt. Dieses zumindest sichert uns ja unser Grundgesetz zu. Schön auch, dass Leistung endlich einmal geschützt werden soll. Man sollte ja begeistert sein. Nur irgendwie kommt man ins Grübeln, wenn man sich so die Entwürfe und Meinungen über das s.g. Leistungsschutzrecht anschaut. Viele sind dafür, viele sind dagegen. Dabei hilft es doch erheblich, wenn man einfach einmal die Logik und den gesunden Menschenverstand einschaltet.

Leistung soll bezahlt werden. Hier kann jeder noch zustimmen. Also welche Leistung soll denn nun nach dem Leistungsschutzrecht bezahlt werde? Na ja, auf gar keinen Fall die Arbeit des Schaffenden, denn die ist ja schon mehr als genug anders abgegolten. Darum gehören ja auch diejenigen, welche zur schreibenden und bildenden Kunst gehören, zu der elitären Gruppe der Multimillionäre in Deutschland. Aber bitte jetzt nicht wiedersprechen, denn die wirklich Leidenden hier sind ja unsere Verleger: Diese müssen geschützt werden. Das ganze Verlagswesen ist in Deutschland am Ende, möchte man uns glaubhaft erklären, da ja alle anderen auf dem Rücken der Verlage Geld verdienen.

Besonders Suchmaschinen sind in diesem Zusammenhang ins Visier geraten. Die verdienen ja Milliarden, indem sie Beschreibungen und Teaser von den Verlagsinternetseiten klauen und dann dem Suchenden schön präsentieren, um dann, bei Interesse natürlich, auf diese Verlagsseiten zu verlinken. Also das ist ja eine Leistung, die gar nicht gewollt ist! Suchmaschinen, hört endlich auf, eure Roboter zu den Verlagen zu schicken, um sie blind zu rauben!

Wie? Die Roboter wurden von den Verlagen eingeladen? Na, dann kann ja von Klauen eigentlich auch nicht die Rede sein, denn es bedarf schon einiger Zeit und Aufwand vom Verlag selbst, um erst einmal bei einem Service wie Google News z.B. gelistet zu werden. Aber dennoch, das ist egal, als Verlag will man ja bezahlt werden, und man muss sich ja davor schützen, dass alle außer man selbst Geld verdienen. Es spielt auch keine Rolle, wenn man ja selbst für die Verbreitung über die Suchmaschinen mit seiner Eintragung gesorgt hat. Es ist auch egal, dass man riesige Summen für Suchmaschinen- Optimierung ausgegeben hat, damit man seine Inhalte prominent gelistet bekommt. Also warum der ganze Aufwand dann?

Na ja, es ist schon profitabel von Leuten, die etwas suchen, gefunden zu werden. Interessant wäre auch einmal die Gegenüberstellung davon, wie viele Leser direkt auf eine Verlagsseite gehen, um Inhalte zu lesen, und wie viele Leser über eine Suchmaschine zu den gewünschten Inhalten kommen. Die Frage, wer hier von wem am meisten profitiert, ist sehr leicht durch Zahlen zu belegen. Für weniger bekannte Internetseiten ist die direkte Adressierung noch einer der Hauptwege, wie Besucher zu den Inhalten kommen. Für die großen Verlage dürfte aber das Verhältnis genau umgekehrt sein.

So, wer schützt denn nun die Suchmaschinen- Betreiber vor der schamlosen Ausbeutung ihrer Leistungen durch jeden, der im Internet etwas anbieten möchte? Recht sollte doch für alle gleichermaßen gelten. Suchmaschinen bieten eine Leistung an, nämlich gefunden zu werden, und wenn man nicht möchte, braucht man dafür auch nichts bezahlen, denn Suchmaschinen finanzieren sich unter anderem auch durch Werbung, damit sie ihre Leistung kostenlos anbieten können. Nun möchte man nicht nur die Leistung der Suchmaschinen kostenlos bekommen, man möchte nun auch noch einen Teil der Einnahmen für sich in Anspruch nehmen, und da man diese Ansprüche in keinem Gericht der Welt durchsetzten könnte, muss man eben Gesetze erlassen, die einem Einnahmen garantieren.

Also, jeder sollte jetzt einmal versuchen, einen Eintrag für sich und seine Produkte kostenlos bei den "Gelben Seiten" oder bei "Wer liefert Was" zu bekommen, und dann noch zu den einschlägigen Verlagen gehen und vorzutragen, dass man ja Inhalte zu diesen Informationsdiensten geliefert hat und nun auch ein Anrecht auf einen Teil der Einnahmen dieser Dienste hat. Viel Glück, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man den Eintrag und Geld bekommt, ist nicht vorhanden.  

Das Internet basiert auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens. Es ist eines der Grundprinzipien jedes ethischen Denkens und Handelns seit tausenden von Jahren. Darum ist dieses Medium auch so erfolgreich, und jedes Geschäftsmodell im Internet, welches das Prinzip von Geben und Nehmen verstanden hat, ist langfristig auch zwangsläufig erfolgreich. Ein Modell, das nur auf Nehmen basiert, ist langfristig zum Scheitern verurteilt. Dies ist einer der Gründe, warum sich Europa und der Rest der Welt in einer Krise befinden. Jedes Mal, wenn der Markt sich selbst zu bereinigen versucht, was ein natürlicher Prozess ist, fängt jemand an, Gesetze und Regulierungen zu erlassen, um dieses zu verhindern und gescheiterte Geschäftsmodelle am Leben zu halten.

Einige schlaue und innovative Verleger haben dies bereits begriffen und nutzen das Internet in vollen Zügen, sie geben und sie nehmen. Soziale Plattformen wie Facebook bieten einen Service, den sie kostenlos geben, dafür erwarten sie aber auch eine Gegenleistung. Wer diese Gegenleistung nicht erbringen möchte, sollte den Service eben nicht nutzen. Es ist ähnlich wie in ein Restaurant zu gehen, essen, aber nicht bezahlen zu wollen oder wenigstens das Geschirr abzuwaschen.

Per Recht Leistungen zu schützen, ist eine wunderbare Idee, jedoch muss das Recht dann auch gleichermaßen für alle gelten, wie es ja in unserem Grundgesetz verankert ist. Jeder, der dann eine Leistung erbringt, müsste geschützt werden, und jeder, der diese Leistung in Anspruch nimmt, müsste auch bezahlen, in welcher Form auch immer. Aber haben wir denn nicht schon alle nötigen Gesetze, die dies garantieren? Wahrscheinlich ist dies die Wurzel des Problems. Wir haben bereits Gesetzte, die Leistungen rechtlich schützen, aber eben für jeden. Was uns aber fehlt sind Gesetze, die Leistungen Einiger schützen und das Recht Anderer auf Schutz aushebeln.

927 Wörter im Bericht.

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