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Mittwoch, 27 Mai 2020
Foto: Messe Berlin
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Berlin, 4. November 2014 – Der Reiz von Fair-Trade-Produkten lässt sich vielleicht über einer schlichte Tasche erklären. Sie besteht aus mehrfach geschichteten, ockerfarbenen Moskitonetzen und bietet einen formstabilen Schutz für Tabletcomputer. Judith Siller, Geschäftsführerin im Berliner „Weltladen A Janela“, holt sie aus dem Regal: „Die Taschen entstehen aus Resten der Moskitonetz-Fertigung in Kambodscha. Sie werden von Frauen im Slum von Andong gefertigt.“ Siller fügt hinzu: „Ohne gute Qualität geht auch kein Fair Trade. Die Tablet-Hüllen aus Kambodscha sind seit diesem Sommer der Renner.“

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Foto: Birgit Böllinger / CC0 (via Pixabay)

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Ein Bazaar im Kleinformat

Im „Weltladen A Janela“ in der Emser Straße (Charlottenburg-Wilmersdorf) dominieren helle leuchtende Farben. „A Janela“ bedeutet im Brasilianischen „Das Fenster“. Mehr als 800 „Weltläden“ gibt es in Deutschland, allein zehn in Berlin. Räucherstäbchen oder Bambusflöten, mit denen die ersten „Weltläden“ vor 35 Jahren verbunden wurden, finden sich in diesem Geschäft nicht. Stattdessen von der Eingangstür bis auf die Balustrade originelle Ideen zum Anfassen.

Etwa die mit Kinderzeichnungen bedruckten Federmäppchen aus Vietnam. Oder „Upcycling“ aus Bogotá. Die aus Altmetall gefertigten Pendeluhren haben die Form von Fußballspielern, Tänzern oder Fesselballons. „Die Straßenkinder werden nicht nur zum Metallsammeln, sondern inzwischen auch als Auszubildende eingebunden“, erklärt Judith Siller. Die Produzenten erhalten einen „fairen“ Preis, der ihnen längerfristig ein zuverlässiges Einkommen garantiert. Immer mehr Kunden wollen genau erfahren, unter welchen Bedingungen die Produkte entstanden.

Fair-Trade-Produkte im Trend

Das Interesse an Fair-Trade-Produkten wächst in Deutschland konstant. Rund 654 Millionen gaben die Deutschen alleine 2013 für Fair-Trade-Produkte aus, das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. So ermittelte es die Organisation „TransFair e.V. - Fairtrade Deutschland“. Die Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2014 übertrafen die vom ersten Halbjahr 2013 sogar um 39 Prozent.

„Weltläden sind die Kernzelle des Fairen Handels“

Global denken und regional handeln – genau das kommt bei Judith Siller zusammen. Sie begann schon als Schülerin, fair gehandelten Kaffee zu verkaufen. Den Kaffee lagerte sie damals hinter dem Sofa ihrer Eltern. Aus dem Engagement in der Kirchenarbeit entwickelte sich später der Laden. „Weltläden sind die Kernzelle des fairen Handels“, sagt sie. Den „Weltladen A Janela“ leitet sie auf 400-Euro-Basis.

Sie hat 20 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor vier Jahren war sie eine der Hauptinitiatorinnen der Kampagne „Fair Trade Town Charlottenburg-Wilmersdorf“. In diesem Bezirk liegt auch die Messe Berlin. Die Verbindung der „Fair Trade Town“ mit einem FAIR TRADE MARKET auf der Messe lag also nahe.

Premiere für FAIR TRADE MARKET

Der Faire Handel spielt auf dem Bazaar Berlin schon seit Jahren eine zunehmende Rolle. Einen speziellen FAIR TRADE MARKET gibt es dagegen in diesem Jahr zum ersten Mal. Auf diesem ganz besonderen Markt in Halle 14.1 sind 24 Aussteller vertreten, darunter auch der „Weltladen A Janela“. Hier werden ausschließlich Produkte angeboten, die den Kriterien des Fairen Handels genügen. Dazu gehören zum Beispiel die Zahlung von fairen Preisen an die Herstellerinnen und Hersteller, der Ausschluss ausbeuterischer Kinderarbeit und die Einhaltung grundlegender Umwelt- und Sozialstandards.

Den Fairen Handel veranschaulichen

Das Team von „A Janela“ ist aber nicht nur in der Ausstellung vertreten. Referenten des Weltladens demonstrieren im Rahmen des Bildungsprogramms des Bazaar Berlin (12.-14. November), mit welchen Techniken unsere Gebrauchsgegenstände in fernen Ländern hergestellt werden. Aktiv kann man hier zum Beispiel nachvollziehen, wie Fußbälle per Hand in Pakistan genäht werden. „Wenn Kinder und Jugendliche mit dem Gedanken gehen ‚Will ich etwas ändern an den miesen Arbeitsbedingungen und der schlechten Bezahlung dort oder soll es so bleiben, weil es für mich schön billig ist?' dann ist das Ziel des Workshops schon erreicht.“, sagt Judith Siller. Am meisten freut sie sich auf eine Veranstaltung am „Fair-Trade-Point“ in Halle 15.1: „Fair Trade – Eine Option für uns?“ (Samstag, 15.11., 17:00 Uhr). Siller: „Dort erklären wir, welche Struktur erforderlich ist, um als Fairer Händler akzeptiert zu werden.“

Auch nach der Messe bringt der „Weltladen“ in der Emser Straße Fair-Trade-Erfahrungen und Ideen aus der ganzen Welt zusammen. So führt er auf seine Weise den FAIR TRADE MARKET des Bazaar Berlin über das ganze Jahr fort.

Über Bazaar Berlin

Als „Partner des Fortschritts“ im Jahre 1962 gestartet, fand die internationale Verkaufsausstellung für Kunsthandwerk, Schmuck, Textilien und Wohnaccessoires bis zum vergangenen Jahr unter dem Namen „Import Shop Berlin“ statt. Ab 2014 lädt die alljährlich im November stattfindende Veranstaltung ihre Besucher mit neuem Konzept unter dem Namen „Bazaar Berlin“ in die Messehallen am Funkturm ein. Premiere hat dabei auch der FAIR TRADE MARKET. In diesem Messebereich werden nur Produkte ausgestellt, die den Kriterien des Fairen Handels genügen. Zum Bazaar Berlin werden wieder mehr als 40.000 Besucher erwartet, überwiegend aus Berlin und Brandenburg, aber auch aus anderen Bundesländern Deutschlands sowie aus dem Ausland. An mehr als 500 Messeständen gibt es ein breites Angebot hochwertiger Waren aus rund 60 Ländern aller Kontinente. Veranstalter des Bazaar Berlin ist die Messe Berlin GmbH. Mehr unter www.bazaar-berlin.de.

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