Samstag, 15 Aug 2020
Siemens München-Perlach
Siemens München-Perlach Foto: Rufus46 / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  370 Worte im Text  vor 215 Tagen

Siemens ist Wirbel gewohnt. Die Liste der Aufregerthemen reicht vom Schmiergeldskandal bis zur Debatte über Gasturbinen auf der Krim. Die jüngsten Turbulenzen sind trotzdem einzigartig. Ein marginaler 18-Millionen-Auftrag für ein Kohlebergwerk im fernen Australien kostet den Konzern den Kredit, den er sich mit seiner gesellschaftspolitischen Positionierung in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Klimaschützer mit Fridays for Future an der Spitze treiben Siemens samt seinem Chef Joe Kaeser vor sich her. Was ist daraus zu lernen?

EZB
Foto: Kerstin Herrmann / CC0 (via Pixabay)

Verbrannte Erde

Die Lehren sind vielschichtig, aber sie können in einem Satz zusammengefasst werden: Die Wirtschaft muss schnellstens die neuen Spielregeln in Zeiten des Klimawandels lernen. In der alten Welt mag es möglich gewesen sein, sich als Zulieferer für ein Giga-Kohlebergwerk einspannen zu lassen, während in Australien der Busch brennt und Fridays for Future seit Monaten Millionen auf die Straße bringt.

Nach den neuen Spielregeln ist dies unmöglich, mag die Order noch so klein sein. Die Klimaschützer sind bestens vernetzt, außerdem alarmieren die Wetterextreme viele Menschen rund um den Globus. Ausgerechnet in jenem Jahr, in dem Siemens die Energy-Sparte an die Börse bringen will, ist ein gigantischer Reputationsschaden die Folge.

Es ist ernüchternd, dass sogar ein globaler Konzern nicht erkannt hat, wie gefährlich ein solcher Auftrag sein kann. Es fehlen Strukturen, die eine granulare Überwachung kritischer Geschäfte möglich machen. Dieses Problem reicht weit über Siemens hinaus. Jedes Unternehmen muss sich prüfen, ob es weiß, was es weltweit zur Erderwärmung beiträgt. Wenn Geschäfte abgeschlossen sind, ist es zu spät. Schließlich können Vertragspartner zu Recht darauf pochen, beliefert zu werden.

Wer denkt, er könne sich diesen Kontrollaufwand sparen, weil Klimaschützer auf Multis zielten, der liegt falsch. Denn die Aktivisten wie Fridays for Future sind nur die Vorhut. In einem zweiten Schritt werden Gerichte über Klimasünden urteilen. In den USA laufen die ersten Verfahren. Es kann jeden treffen, der seine Prozesse nicht im Griff hat. Noch spürbarer ist der dritte Schritt: Regulatoren werden Umwelteinflüsse und Dekarbonisierung thematisieren. Späte Reaktionen werden dann teuer.

Klar ist zwar: Klimaschutz ist für deutsche Unternehmen ein vertrautes Thema, allerorts gibt es deshalb strategische und operative Veränderungen. Nun aber muss es viel schneller gehen als ursprünglich gedacht. Nur wer konsequent handelt, bleibt nach den neuen Regeln im Spiel.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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