#zeitfokus.

Samstag, 04 Apr 2020
Foto: Daron Herbert / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  345 Worte im Text  vor 60 Tagen
Nicht nur dicke Fische. Es gilt als normal, dass man sich zu Beginn von Verhandlungen seine Maximalforderungen um die Ohren haut. Von daher müsste man sich also keine Sorgen darüber machen, wenn London und Brüssel vor den Gesprächen über die künftigen Handelsbeziehungen völlig unvereinbare Positionen beziehen. Wundern darf man sich aber schon darüber, dass man im Berlaymont-Gebäude offenbar der Meinung ist, Großbritannien binnen weniger Monate in die Knie zwingen zu können. Denn anders lässt sich die von dort ohne jede Not betriebene Verknüpfung eines Handelsabkommens mit dem Zugang der EU-Fischereiflotten zu britischen Gewässern über das Ende der Übergangsphase hinaus nicht erklären. Der britische Premierminister Boris Johnson hat nicht vor, die Fischer zu verprellen, die mit großer Mehrheit für den Brexit votierten. Für die Volkswirtschaft spielt das Thema keine große Rolle, aber politisch kommt es einem Brandsatz gleich. Johnson sitzt zwar fester im Sattel als die allermeisten seiner europäischen Amtskollegen. Er kann aber nur verlieren, wenn er sich den Brüsseler Vorgaben beugt. Zumal das von der EU vorgeschlagene Handelsabkommen Großbritannien keine großen Vorteile bietet. Es geht darin vor allem um den Warenverkehr, in dem die Partnerländer, insbesondere Deutschland, einen erheblichen Überschuss erwirtschaften. Zudem verlangt es eine weitgehende Angleichung an die regulatorischen Vorstellungen der EU. Johnson befände sich ruckzuck in einer Lose-lose-Situation, würde er nachgeben. Seine Wähler würden es ihm - trotz seines jungenhaften Charmes - nicht verzeihen. Schon in den vergangenen Tagen wurde reichlich gegen die Briten ausgeteilt. Ausgerechnet der irische Premierminister Leo Varadkar ließ sie wissen, das Vereinigte Königreich sei nunmehr "ein kleines Land". Der ehemalige EU-Ratspräsident Donald Tusk heizte die Stimmung zudem mit der Wortmeldung auf, in Brüssel würde jeder enthusiastisch auf einen Wiederaufnahmeantrag eines unabhängigen Schottland reagieren. Aber Großbritannien ist nicht Jugoslawien. Es ist auch nicht Griechenland. Selbst ein Michel Barnier wird sich daran gewöhnen müssen, mit den Briten auf Augenhöhe zu verhandeln. Oder es gibt Ende des Jahres eben kein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU, vielleicht aber eines mit den USA. Die Briten könnten sich dann über billigere Lebensmittel freuen. Für Brüssel wäre es das denkbar schlechteste Ergebnis. Quelle: ots/Börsen-Zeitung

Es gilt als normal, dass man sich zu Beginn von Verhandlungen seine Maximalforderungen um die Ohren haut. Von daher müsste man sich also keine Sorgen darüber machen, wenn London und Brüssel vor den Gesprächen über die künftigen Handelsbeziehungen völlig unvereinbare Positionen beziehen. Wundern darf man sich aber schon darüber, dass man im Berlaymont-Gebäude offenbar der Meinung ist, Großbritannien binnen weniger Monate in die Knie zwingen zu können. Denn anders lässt sich die von dort ohne jede Not betriebene Verknüpfung eines Handelsabkommens mit dem Zugang der EU-Fischereiflotten zu britischen Gewässern über das Ende der Übergangsphase hinaus nicht erklären.

empty alt
Foto: Gryffindor / Gemeinfrei (via Wikimedia Commons)

Berliner Mietspiegel: Mietenwahnsinn nur abgemildert

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nicht vor, die Fischer zu verprellen, die mit großer Mehrheit für den Brexit votierten. Für die Volkswirtschaft spielt das Thema keine große Rolle, aber politisch kommt es einem Brandsatz gleich. Johnson sitzt zwar fester im Sattel als die allermeisten seiner europäischen Amtskollegen. Er kann aber nur verlieren, wenn er sich den Brüsseler Vorgaben beugt. Zumal das von der EU vorgeschlagene Handelsabkommen Großbritannien keine großen Vorteile bietet.

Es geht darin vor allem um den Warenverkehr, in dem die Partnerländer, insbesondere Deutschland, einen erheblichen Überschuss erwirtschaften. Zudem verlangt es eine weitgehende Angleichung an die regulatorischen Vorstellungen der EU. Johnson befände sich ruckzuck in einer Lose-lose-Situation, würde er nachgeben. Seine Wähler würden es ihm - trotz seines jungenhaften Charmes - nicht verzeihen.

Schon in den vergangenen Tagen wurde reichlich gegen die Briten ausgeteilt. Ausgerechnet der irische Premierminister Leo Varadkar ließ sie wissen, das Vereinigte Königreich sei nunmehr "ein kleines Land". Der ehemalige EU-Ratspräsident Donald Tusk heizte die Stimmung zudem mit der Wortmeldung auf, in Brüssel würde jeder enthusiastisch auf einen Wiederaufnahmeantrag eines unabhängigen Schottland reagieren. Aber Großbritannien ist nicht Jugoslawien. Es ist auch nicht Griechenland. Selbst ein Michel Barnier wird sich daran gewöhnen müssen, mit den Briten auf Augenhöhe zu verhandeln. Oder es gibt Ende des Jahres eben kein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU, vielleicht aber eines mit den USA. Die Briten könnten sich dann über billigere Lebensmittel freuen. Für Brüssel wäre es das denkbar schlechteste Ergebnis.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Es ist richtig, jetzt milliardenschwere Hilfspakete zu verabschieden.
Foto: gruenenrw / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Grüne kritisieren Corona-Sozialschutz-Paket der Regierung als zu zaghaft

Die Grünen im Bundestag haben das Sozialschutz-Paket der Bundesregierung als nicht weitreichend genug kritisiert. Angesichts der zu erwartenden sozialen Probleme sei dieses "zu zaghaft", sagte der...
Kreative Gedanken aus einer "Klausur" könnten der Einzelne sowie die Gesellschaft auch heute gut gebrauchen.
Foto: visuals

Gesellschaftliche Folgen der Corona-Krise

Die Vorsitzende des Deutschen Historikerverbands, Eva Schlotheuber, erwartet gravierende gesellschaftliche Folgen der Corona-Pandemie. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" verwies...
Eine blitzartige Erholung, die Ökonomen als V-förmigen Verlauf bezeichnen, ist das Wunschszenario.
Foto: Rikki Chan

Erster Sonnenstrahl

Was ist jetzt angesagt? Ein lautes "Hurra" oder eher ein "Besser nicht zu früh freuen"? Chinas Einkaufsmanagerdaten für März bringen viele Fragezeichen mit sich. Die offiziellen...
Der Sport als Kulturgut wird die Corona-Krise überleben, ja locker wegstecken.
Foto: Marvin Ronsdorf

Atempause für den Sport

Krise? Welche Krise? Der Sport hält nicht nur gesund, er ist putzmunter. Die Welt der Leibesübungen ist - ähnlich wie die Kunst - resistent gegen all die Symptome, unter denen wir aktuell so massiv...
Grünen haben die Abschaltung der Kernkraftwerke Emsland, Grohnde und Gundremmingen bis zum Ende der Corona-Krise gefordert.
Foto: Günter Ruopp

Grüne fordern Abschaltung von Atomkraftwerken bis zum Ende der Corona-Krise

Die Grünen im Bundestag haben die Abschaltung der Kernkraftwerke Emsland, Grohnde und Gundremmingen bis zum Ende der Corona-Krise gefordert. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter...
Es ist der gefühlte und tatsächliche Kontrollverlust, der die Menschen in Angst versetzt.
Foto: PublicDomainPictures

Kontrollverlust

Die nächste Krise sei so sicher wie das Amen in der Kirche, aber man wisse nicht, wann sie komme und durch was sie ausgelöst werde. So das Narrativ seit Bewältigung der Finanzkrise. Nun wissen wir...
Die nächste Zerreißprobe droht, wenn besonders hart betroffenen Staaten, wie Italien, Spanien oder Frankreich die Solidarität, auch die finanzielle, verweigert werden sollte.
Foto: Deniz Anttila / CC0 (via Pixabay)

Zeit für eine Umstellung in Brüssel

Die ungeliebte Zeitumstellung in der Nacht von Samstag auf Sonntag scheint in Coronazeiten kaum noch jemanden aufzuregen. Denn es gibt derzeit ja wirklich lebenswichtigere Probleme. Allerdings, dass sich...
Back To Top