Lesezeit: 2 Min

Niedrigzinsumfrage: Stresstest nach dem Stresstest

Foto: European Banking Authority

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Niedrigzinsumfrage: Stresstest nach dem Stresstest

.

Manch einer hat sich verwundert die Augen gerieben, dass die European Banking Authority (EBA) in ihrem Stresstest zur Lage der Großbanken auf ein Negativzinsszenario verzichtet. Dabei stehen diese Auswirkungen im Zentrum der Sorgen von Bankinvestoren. Ihnen hat es mit ein wenig Zeitverzögerung gedämmert, dass in diesem Zinsumfeld keine Bank, egal ob klein oder groß, gedeihen kann, da die operativen Erträge schrumpfen. Nicht von ungefähr wird der Sektor europäische Bankaktien in diesem Jahr besonders hart abgestraft. Die Institute selbst sehen sich gezwungen, neue Kostenprogramme aufzulegen oder bestehende zu verschärfen.

Wenn am Freitagabend die Ergebnisse des EBA-Stresstests feststehen, können sich die darin nicht erfassten kleineren und mittleren Banken Deutschlands ihrer eigenen Testaufgabe zuwenden. Denn Bundesbank und BaFin blasen zur mittlerweile dritten Niedrigzinsumfrage bei den von ihnen unmittelbar beaufsichtigten Kreditinstituten. Die stehen für rund ein Viertel des deutschen Bankenmarktes und gelten wegen ihres traditionell zinslastigen Geschäftsmodells als besonders gefährdet im Umfeld derzeitiger Geldpolitik. Nach dem Stresstest folgt somit ein Stresstest.

Das Niedrigzinsumfeld ist zwar keine neue Entwicklung, aber eine, die sich mit dem Auslaufen höherverzinslicher Anlagen plus der negativen Einlagenfazilität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zuspitzen könnte. Bei der letzten Abfrage Mitte 2015 ergab sich im Mittel eine Einbuße beim Vorsteuerergebnis um 25% bis 2019. Es ist nicht leicht, sich gegen einen solchen Ergebnisrückgang von rund 2 Mrd. Euro zu stemmen.

Immerhin signalisieren die letzten Bundesbank-Daten, dass die deutschen Institute dank ausgeweiteter Kreditvergabe beim Zinsüberschuss eine gewisse Kompensation erreichen konnten. Zudem sind Sparkassen und Volksbanken nicht taub für die Anregungen der Aufseher und haben ihr Provisionsgeschäft angekurbelt - nicht zuletzt durch Gebührenerhöhungen. Die Zeit kostenloser Konten sei vorbei, verkündete Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon im März. Zudem wird mit der Straffung des Filialnetzes nebst Aufbau digitaler Kanäle wie gewünscht das Geschäftsmodell einem Facelift unterzogen. Das Anzapfen neuer Ertragsquellen geschieht aber nicht über Nacht, und so dürften die Institute im nunmehr abzufragenden Zeitraum bis 2021 weiteren Handlungsbedarf aufgezeigt bekommen.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung


319 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...