Min

Opec-Förderdrosselung: Saudische Konzessionen

OPEC Hauptquartier in WienFoto: alex.ch / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Opec-Förderdrosselung: Saudische Konzessionen

.

Nach offensichtlich langen und harten Verhandlungen haben es das Kartell Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sowie seine Verbündeten unter Führung Russlands doch noch geschafft, die Akteure am Ölmarkt zu beeindrucken. Die Notierung der wichtigsten Rohölsorte Brent Crude kletterte am Freitagnachmittag auf den höchsten Stand seit September vergangenen Jahres.

Zunächst hatten die Marktteilnehmer das Treffen der Minister der erweiterten "Opec plus" für ein Nichtereignis gehalten, da es nicht danach aussah, dass es im ersten und zweiten Quartal zu einer nennenswerten Reduktion des zu erwartenden Überangebots kommen würde. Nun sieht es danach aus, dass die Opec plus inklusive zusätzlicher freiwilliger Kürzungen Saudi-Arabiens ihre Ölförderung nicht wie bisher offiziell um 1,2 Mill. Barrel pro Tag (bpd) zurücknimmt, sondern um 2,1 Mill. bpd.

Das Kartell hat dazu auch mehrere Anläufe benötigt. Zunächst hatte es geheißen, es sei lediglich eine Verlängerung der eigentlich zum Jahresende auslaufenden Kürzungen von 1,2 Mill. bpd drin, die allerdings bis Ende 2020 gelten sollte. Dann verlautete, dass man sich auf zusätzliche Kürzungen um 500.000 bpd auf dann 1,7 Mill. bpd geeinigt habe, allerdings nur für drei Monate. Dies sorgte am Ölmarkt bestenfalls für Desinteresse, und Analysten äußerten sich kritisch: Das Überangebot an Rohöl im ersten Quartal sei weitaus größer als die zu dem Zeitpunkt von der Opec plus beschlossenen zusätzlichen Kürzungen von 500.000 bpd.

Außerdem wurde bezweifelt, ob die damit insgesamt avisierte Kürzung von 1,7 Mill. bpd in der Realität überhaupt auf eine Verkleinerung des Angebots hinausgelaufen wäre. So ist nämlich Saudi-Arabien mit einer durchschnittlichen Ölproduktion im bisherigen Jahresverlauf von 9,8 Mill. bpd deutlich unter den dem Land zugestandenen offiziellen Opec-Quoten von 10,3 Mill. bpd geblieben. Außerdem blieben Angola, Aserbaidschan und Mexiko hinter den ihnen bewilligten Ölmengen zurück. So hatte die Opec plus zuletzt effektiv um 1,6 Mill. bpd gekürzt.

Hinter den Kulissen wurde daher hart gerungen. So übte Saudi-Arabien erheblichen Druck auf die anderen Teilnehmer aus, mit dem Ziel, die ungleiche Verteilung der Lasten zu korrigieren. Insbesondere der Irak und Nigeria hielten sich nicht an die Quoten, so dass die Saudis erheblich mehr als geplant drosseln mussten, um den Ölpreis stabil zu halten.

Letztlich hat sich aber die Verhandlungsposition des Opec-Schwergewichts Saudi-Arabien auch diesmal als schwach erwiesen. Es war nämlich allen Beteiligten klar, dass Saudi-Arabien mehr als die anderen Länder auf einen stabilen und nach Möglichkeit weiter steigenden Ölpreis angewiesen ist. Grund dafür ist das derzeit laufende Initial Public Offering (IPO) des staatlichen saudischen Ölkonzerns Aramco, auf dessen Erlös das Land und sein Machthaber Kronprinz Mohammed bin Salman dringend angewiesen sind. Bin Salman hatte für Aramco die exorbitant hohe Bewertung von 2 Bill. Dollar avisiert. Mit dem aktuellen Zuteilungspreis sind es zwar immer noch extrem hohe 1,7 Bill. Dollar, aber das Königshaus scheint damit nicht zufrieden zu sein.

Das Land sah sich daher jetzt im Rahmen der Opec-Verhandlungen zu weitergehenden Konzessionen gezwungen. So legt Saudi-Arabien noch einmal weitere freiwillige Kürzungen um 400.000 bpd drauf, um den Aramco-Börsengang und vor allem die Performance der Aktie nach dem IPO nicht zu gefährden. So kommt es nun, wie der saudische Ölminister nicht versäumte vorzurechnen, zu den effektiven Kürzungen des Länderblocks um 2,1 Mill. bpd.

Damit könnte sich das effektive Angebot der Opec und ihrer Verbündeten tatsächlich um rund 400.000 bpd verringern - wenn die anderen Anbieter mitspielen. Dies haben aktuell die Vertreter Russlands, Nigerias und des Iraks zwar auch zugesagt. Ob sie sich daran halten werden, steht auf einem anderen Blatt. Dementsprechend ist es letztlich noch offen, wie sich das globale Ölangebot entwickelt. So haben bekanntlich nicht nur die USA ihre Schieferölproduktion zuletzt stark ausgebaut. Auch andere Anbieter außerhalb der Opec wie Norwegen drehen den Ölhahn auf.

Außerdem ist es nicht klar, wie sich die Nachfrage entwickeln wird, da sich die verarbeitende Industrie in vielen Teilen der Welt in der Rezession befindet. Ob es, wie von der saudischen Führung dringend erhofft, zu einer weiteren Erholung des Ölpreises kommt, ist daher fraglich.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
666 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...

  • Ausländische Investitionen: Die EU erweitert Spielräume der Mitgliedstaaten
    Freitag, 15. Februar 2019

    Bisher hat nur jedes zweite EU-Land ein eigenes Verfahren, um außereuropäische Investitionen formal zu überprüfen. Die EU wird auch weiterhin die Entscheidung darüber allein den Mitgliedstaaten...

  • Hauptziel der Streiks bei Amazon bleibt ein Tarifvertrag
    Dienstag, 14. Mai 2019

    Am 14. Mai 2013 traten an den Amazon-Standorten Bad Hersfeld und Leipzig Beschäftigte zum ersten Mal in einen Tagesstreik. Sechs Jahre nach den ersten ganztägigen Streiks bei Amazon in Deutschland...