Samstag, 15 Aug 2020
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 2-4 Minuten Lesezeit  638 Worte im Text  vor 218 Tagen

Das Jahr 2020, das erst wenige Handelstage alt ist, hat es für die Kapitalmarktteilnehmer ganz schön in sich. Da sind zunächst die Spannungen am Persischen Golf, die an den Aktienmärkten für Kursrückschläge und an den Rentenmärkten infolge der Flucht in Sicherheit für Renditerückgänge infolge sorgten. Zuletzt beruhigte sich die Lage ein wenig. An den Aktienmärkten setzten die Kurse zur Erholung an, und der Dax ging wieder auf Tuchfühlung mit seinem zwei Jahre alten Rekordhoch, das mancher am Freitag der abgelaufenen Woche vor der Einstellung sah, die dann aber doch ausblieb.

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Meilensteine wurden hingegen am Bondmarkt gesetzt, und zwar am Primärmarkt. Die Konfliktsituation in der Golfregion ließ die Akteure im Anleiheemissionsgeschäft mit Sicherheit nicht kalt, aber auf die Emissionstätigkeit und die Nachfrage nach den neuen Papieren hatte der Krisenherd keinen Einfluss, wie sich zeigte. Emittenten aus allen Lagern - Staaten, Unternehmen, Banken etc. - strömten scharenweise an den Markt. Platzierungsschwierigkeiten für das neue Bondmaterial suchte man vergebens. Am Mittwoch wurde dann ein fast auf den Tag genau zehn Jahre alter Rekord eingestellt. Laut Informa Global Markets (IGM) wurde mit einem Emissionsvolumen von letzten Endes 29,45 Mrd. Euro in der Gemeinschaftswährung der emissionsstärkste Tag aller Zeiten gemessen. Der bisherige Höchststand wurde am 12. Januar 2010 mit einem Emissionsvolumen von Euro-Anleihen - gleichgültig von welcher Emittentenadresse - von 27,875 Mrd. Euro aufgestellt. Bereits tags darauf die nächste Headline: Der Euro-Anleiheprimärmarkt erreichte bereits einen Wochenrekord, und zwar mit einem Volumen von 75,55 Mrd. Euro. Damit fiel die Bestmarke des Vorjahres, als in der ersten kompletten Handelswoche ein Bondvolumen von 70,55 Mrd. Euro emittiert wurde. Letzten Endes lag der Wochenrekord des jungen Jahres 2020 bei 79,3 Mrd. Euro. Es herrscht Rekordfieber.

Die Nachfrage war zum Teil als enorm zu beschreiben. Da kamen etwa die beiden ehemaligen Krisenstaaten Portugal und Irland mit syndizierten zehn- bzw. 15-jährigen Anleihen an den Markt, die ihnen von den Investoren praktisch aus den Händen gerissen wurden. Bei dem Portugal-Bond erreichte die Nachfrage mehr als 24 Mrd. Euro, bei Irland waren es rund 20 Mrd. Euro. Und auch andere Emittenten wie Unternehmen konnten sich über große Orderbücher freuen. Selbstredend, dass die Spreads in den Vermarktungsphasen durch die Bank weg eingekürzt werden konnten angesichts des Investorenappetits. Und wer am Primärmarkt nicht zum Zuge kam, kaufte sich das Material eben später am Sekundärmarkt mit der Folge, dass die Spreads dort weiter zurückgingen. Zwei bis vier Basispunkte Einengung an nur einem Tag waren durchaus schon als üblich zu bezeichnen, zumindest für die am Donnerstag emittierten Bonds. Aber auch ein Hingucker von 15 BP Spread-Einengung, der im Handel für einen Bond der Deutschen Bank herumgereicht wurde, war dabei.

Es ist aus den vergangenen Jahren bekannt, dass der Auftakt meistens recht gut läuft. Neues Geld bei institutionellen Anlegern drängt nach Anlage - das ist auch in diesem Fall zu beobachten. Das schafft natürlich Nachfrage, die die Emittenten gern ausnutzen, und begünstigt das Entstehen solcher Rekordsituationen. Hinzu kommt, dass viele Emittenten in den vorigen Jahren verstärkt dazu übergegangen sind, gerade in der ersten Jahreshälfte einen Großteil des jährlichen Fundings sicherzustellen, und sie beginnen damit gleich im Januar. Zu tief sitzt bei manchem noch die Erfahrung von über Wochen geschlossenen Primärmärkten während der krisenbedingten Verwerfungen aus den Zeiten von Hypotheken-, Banken-/Finanzmarkt- sowie Staatsschuldenkrise.

Bemerkenswert ist die Entwicklung aber schon deshalb, weil sie gleich in der ersten Handelswoche stattfand, in der noch vielerorts Schulferien waren und viele Marktteilnehmer noch im verlängerten Weihnachts-/Silvesterurlaub verweilten. Viele von ihnen kehren erst in der neuen Handelswoche zurück und steigen dann ins Geschäft ein. Von daher kann durchaus erwartet werden, dass sich die Emissionsflut noch fortsetzt und das Rekordfieber weiter ansteigt. Die Chancen stehen also gut, dass es auch einen Rekordemissionsmonat geben wird. Nach Daten von IGM ist dies bis dato der Januar 2019 mit einem Volumen von 187,37 Mrd. Euro.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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