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Startet Volkswagen mit seiner margenarmen Kernmarke jetzt durch?

Foto: Bruno Kussler Marques / CC BY 2.0 via Flickr

Wirtschaft
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Startet Volkswagen mit seiner margenarmen Kernmarke jetzt durch?

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Die Erleichterung an der Börse auf die Nachricht der Wolfsburger, dass die überraschend deutliche Steigerung des operativen Gewinns im zweiten Quartal wesentlich auf eine Ergebnisverbesserung bei Volkswagen Pkw zurückzuführen sei, zeigt, wie sehr Anleger auf Renditefortschritte vor allem bei dieser Marke warten.

Dass der Konzern wegen zusätzlicher Rechtsrisiken in Nordamerika weitere 2,2 Mrd. Euro an "negativen Sondereinflüssen" verbucht, geriet angesichts der operativen Verbesserung in den Hintergrund. Dabei hatte sich doch gerade der New Yorker Generalstaatsanwalt Schneiderman mit Vorwürfen in neuen Klagen gegen den von der Dieselabgasaffäre erschütterten Dax-Konzern und dessen Management noch in Szene zu setzen gewusst.

Drei Wochen liegt die Vergleichsvereinbarung mit US-Bundesbehörden, privaten Klägern und 44 US-Bundesstaaten zurück, die Volkswagen in den nächsten Jahren zu Zahlungen von knapp 14 Mrd. Euro verpflichtet und die das bislang gebildete Polster an Rückstellungen nahezu vollständig ausschöpft. Die neuen Vorwürfe und die zusätzlichen Rückstellungen machen aber schon deutlich: Die Ungewissheit, welche Kosten der Konzern als Folge der vor zehn Monaten aufgeflogenen Softwaremanipulationen bei Dieselautos am Ende tragen muss, wird ihn noch einige Quartale, vielleicht auch Jahre, begleiten. Finanzielle Lasten drohen über Nordamerika hinaus auch in anderen Regionen noch. Umso wichtiger dürften deshalb nun operative Erfolgsmeldungen werden.

Wie aber ist der - angesichts der vielen Baustellen im Konzern imposante - Erfolg im zweiten Quartal zu werten? Der Autobauer führt ihn auf die saisonale Nachfrage, eine Erholung des Automarkts in Europa und auf eine Wiederbelebung des Großkundengeschäfts zurück. Details zur Beurteilung der Ergebnisqualität fehlen jedoch noch, den Halbjahresbericht wird es erst in einer Woche geben. Behördliche Meldungen über die Entwicklung der Marktanteile in der Branche ließen indes auf die Ergebnissteigerung im zweiten Quartal nicht unbedingt schließen. Beginnen also die Effizienzmaßnahmen, über deren Wirksamkeit in der Vergangenheit spekuliert wurde, inzwischen stärker und sichtbarer zu wirken?

Noch immer liegt die VW-Aktie mehr als ein Viertel unter ihrem Niveau vor Bekanntwerden der Abgasaffäre. In Richtung der Anleger hat Volkswagen gestern aber ein ermutigendes Signal gesendet.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung


325 Wörter im Bericht.

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