Lesezeit: 2 Min

Steuereinnahmen steigen stärker als erwartet

Foto: blickpixel / pixabay (CC)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Steuereinnahmen steigen stärker als erwartet

.

Bund, Länder und Gemeinden nehmen dieses Jahr fast 672 Milliarden Euro Steuern ein - DIW-Schätzung liegt um rund fünf Milliarden Euro über amtlicher Steuerschätzung vom Mai.

Der Staat kann sich in diesem Jahr über deutlich mehr Steuereinnahmen freuen als zunächst erwartet: Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge werden fast 672 Milliarden Euro in die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden fließen - knapp 28 Milliarden Euro mehr als im vergangenen Jahr und rund fünf Milliarden Euro mehr, als die amtliche Steuerschätzung vom Mai vorhersagt. "Die Steuern sprudeln weiter kräftig", sagt Finanzexpertin Kristina van Deuverden, die die Steuereinnahmen auf Basis der morgen erscheinenden Konjunkturprognose des DIW Berlin geschätzt hat. "Das Einnahmenplus geht maßgeblich auf die gute Lage am Arbeitsmarkt zurück: Weil Beschäftigung und Löhne weiter zulegen, nehmen die Lohnsteuereinnahmen zu. Weil die Einkommen steigen und viele Menschen mehr Geld im Portemonnaie haben, expandiert der Konsum kräftig und damit steigen auch die Mehrwertsteuereinnahmen", so van Deuverden. Überraschenderweise legt auch die Abgeltungsteuer kräftig zu, obwohl das Zinsniveau nach wie vor gering ist. Ebenfalls sehr dynamisch entwickeln sich die veranlagte Einkommensteuer und die Körperschaftsteuer, was darauf hindeutet, dass die Unternehmen für 2015 nochmals relativ hohe Gewinne erwarten. Die sich gegenüber den Haushaltsplanungen in diesem Jahr abzeichnenden Steuermehreinnahmen fallen vor allem im Bundeshaushalt und bei den Ländern an. "Der Bund kann die sich nunmehr im Haushalt einstellenden Überschüsse nutzen, um die aktuellen Herausforderungen, beispielsweise in Zusammenhang mit der steigenden Flüchtlingszahl, zu bewältigen", so van Deuverden.

Im kommenden Jahr wird sich der Fiskus erneut über einen kräftigen Steueranstieg freuen können - das Plus gegenüber diesem Jahr dürfte knapp 18 Milliarden Euro betragen. Die Vorhersage der amtlichen Steuerschätzung wird damit zwar um zwei Milliarden Euro unterschritten. Allerdings berücksichtigt die DIW-Prognose bereits, dass die Politik die Steuerzahler im kommenden Jahr wie angekündigt entlastet und die in den Jahren 2014 und 2015 durch die kalte Progression erzielten Mehreinnahmen zurückgibt. Auch die Anhebung des Grundfreibetrags und des Kinderfreibetrags schlägt dann stärker zu Buche. Da sich die Gewinnerwartungen der Unternehmen wohl leicht eintrüben werden, verliert sowohl die Entwicklung der Einkommen- als auch der Körperschaftsteuer an Tempo.

Geschätzte Steuereinnahmen in den Jahren 2015 und 2016 (Tabelle) | PDF, 45.19 KB



Quelle: DIW Berlin


363 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...