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Adler Group

Weiterer Rückschlag

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG Luxembourg zeigen dem Kunden Adler Group die kalte Schulter. Sie haben kein Interesse mehr, die Bücher des angeschlagenen Wohnungskonzerns unter die Lupe zu nehmen.

Geschrieben von Helmut Kipp am . Veröffentlicht in Wirtschaft.
Das Verhältnis sowohl zur Luxemburger KPMG-Einheit, die dem Jahresabschluss 2021 das Testat versagt hat, als auch zu den KPMG-Forensikern, die den Sonderprüfungsbericht zu den Anschuldigungen des Shortsellers Fraser Perring erstellt haben, ist stark angespannt.
Das Verhältnis sowohl zur Luxemburger KPMG-Einheit, die dem Jahresabschluss 2021 das Testat versagt hat, als auch zu den KPMG-Forensikern, die den Sonderprüfungsbericht zu den Anschuldigungen des Shortsellers Fraser Perring erstellt haben, ist stark angespannt.
Foto: Alexandre Prevot / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG Luxembourg zeigen dem Kunden Adler Group die kalte Schulter. Sie haben kein Interesse mehr, die Bücher des angeschlagenen Wohnungskonzerns unter die Lupe zu nehmen.

Das allein schon ist ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Das gilt erst recht, wenn man bedenkt, dass Adler von dieser Entscheidung komplett überrascht wurde. Denn noch am Morgen hatte das Unternehmen angekündigt, KPMG erneut als Abschlussprüfer vorzuschlagen.

Für Adler Group ist das Ganze ein weiterer Rückschlag. Ein neuer Prüfer muss sich erst einmal in eine komplexe Materie einarbeiten. Das kostet Zeit, was eine zusätzliche Hürde für das Bestreben darstellt, ein uneingeschränktes Testat für 2022 zu erreichen. Zudem nährt der KPMG-Entscheid abermals Zweifel an Solidität und Stabilität der Bilanz. Aktionäre und Bondhalter werden sich fragen, ob der bisherige Prüfer womöglich aus Sorge vor der Entdeckung finanzieller Löcher kalte Füße bekommen hat. Vor diesem Hintergrund mutet der Aktienkursrückgang von 12,5 % am Dienstag noch ziemlich verhalten an.

Sicher, das Verhältnis sowohl zur Luxemburger KPMG-Einheit, die dem Jahresabschluss 2021 das Testat versagt hat, als auch zu den KPMG-Forensikern, die den Sonderprüfungsbericht zu den Anschuldigungen des Shortsellers Fraser Perring erstellt haben, ist stark angespannt. Beide sind verärgert, weil ihnen nach eigener Überzeugung wichtige Informationen vorenthalten wurden. Das mag einer Weiterführung der Mandatsbeziehung im Wege stehen. Adler-Verwaltungsratschef Stefan Kirsten wiederum hat zusätzliches Öl ins Feuer gegossen, als er öffentlich sein Missfallen über Teile des Sondergutachtens artikulierte. Nur warum hat KPMG Luxembourg ihre ablehnende Haltung nicht im Vorfeld an den Mandanten weitergereicht und ihn stattdessen ins offene Messer rennen lassen? Das ist in der Tat ein irritierendes Vorgehen.

Womöglich spielen auch andere Aspekte eine Rolle. Der Wirecard-Skandal zeigt, dass Wirtschaftsprüfern immense Haftungsrisiken drohen, falls ihnen Bilanzmanipulationen verborgen bleiben. Dieser Gefahr will sich KPMG Luxembourg offenbar nicht weiter aussetzen. Wobei festzuhalten bleibt, dass diese Gesellschaft den Adler-Abschluss 2020 durchgewinkt hat. Spannend wird nun sein, welche renommierte Adresse bereit ist, das heikle Mandat zu übernehmen. Denn die KPMG-Entscheidung könnte andere abschrecken. Auf jeden Fall wird der neue Wirtschaftsprüfer unter besonderer Beobachtung stehen.

Quelle: Börsen-Zeitung

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