#zeitfokus.

Sonntag, 05 Apr 2020
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 2-4 Minuten Lesezeit  606 Worte im Text  vor 72 Tagen
Widerstandsfähige Rally. Bemerkenswert beständig hat sich die Hausse an den Aktienmärkten in der abgeschlossenen Woche präsentiert. Der Dax hat endlich das alte Rekordhoch hinter sich gelassen und den Durchbruch über die Marke von 13.600 Zählern geschafft. Zuletzt lag er mit einem Wochenplus von 0,4 Prozent auf 13.577 Zähler nicht weit von der neuen Bestmarke entfernt. Dabei waren die Umstände durchaus widrig. Denn kaum hatten die USA und China den Waffenstillstand in ihrem Handelskonflikt besiegelt, stellte sich mit der im Reich der Mitte ausgebrochenen und sich ausbreitenden neuen Lungenkrankheit ein neuer für Unsicherheit sorgender Faktor ein. Das Virus wird die Märkte, wenn zurückliegende Virenausbrüche zugrunde gelegt werden, voraussichtlich noch einige Monate lang beschäftigen, und es ist derzeit noch unklar, wie gefährlich die Krankheit ist und welche Folgen sie haben wird. Einiges spricht dafür, dass die Auswirkungen geringfügiger sein werden als die des Sars-Ausbruchs im Jahr 2003. Die chinesischen Behörden waren diesmal besser vorbereitet und haben schneller und energischer reagiert. Auch soll das Coronavirus weniger aggressiv sein. Ein Risiko ist allerdings, dass die intensive Reisaktivität, die mit dem chinesischen neuen Jahr einhergeht, zu einer gefährlichen Ausbreitung des Virus führt. Es ist damit bis auf Weiteres unklar, ob der Ausbruch, wie Experten zuletzt schätzten, das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr um ungefähr einen Prozentpunkt schmälern wird oder ob Gravierenderes bevorsteht. Auf jeden Fall würde dies die erhoffte Stabilisierung bzw. Erholung des globalen Wachstums verzögern. Auf einen starken Ausbruch des Virus würde die chinesische Regierung jedoch reagieren, so NN Investment Partners am Freitag. "Sie würde wohl nicht zögern, zu neuen Stimulusmaßnahmen zu greifen, und die bisherigen Prioritäten, Schuldenabbau und Reduzierung von Risiken im Finanzsystem, vorerst ad acta legen. In diesem Fall würde sich das Kreditwachstum in China deutlich erhöhen, was wiederum neues Potenzial für Investitionen in China und das Exportwachstum der Schwellenländer mit sich brächte." Auf Basis der derzeit bekannten Tatsachen wird das Coronavirus voraussichtlich zwar bremsende Effekte für die Aktienmärkte haben. Die grundsätzlichen Treiber bleiben jedoch intakt, so dass noch Luft nach oben bzw. eine Fortsetzung der Rekordjagd an den Aktienmärkten der Industrieländer wahrscheinlich ist. Zu erwähnen ist in erster Linie das extrem niedrige Zinsniveau. Der Mangel an Anlagealternativen hat unverändert Bestand, die vom Ausbruch ausgehende Unsicherheit wirkt in dieser Hinsicht sogar verstärkend: Die laufende Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe ist 15 Basispunkte tiefer in den Minusbereich vorgedrungen und liegt nun bei minus 0,34 Prozent. Hinzu kommt, dass nach den Konjunkturstimmungsindikatoren auch die angelaufene Quartalsberichtssaison in den Vereinigten Staaten die Erholungshoffnungen der Marktteilnehmer zu bestätigen scheint. Von den ersten 60 Unternehmen des S&P 500, die schon Geschäftszahlen vorgelegt haben, übertrafen 75 Prozent die Erwartungen. Ein sehr positives Signal setzte dabei Intel. Die weltweite Nummer 1 der Chipbranche übertraf mit ihren Zahlen sowie ihrem Umsatzausblick für das laufende Jahr die Erwartungen, was ihre Aktie auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 katapultierte. All dies spricht dafür, dass die weiteren Zuflüsse die Aktienmärkte stützen werden, auch wenn die Aufwärtsbewegung durch die Entwicklung in China eine Zeit lang ins Stocken geraten könnte. Dividendentitel dürften weiterhin erste Wahl sein, wobei die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Top-Staatsanleihen trotz kläglicher Verzinsung zur Absicherung unverzichtbar bleiben. Angesichts der recht hohen absoluten Bewertungen der Aktienmärkte sind neben den Unternehmensberichten in den kommenden Monaten vor allem die Konjunkturdaten unter Beobachtung zu halten. Gleich zu Beginn der neuen Woche steht das Ifo-Geschäftsklima vom Januar zur Veröffentlichung an. Es hat sich in der Vergangenheit als recht zuverlässiger Indikator für die Perspektiven des Aktienmarktes erwiesen. Die Volkswirte rechnen mit weiteren ermutigenden Signalen. Laut dem Bloomberg-Konsens rechnen sie im Median mit einem Anstieg von 96,3 auf 97 Punkte. Quelle: ots/Börsen-Zeitung

Bemerkenswert beständig hat sich die Hausse an den Aktienmärkten in der abgeschlossenen Woche präsentiert. Der Dax hat endlich das alte Rekordhoch hinter sich gelassen und den Durchbruch über die Marke von 13.600 Zählern geschafft. Zuletzt lag er mit einem Wochenplus von 0,4 Prozent auf 13.577 Zähler nicht weit von der neuen Bestmarke entfernt. Dabei waren die Umstände durchaus widrig. Denn kaum hatten die USA und China den Waffenstillstand in ihrem Handelskonflikt besiegelt, stellte sich mit der im Reich der Mitte ausgebrochenen und sich ausbreitenden neuen Lungenkrankheit ein neuer für Unsicherheit sorgender Faktor ein.

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Foto: pxhere / CC0

Folgen des Iran-Konflikts für die Märkte

Das Virus wird die Märkte, wenn zurückliegende Virenausbrüche zugrunde gelegt werden, voraussichtlich noch einige Monate lang beschäftigen, und es ist derzeit noch unklar, wie gefährlich die Krankheit ist und welche Folgen sie haben wird. Einiges spricht dafür, dass die Auswirkungen geringfügiger sein werden als die des Sars-Ausbruchs im Jahr 2003. Die chinesischen Behörden waren diesmal besser vorbereitet und haben schneller und energischer reagiert. Auch soll das Coronavirus weniger aggressiv sein. Ein Risiko ist allerdings, dass die intensive Reisaktivität, die mit dem chinesischen neuen Jahr einhergeht, zu einer gefährlichen Ausbreitung des Virus führt.

Es ist damit bis auf Weiteres unklar, ob der Ausbruch, wie Experten zuletzt schätzten, das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr um ungefähr einen Prozentpunkt schmälern wird oder ob Gravierenderes bevorsteht. Auf jeden Fall würde dies die erhoffte Stabilisierung bzw. Erholung des globalen Wachstums verzögern. Auf einen starken Ausbruch des Virus würde die chinesische Regierung jedoch reagieren, so NN Investment Partners am Freitag. "Sie würde wohl nicht zögern, zu neuen Stimulusmaßnahmen zu greifen, und die bisherigen Prioritäten, Schuldenabbau und Reduzierung von Risiken im Finanzsystem, vorerst ad acta legen. In diesem Fall würde sich das Kreditwachstum in China deutlich erhöhen, was wiederum neues Potenzial für Investitionen in China und das Exportwachstum der Schwellenländer mit sich brächte."

Auf Basis der derzeit bekannten Tatsachen wird das Coronavirus voraussichtlich zwar bremsende Effekte für die Aktienmärkte haben. Die grundsätzlichen Treiber bleiben jedoch intakt, so dass noch Luft nach oben bzw. eine Fortsetzung der Rekordjagd an den Aktienmärkten der Industrieländer wahrscheinlich ist. Zu erwähnen ist in erster Linie das extrem niedrige Zinsniveau. Der Mangel an Anlagealternativen hat unverändert Bestand, die vom Ausbruch ausgehende Unsicherheit wirkt in dieser Hinsicht sogar verstärkend: Die laufende Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe ist 15 Basispunkte tiefer in den Minusbereich vorgedrungen und liegt nun bei minus 0,34 Prozent. Hinzu kommt, dass nach den Konjunkturstimmungsindikatoren auch die angelaufene Quartalsberichtssaison in den Vereinigten Staaten die Erholungshoffnungen der Marktteilnehmer zu bestätigen scheint.

Von den ersten 60 Unternehmen des S&P 500, die schon Geschäftszahlen vorgelegt haben, übertrafen 75 Prozent die Erwartungen. Ein sehr positives Signal setzte dabei Intel. Die weltweite Nummer 1 der Chipbranche übertraf mit ihren Zahlen sowie ihrem Umsatzausblick für das laufende Jahr die Erwartungen, was ihre Aktie auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 katapultierte.

All dies spricht dafür, dass die weiteren Zuflüsse die Aktienmärkte stützen werden, auch wenn die Aufwärtsbewegung durch die Entwicklung in China eine Zeit lang ins Stocken geraten könnte. Dividendentitel dürften weiterhin erste Wahl sein, wobei die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Top-Staatsanleihen trotz kläglicher Verzinsung zur Absicherung unverzichtbar bleiben. Angesichts der recht hohen absoluten Bewertungen der Aktienmärkte sind neben den Unternehmensberichten in den kommenden Monaten vor allem die Konjunkturdaten unter Beobachtung zu halten.

Gleich zu Beginn der neuen Woche steht das Ifo-Geschäftsklima vom Januar zur Veröffentlichung an. Es hat sich in der Vergangenheit als recht zuverlässiger Indikator für die Perspektiven des Aktienmarktes erwiesen. Die Volkswirte rechnen mit weiteren ermutigenden Signalen. Laut dem Bloomberg-Konsens rechnen sie im Median mit einem Anstieg von 96,3 auf 97 Punkte.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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