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Bayern

Coronavirus nutzt jede Laxheit

Wie viel Freiheit lässt das Coronavirus Bürgern, die keine Erkrankung riskieren wollen? Die Spielräume sind mit Hochschnellen der Inzidenzen und der wachsenden Zahl von Kranken auf den Intensivstationen deutlich kleiner geworden. Die Politik zieht mit härteren Corona-Regeln daraus jetzt nur die Konsequenz. Das gilt auch für die neuen Sicherheitsmaßnahmen, die auf Beschluss des bayerischen Kabinetts am Samstag in Kraft treten.

Geschrieben von Christine Schröpf am . Veröffentlicht in Regio-News.
Die vierte Welle trifft den Freistaat mit voller Wucht.
Die vierte Welle trifft den Freistaat mit voller Wucht.
Foto: Adrien Delforge

Wie viel Freiheit lässt das Coronavirus Bürgern, die keine Erkrankung riskieren wollen? Die Spielräume sind mit Hochschnellen der Inzidenzen und der wachsenden Zahl von Kranken auf den Intensivstationen deutlich kleiner geworden. Die Politik zieht mit härteren Corona-Regeln daraus jetzt nur die Konsequenz. Das gilt auch für die neuen Sicherheitsmaßnahmen, die auf Beschluss des bayerischen Kabinetts am Samstag in Kraft treten.

Das Erregungspotenzial ist groß - gerade in Hotspots, in denen es zu weitreichenden Einschnitten kommt.Dabei gibt es zum energischen Gegensteuern keine Alternative. Die Corona-Zahlen sind aktuell ja deshalb so hoch, weil das Virus Andockmöglichkeiten in Hülle und Fülle findet. Was CSU und Freie Wähler als Gegenmaßnahmen vorgelegt haben, muss in den nächsten drei Wochen wirken. Sonst sind weitere Einschränkungen zwangsläufig.

Jeder kennt aus dem Winter 2020/2021 die Risiken des exponentiellen Wachstums. Alle erinnern sich, wie lange es dauert, bis Inzidenzen aus dem 400er-Bereich nach unten sinken.Die vierte Welle ist da. Der Freistaat wird mit besonderer Wucht eingeholt - auch wenn die Vorzeichen dieses Mal wegen der nun knapp 65 Prozent Geimpften günstiger sind. Die Gründe sind vielfältig: Die grassierende Virus-Variante ist sehr ansteckend. Besonders bei Kindern sind die Infektionszahlen exorbitant hoch - über die Kleinen findet das Virus seinen Weg zu den Erwachsenen. Die geringen Corona-Maßnahmen des Sommers passen nicht zur kälteren Zeit, in der sich fast alles in geschlossenen Räumen abspielt.

Aus Sehnsucht nach Normalität hatte sich überhaupt eine gewisse Laxheit eingeschlichen.Nun heißt es wieder: Abstand halten, FFP-2-Maske tragen, Hände desinfizieren, Lüften, Testen. Wenn es nicht gelingt, den steilen Anstieg zu stoppen, müssen sich vor allem Ungeimpfte auf einen harten Winter einstellen: Mit 3G am Arbeitsplatz und 3G plus oder 2 G bei vielen Freizeitaktivitäten. Auch für Geimpfte wird die Situation ungewiss. Der kleine Pieks schützt zwar sehr zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen, mit wachsendem Abstand zum Impfzeitpunkt aber nicht unbedingt vor Infektionen. Wie ernst Bayern diese "Impfdurchbrüche" nimmt, lässt sich daran ablesen, dass Ministerpräsident Markus Söder vehement die "Booster"-Impfung forciert. Flankierend muss der Staat rasch wieder kostenlose Corona-Tests für alle einführen - auch wenn es teuer kommt. Das würde garantieren, dass das öffentliche und wirtschaftliche Leben zumindest für Gesunde am Laufen bleibt.Zu den Hauptzielen zählt, Krankenhäuser vor Überlastung zu schützen. Dort ist die Lage bereits extrem angespannt, auch weil Pflegekräfte - zermürbt durch die Wellen eins bis drei - kapituliert und gekündigt haben.

Wer Corona zu leichtfertig nimmt, trägt auch dafür Verantwortung. Die nächste Generation bekommt gerade drastischen Anschauungsunterricht, wie hart der Job ist, und wird ihn nur bei höchstem Idealismus ergreifen. Mit finanziellen Anreizen ist das Problem nicht zu lösen, obwohl eine höhere Bezahlung unverzichtbar ist. Im ersten Schritt müssen die neuen Zulagen steuerfrei gestellt werden, die Bayern beschlossen hat.Söder muss Druck machen. Mit der vierten Welle schlüpft er gerade in die Rolle des Corona-Wächters zurück. Zuletzt war er leiser geworden, wohl auch weil er seit längerer Zeit von Hass und konkreten Drohungen überflutet wird. Im Sommer herrschte zudem ein Klima, in dem Corona-Regeln unvermittelbar waren. Ehrlicherweise haben wir uns dabei wohl ein wenig zu locker gemacht. Wäre es anders, würden jetzt nicht Corona-Kranke auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung

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