3 Min

Hamburg 2024: Im Finanzreport für die Spiele ist ehrlich gerechnet worden

Foto: Merlin Senger / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Regio-News
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Hamburg 2024: Im Finanzreport für die Spiele ist ehrlich gerechnet worden

.

Hamburg (ots) - Seit Donnerstag liegen die Zahlen für Olympia 2024 vor, laut Bürgermeister Olaf Scholz die "am besten durchgerechnete Bewerbung, die es je gab." Wirtschaftsforscher Professor Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), lobt den Report: Man sehe, dass "seriös und mit Risikoaufschlag kalkuliert" worden sei. Vöpel empfiehlt der Stadt mehr Optimismus: "Hamburg hat enormes Potenzial als Stadt und Region."

Im Interview mit der Hamburger Olympia-Initiative sagte Vöpel, die Daumenregel "mal zwei" oder "mal vier" sei hier nicht gerechtfertigt: "Es ist richtig, mit ehrlichen Zahlen Transparenz herzustellen, anstatt bewusst wieder zu knapp und optimistisch zu kalkulieren, nur damit die Entscheidung durchgeht."

Es folgt das Interview im Wortlaut, der Text steht in Auszügen und vollständig zur freien Verwendung offen.

Herr Professor Vöpel, Hamburg hat für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele 2024 Kosten von 11,4 Mrd Euro kalkuliert. Trotzdem weisen viele Kommentatoren auf wahrscheinliche Kostensteigerungen hin, weil das bei Großprojekten ja immer so sei ...

Professor Henning Vöpel: Nun, wer sich die Zahlen genauer anguckt, der sieht, dass schon seriös und mit Risikoaufschlag kalkuliert worden ist. Natürlich rechnen jetzt die Menschen aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen per Daumenregel "mal zwei" oder sogar "mal vier" hoch. Das scheint hier aber nicht gerechtfertigt. Es ist richtig, mit ehrlichen Zahlen Transparenz herzustellen, anstatt bewusst wieder zu knapp und optimistisch zu kalkulieren, nur damit die Entscheidung durchgeht.

Ist es eine Art Naturgesetz, dass Kosten von Großprojekten explodieren? Anders gefragt: was muss man tun, um sie seriös zu veranschlagen?

Vöpel: Meistens wollen Funktionäre und Politiker ihre Sache durchdrücken. Später sind sie nicht mehr im Amt und können nicht mehr dafür verantwortlich gemacht werden. Deshalb kümmert sie die Zukunft nicht so sehr. Mit der Folge, dass wie ein Naturgesetz, das in Wahrheit sehr menschlich ist, Kosten systematisch unterschätzt werden. Hier aber glaub ich sagen zu können, dass das offenbar nicht so passiert ist, sondern sauber gerechnet worden ist.

Bürgermeister Olaf Scholz argumentiert zur Frage, ob die Olympiapläne sich mit der Flüchtlingskrise vertragen, die Stadt brauche Wirtschaftswachstum, um Flüchtlinge zu integrieren. Stimmen Sie ihm zu?

Vöpel: Ich würde das nicht so eng in einen Zusammenhang stellen. Aber es ist mit Sicherheit auch kein Widerspruch zwischen Flüchtlingskrise und Olympiabewerbung herzustellen. Beides hat jedenfalls mit dem Mut einer Gesellschaft zu tun, gemeinsam etwas zu schaffen und Großes zu erreichen.

Erhöhte Steuereinnahmen, überhaupt eine wirtschaftliche Dynamik durch die Spiele, spielen im Finanzreport keine Rolle. Darf Hamburg dennoch darauf hoffen?

Vöpel: Unbedingt. Eine Investitionsentscheidung kennt nicht nur Kosten, sondern auch Erträge. Beides zusammen betrachtet führt zur richtigen Entscheidung. Hamburg hat enormes Potenzial als Stadt und Region. Es braucht aber eine gute Strategie und eine Vision davon, was Hamburg mit Olympischen Spielen erreichen möchte. Sonst ist nach 16 Tagen alles vorbei: Die Flamme erloschen und das Feuer der Menschen aus. Deshalb ist es jetzt wichtig, daran zu arbeiten, wo Hamburg profitieren kann: bei der Stadtentwicklung, beim Wohnungsbau, Mobilität etc. Hamburg braucht eine optimistischere Haltung zum Fortschritt. Das bedeutet nicht einfach mehr Wachstum, sondern mehr Nachhaltigkeit, mehr Lebensqualität, mehr Zukunft.

Henning Vöpel ist Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Im Jahr 2010 wurde Vöpel als Professor für Volkswirtschaftslehre an die HSBA Hamburg School of Business Administration berufen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Konjunkturanalyse, Geld- und Währungspolitik, Finanzmärkte und Sportökonomik.



Quelle: Feuer und Flamme für Hamburg


546 Wörter im Bericht.

Regio-News (Top 10)