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Satt machen und satt haben - Die Zukunft der Landwirtschaft

Foto: Messe Berlin GmbH

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Satt machen und satt haben - Die Zukunft der Landwirtschaft

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Der Berliner Funkturm erstrahlt wieder im grünen Licht. Doch die Grüne Woche, die gestern in der Hauptstadt ihre Hallen öffnete, ist längst nicht nur eine beeindruckende Leistungsschau dessen, was Land- und Ernährungswirtschaft zu bieten haben. In Berlin prasseln auch die heftig widerstreitenden Interessen, Bedürfnisse und Wünsche von Landwirten, Verbrauchern, Umwelt- und Tierschützern, von Politik, Ernährungswirtschaft und Handel aufeinander. Die Grüne Woche ist zudem längst ein Forum dafür, wie die Zukunft unserer Landwirtschaft, unserer Ernährung, wie unsere Haltung zu Natur und Umwelt, zu Tieren, Pflanzen, Feldern und Wäldern ausgestaltet werden sollten.

Die Debatte darüber findet nicht nur auf der weltgrößten Agrarschau, auf Hunderten von Veranstaltungen, sondern auch auf der Straße statt. Man spricht bereits von einem Wirrwarr an Demonstrationen. Am Freitag demonstrierten Landwirte der Bewegung "Land schafft Verbindung" mit ihren Treckern gegen die geplante Dünge-Verordnung. Mit dem Slogan: "Wir machen Euch satt" erinnern Bauern daran, wer das Land und seine Bürger mit Nahrungsmitteln versorgt. Auf der anderen Seite wollen heute Tausende Menschen gegen eine vorgebliche "Agrarindustrie", gegen "Massentierhaltung" auf die Straße gehen. Ihr Motto: "Wir haben es satt - Agrarwende anpacken, Klima schützen". Leider haben sich die Fronten zwischen beiden Lagern in der letzten Zeit extrem verhärtet. Man spricht kaum miteinander, sondern klagt sich gegenseitig an, produziert gar Feindbilder.

Ob die diesjährige Grüne Woche daran etwas ändern, ob sie den dringend notwendigen Dialog in Gang bringen kann, ist freilich fraglich. Dabei wollen beide Seiten im Grunde eigentlich das Gleiche. Landwirte, egal ob vorrangig konventionell oder ökologisch wirtschaftend, wollen eine intakte Umwelt, saubere Luft, sauberes Wasser sowie gesunde Böden und Tiere. Wer ihnen anderes nachsagt, stellt einen ganzen Berufsstand ins Abseits, untergräbt von vorn herein den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs. Auf der anderen Seite wollen auch Verbraucher, Umwelt- und Tierschützer eine nachhaltige Landwirtschaft, die uns mit guten Produkten ausreichend ernährt, der das Wohl der Tiere in den Ställen und auf den Weiden am Herzen liegt.

Dabei steckt die Agrarwirtschaft in einem dramatischen Wandel. Zu enormen Veränderungen auf den Märkten, einer ungeheuren Macht der Handelskonzerne, veränderten EU-Förderregeln kommen die Herausforderungen des Klimawandels, von Dürren, aber auch Stürmen und gewaltigen Niederschlägen, denen die Landwirte in besonderer Weise ausgesetzt sind. Ebenso muss "die" Landwirtschaft ihren Beitrag zum Schutz von Pflanzen- und Tierarten, etwa Insekten und Vögeln, leisten. Pflanzenschutzmittel und Dünger dürfen nicht nach dem Motto ausgebracht werden: Viel hilft viel, sondern müssen genau dosiert und gezielt bei den Pflanzen ankommen, wie das gute Bauern längst tun. Es braucht zudem mehr Fruchtfolgen und mehr Blühstreifen auf den Äckern. Auch muss Schluss gemacht werden mit archaischen, aber tierquälerischen Haltungsmethoden. Sei es die betäubungslose Kastration von Ferkeln, die Anbíndehaltung von Kühen oder das Schreddern von männlichen Küken.

Doch für all diese Veränderungen, die von der Gesellschaft gefordert werden, benötigen die Landwirte die entsprechende Unterstützung aus Brüssel und Berlin sowie durch faire Preise an der Ladentheke. Daran hapert es aber. Klar ist auch, die enormen Veränderungen können nur mit und nicht gegen die Landwirte vollzogen werden.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

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