Freitag, 03 Jul 2020
Foto: Bengin Ahmad
 2-3 Minuten Lesezeit  408 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Damaskus/München Die Not der Menschen in Syrien spitzt sich im fünften Kriegsjahr immer weiter zu. Die Menschen sind in ihren Vierteln gefangen, überall lauert Lebensgefahr. Kaum jemand hat Arbeit, es herrscht große Armut, die Kinder können nicht mehr zur Schule. Ein Interview mit dem Chef des Nothilfeteams der SOS-Kinderdörfer in Damaskus, Ahmad Mahmoud Hussein.

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Foto: Jan Mallander / CC0 (via Pixabay)

Der Justiz fehlen einige Tausend Mitarbeiter

Wie ist die allgemeine Lage in Damaskus?

Hussein: Aktuell ist es ein wenig ruhiger geworden um Damaskus und einige Gebiete sind einfacher zu erreichen. Das ist aber kein anhaltender Zustand.

In den umkämpften Gebieten sind die Menschen gefangen. Nur die wenigen, die noch eine Arbeit haben und dafür in andere Bezirke müssen, dürfen die Checkpoints nach Nerven aufreibenden Kontrollen passieren.



Was bedeutet das für die Kinder?

Hussein: Viele Eltern schicken ihre Kinder auch während der Feuerpausen nicht mehr zur Schule. Es ist schlicht zu gefährlich. Die Kinder werden an den Checkpoints der jeweiligen Kriegsparteien befragt. Kommt dabei raus, dass die Eltern die Gegenseite unterstützen, kann das schlimme Konsequenzen für alle haben.

Wie ist die Versorgungslage in den umkämpften Gebieten?

Hussein: Schlecht. Die Leute sind abhängig von Hilfslieferungen. Es gibt zwar noch Läden, aber dort ist häufig nichts mehr zu bekommen, weil die Versorgungswege abgeschnitten sind. Wenn es Waren gibt, sind sie meist unerschwinglich. Verschärft wird die Notlage der Menschen durch die hohe Arbeitslosigkeit oder weil der Versorger umgekommen ist. Oft müssen Großfamilien von einem Dollar am Tag leben.

Können die Hilfsorganisationen den Bedarf decken?

Hussein: Leider nicht. Wir können nur unterstützen, aber es ist nie genug. Die Not ist einfach zu groß und die Zugänge zu den Familien aufgrund der Gefechte sind oft nicht möglich.

Wie verschafft sich das SOS-Nothilfeteam Zugang zu den umkämpften Gebieten um Lebensmittel zu verteilen?

Hussein: Das geht nur über zähe Verhandlungen mit beiden Kriegsparteien im Vorfeld einer Mission. Da die SOS-Kinderdörfer schon lange vor Ort arbeiten und Leute in den betreffenden Vierteln kennen, wissen beide Seiten, dass wir neutral sind und jedem helfen. Trotzdem dauert es häufig lange, bis wir erfahren, wann es zur nächsten Feuerpause kommt. Bislang konnten wir dann unter dem Schutz, der das Gebiet kontrollierenden Partei arbeiten. Aber es ist immer riskant.

Welche Hoffnungen haben Sie für die Zukunft?

Hussein: Ich bin nicht besonders optimistisch. Wir haben eine Pattsituation und keine Seite ist zu Kompromissen bereit. Die Opfer sind Frauen, Kinder, Familien, deren Lage sich von Tag zu Tag verschlimmert. Ohne neutralen Vermittler wird der Krieg kein Ende finden.



Quelle: SOS-Kinderdörfer


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