5 Jahre Krieg in Syrien - Ohne Vermittler wird der Krieg kein Ende finden

Foto: Bengin Ahmad

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Damaskus/München Die Not der Menschen in Syrien spitzt sich im fünften Kriegsjahr immer weiter zu. Die Menschen sind in ihren Vierteln gefangen, überall lauert Lebensgefahr. Kaum jemand hat Arbeit, es herrscht große Armut, die Kinder können nicht mehr zur Schule. Ein Interview mit dem Chef des Nothilfeteams der SOS-Kinderdörfer in Damaskus, Ahmad Mahmoud Hussein.

Wie ist die allgemeine Lage in Damaskus?

Hussein: Aktuell ist es ein wenig ruhiger geworden um Damaskus und einige Gebiete sind einfacher zu erreichen. Das ist aber kein anhaltender Zustand.

In den umkämpften Gebieten sind die Menschen gefangen. Nur die wenigen, die noch eine Arbeit haben und dafür in andere Bezirke müssen, dürfen die Checkpoints nach Nerven aufreibenden Kontrollen passieren.



Was bedeutet das für die Kinder?

Hussein: Viele Eltern schicken ihre Kinder auch während der Feuerpausen nicht mehr zur Schule. Es ist schlicht zu gefährlich. Die Kinder werden an den Checkpoints der jeweiligen Kriegsparteien befragt. Kommt dabei raus, dass die Eltern die Gegenseite unterstützen, kann das schlimme Konsequenzen für alle haben.

Wie ist die Versorgungslage in den umkämpften Gebieten?

Hussein: Schlecht. Die Leute sind abhängig von Hilfslieferungen. Es gibt zwar noch Läden, aber dort ist häufig nichts mehr zu bekommen, weil die Versorgungswege abgeschnitten sind. Wenn es Waren gibt, sind sie meist unerschwinglich. Verschärft wird die Notlage der Menschen durch die hohe Arbeitslosigkeit oder weil der Versorger umgekommen ist. Oft müssen Großfamilien von einem Dollar am Tag leben.

Können die Hilfsorganisationen den Bedarf decken?

Hussein: Leider nicht. Wir können nur unterstützen, aber es ist nie genug. Die Not ist einfach zu groß und die Zugänge zu den Familien aufgrund der Gefechte sind oft nicht möglich.

Wie verschafft sich das SOS-Nothilfeteam Zugang zu den umkämpften Gebieten um Lebensmittel zu verteilen?

Hussein: Das geht nur über zähe Verhandlungen mit beiden Kriegsparteien im Vorfeld einer Mission. Da die SOS-Kinderdörfer schon lange vor Ort arbeiten und Leute in den betreffenden Vierteln kennen, wissen beide Seiten, dass wir neutral sind und jedem helfen. Trotzdem dauert es häufig lange, bis wir erfahren, wann es zur nächsten Feuerpause kommt. Bislang konnten wir dann unter dem Schutz, der das Gebiet kontrollierenden Partei arbeiten. Aber es ist immer riskant.

Welche Hoffnungen haben Sie für die Zukunft?

Hussein: Ich bin nicht besonders optimistisch. Wir haben eine Pattsituation und keine Seite ist zu Kompromissen bereit. Die Opfer sind Frauen, Kinder, Familien, deren Lage sich von Tag zu Tag verschlimmert. Ohne neutralen Vermittler wird der Krieg kein Ende finden.



Quelle: SOS-Kinderdörfer


Welt (Top 10)

  • Bangladesch: Kinderheirat schadet Mädchen
    Dienstag, 09. Juni 2015

    Die Regierung von Bangladesch hat - trotz anderslautender Vesprechen - noch keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, um Kinderheirat zu beenden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten...

  • Gauck in den USA
    Mittwoch, 07. Oktober 2015

    Bielefeld (ots) - Für Bundespräsident Joachim Gauck ging mit dem Besuch im Weißen Haus ein Lebenstraum in Erfüllung. Seine Wertschätzung der Vereinigten Staaten teilt der Pfarrer aus Rostock mit der...

  • Timbuktu-Prozess in Den Haag - Kulturzerstörung als Kriegsverbrechen
    Montag, 22. August 2016

    Der Timbuktu-Prozess gegen den Malier Ahmad al-Mahdi vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) schreibt Geschichte. Erstmals erkennt die internationale Justiz Kulturzerstörung als...

  • Nadja Sawtschenko: Verurteilung widerspricht rechtsstaatlichen Grundsätzen
    Dienstag, 22. März 2016

    Ein Gericht im russischen Donezk hat am heutigen Dienstag die ukrainische Militärpilotin Nadja Sawtschenko zu 22 Jahren Lagerhaft verurteilt.

  • Russische Behörden müssen den feigen Mord an Boris Nemzow so schnell und gründlich wie möglich aufklären
    Samstag, 28. Februar 2015

    Berlin (ots) - Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit trauert um und ist bestürzt über den Mord an ihrem langjährigen Partner Boris Nemzow. Der liberale russische Oppositionspolitiker war...

  • Erdoğans "Säuberungen"
    Dienstag, 19. Juli 2016

    Die Konsequenz, mit der der türkische Präsident den gescheiterten Putschversuch gegen ihn dazu nutzt, Gegner und Kritiker aller Couleur zu inhaftieren oder ihres Amtes zu entheben, ist atemberaubend.

  • Argentinien: Mauricio Macri umweht der Dunst der Diktatur
    Montag, 16. Mai 2016

    Die Regierung Argentiniens unter dem rechten Präsidenten Mauricio Macri fährt einen radikalen Kurs. "Sie nimmt den Arbeitsschutz und die sozialen Sicherungssysteme auseinander, die nach der Krise...

  • Inhaftierte Journalisten in Turkmenistan
    Sonntag, 28. August 2016

    Turkmenistans Präsident Gurbanguli Berdimuhamedow trifft am Montag in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen - eine seltene Gelegenheit, einen der weltweit schlimmsten Feinde der...

  • Kasachstan: Vorgezogene Parlamentswahlen
    Dienstag, 15. März 2016

    Am 20. März stehen in Kasachstan Parlamentswahlen an. Es handelt sich - wieder einmal - um vorgezogene Neuwahlen. Die laufende Legislaturperiode wurde um zehn Monate verkürzt. Die nächsten regulären Wahlen...

  • Filmstandort Europa stärken
    Montag, 15. Februar 2016

    Auf Einladung der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, haben sich am heutigen Montag die EU-Amtskolleginnen und -kollegen aus Luxemburg, Lettland, Schweden, Estland, Tschechien...