Alte Feindschaft rostet nicht

Foto: A.Savin / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

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Die Ursachen und Folgen des IS-Terrors beschäftigen uns an den meisten Nachrichtentagen so sehr, dass wir eine potenziell viel größere Bedrohung fast aus den Augen verloren haben: die russischen Atomraketen.

Sie sind innerhalb weniger Minuten einsatzbereit und in der Lage, uns vollständig zu vernichten. Wie real die Gefahr ist, zeigt ein Blick ins Jahr 1995. Damals hatten norwegische Forscher eine Rakete in den Himmel geschossen, um Nordlichter zu erforschen. Unglücklicherweise ähnelten Flugroute und -geschwindigkeit einer nahenden US-Atomrakete derart, dass der russische Präsident Boris Jelzin eilig den Atomkoffer hervorholte. Allein die Tatsache, dass es damals ein gutes Vertrauensverhältnis zu den USA gab, verhinderte die Katastrophe. Heute, 21 Jahre danach, sähe das womöglich anders aus.

Das Vertrauen zwischen den USA und der Nato auf der einen und Russland auf der anderen Seite ist zerstört. Eine mühsam aufgebaute Partnerschaft ist einer feindseligen Gegnerschaft gewichen. Stellenweise ist dieser neue Kalte Krieg auch schon recht heiß geworden: Unterschiedliche, teilweise sich widersprechende Kriegsziele in Syrien und regelmäßige gezielte Verletzungen des Nato-Luftraums durch russische Kampfpiloten bergen immer wieder das Risiko einer auch kurzfristigen direkten militärischen Konfrontation.

In einer solchen Situation der zunehmenden Spannungen ist die Reaktion der USA, eine dritte Kampfbrigade nach Europa zu verlegen, legitim und folgerichtig. Es geht dabei nicht um eine leichtfertige Provokation Russlands, sondern um eine Reaktion auf eine nicht enden wollende Provokationskette, die ihren Höhepunkt in der Annexion der Krim hatte. Nur aus einer Position der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stärke heraus lassen sich solche Aggressionen (hoffentlich) eindämmen.

Eine Nebenwirkung darf dabei allerdings nicht übersehen werden: Die Aufrüstung der USA in Osteuropa ist Wasser auf die Mühlen der dort regierenden Nationalisten. Und da diese die Europäische Union zunehmend von innen heraus beschädigen, nutzt das in gewisser Weise - ausgerechnet - den Russen.



Quelle: ots/Westdeutsche Allgemeine Zeitung


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