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Sonntag, 31 Mai 2020
Nirgendwo auf der Welt steigen die Neuinfektionen in dem Maße an, wie in den USA.
Nirgendwo auf der Welt steigen die Neuinfektionen in dem Maße an, wie in den USA. Foto: Mor Shani
 2-3 Minuten Lesezeit  523 Worte im Text  vor 59 Tagen

Die im Stich Gelassenen der Corona-Krise sitzen nicht wie bei Hurrikan Katrina auf den Dächern. Sie stehen in der South Bronx, in Elmhurst und anderen armen Stadtteilen New Yorks in der Schlange, um auf das Coronavirus getestet zu werden. Neue Statistiken aus dem Epizentrum der Pandemie in den USA belegen, dass es eine von Menschen gemachte Komponente in der Covid-19-Katastrophe gibt.

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Foto: William Dais / CC0 (via Pixabay)

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Demnach werden vier Mal so viel Bewohner einer Nachbarschaft südlich des LaGuardia Flughafens in Queens positiv auf den Erreger getestet als in dem gentrifizierten Viertel von Brooklyn, in dem Bürgermeister Bill de Blasio wohnt. 19 der 20 wohlhabendsten Nachbarschaften New Yorks haben die niedrigsten Infektionsraten. Dieses Drama zeichnet sich nun auch in anderen Großstädten ab. Von Atlanta und Baltimore über Chicago und Detroit bis nach New Orleans und Los Angeles sehen sich die Stundenlöhner, Einwanderer und Minderheiten einem unvergleichlichen Risiko ausgesetzt. Sie haben keine großen Wohnungen, in die sie sich zurückziehen, keine Ersparnisse, von denen sie nun zehren und keine öffentliche Infrastruktur, auf die sie zurückgreifen könnten.

Derweil fehlt es an der Front im Kampf gegen das Virus an allem: Schutzmasken, Beatmungsgeräten und Krankenhausbetten. Während Ärzte, Schwestern und Pfleger heroisch ihr eigenes Leben riskieren, hält Donald Trump bizarre Briefings im Weißen Haus, in denen er sich als Kriegspräsident inszeniert, aber Führung vermissen lässt. Wie George W. Bush einst in zehntausend Metern Höhe über das von Katrina verwüstete New Orleans flog, schaute Trump in der Corona-Krise wochenlang untätig zu, wie sich der Erreger ausbreitete. Statt frühzeitig Kontaktsperren zu verhängen und aggressiv zu testen, schüttelte er unbesorgt Hände und verhieß, das Virus werde "wie magisch" verschwinden. Zu Ostern wünschte er sich "volle Kirchenbänke", während ihm nicht verborgen geblieben sein konnte, dass zu diesem Zeitpunkt die Leichenhallen New Yorks voll sein werden.

Dass Trump nun eine Kehrtwende vollzieht und die Amerikaner auf sehr schwierige Wochen mit bestenfalls zwischen 100 000 und 240 000 Toten einstimmt, hat vor allem damit zu tun, dass er die Opfer der Pandemie nicht aus der Welt reden kann. Der "Amerika-Zuerst"-Präsident muss erfahren, wie das Fehlen an Führung nun selbst wie ein Bumerang zurückkommt. Nirgendwo auf der Welt steigen die Neuinfektionen in dem Maße an, wie in den USA. Ein Kontrastprogramm in Führung liefert der Gouverneur von New York. Andrew Cuomo spricht unangenehme Wahrheiten aus, zeigt Anteilnahme und packt an. Die Menschen vertrauen ihm, weil er kein Quacksalber, Schönredner oder Cheerleader ist. Die USA gewinnen den Kampf gegen das Virus nur, wenn es sich vom Credo des Trumpismus abwendet. "Amerika-Zuerst"-Nationalismus macht die Nation nicht sicherer, sondern behindert die Suche nach einer erfolgreichen Strategie.

Hätte die nicht minder nationalistische Führung in China frühzeitig für Transparenz gesorgt und die Welt entschlossen auf den Ausbruch in Wuhan reagiert, könnten die New Yorker heute vielleicht den Frühling genießen. Das Paradox der Pandemie lehrt, dass physische Abgrenzung voneinander lokal nötig ist, um die Verbreitung global zu stoppen. Ansonsten müssen die Menschen enger zusammenrücken, um einen Impf- oder Wirkstoff zu finden, die Wirtschaft wieder zu beleben und eine Rückkehr des Virus zu vermeiden. Jenseits einer Impfung verspricht Solidarität den besten Schutz in der Corona-Krise.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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