Chinesische Investoren in Kauflaune

Chinesische Investoren zieht es immer stärker nach Deutschland. Für die hiesigen Unternehmen sind das bislang meist gute Nachrichten. Foto: StartupStockPhotos / Pixabay CC0

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Chinesische Unternehmen investieren jährlich Milliarden in Deutschland. Dabei setzen sie immer stärker auf die direkte Übernahme hiesiger Firmen, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Vor allem der Maschinenbau ist im Visier der asiatischen Konkurrenz.

Seit 2005 haben chinesische Investoren 196 deutsche Unternehmen ganz oder teilweise übernommen. Zumeist sichern sie sich vor allem kleine Betriebe aus dem Maschinenbau und der Automobilindustrie. Doch auch Pharmaunternehmen sowie Firmen aus der Branche der erneuerbaren Energien werden immer häufiger zum Übernahmeziel. Allein 2016 investierten chinesische Anleger laut IW weit mehr als 10 Milliarden Euro in Deutschland und übernahmen rund 39 Firmen – ein neuer Rekord. 2012 waren es nur rund zwei Milliarden Euro und 21 Firmen. Da die meisten Investitionen für sich genommen zu klein sind, um in Presse oder Bundesanzeiger veröffentlicht zu werden, dürfte die tatsächliche Summe noch höher liegen. „Chinesische Investoren sichern sich durch die Übernahmen deutsches Knowhow und stoßen in neue Märkte vor“, sagt IW-Wissenschaftler Christian Rusche.

Was bedrohlich klingen mag, hat derzeit große Vorteile für die hiesige Wirtschaft. Denn häufig schlagen chinesische Firmen bei Unternehmen zu, die in wirtschaftliche Schieflage geraten sind. „Zwar greifen chinesische Firmen auf Spitzentechnologie zu, sie sichern und schaffen aber auch viele Arbeitsplätze in Deutschland“, sagt Rusche. „Unter dem Strich überwiegen also die positiven Aspekte des chinesischen Engagements.“

Ein Schönheitsfehler ist, dass bei den Übernahmen häufig auch die chinesische Politik ihre Finger im Spiel hat – während sie gleichzeitig Investitionen im eigenen Land ausbremst. Dadurch wird der Wettbewerb verzerrt, denn chinesische Firmen können ihre deutschen Konkurrenten mit Staatshilfe leichter übernehmen und darauf vertrauen, dass Peking sie im Zweifel vor Übernahmen schützt. „Die Politik sollte auf die Öffnung des chinesischen Marktes hinwirken, um solche Ungleichgewichte zu vermeiden.“



Quelle: IW Köln


Welt (Top 10)

  • Bangladesch: Kinderheirat schadet Mädchen
    Dienstag, 09. Juni 2015

    Die Regierung von Bangladesch hat - trotz anderslautender Vesprechen - noch keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, um Kinderheirat zu beenden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten...

  • Gauck in den USA
    Mittwoch, 07. Oktober 2015

    Bielefeld (ots) - Für Bundespräsident Joachim Gauck ging mit dem Besuch im Weißen Haus ein Lebenstraum in Erfüllung. Seine Wertschätzung der Vereinigten Staaten teilt der Pfarrer aus Rostock mit der...

  • Timbuktu-Prozess in Den Haag - Kulturzerstörung als Kriegsverbrechen
    Montag, 22. August 2016

    Der Timbuktu-Prozess gegen den Malier Ahmad al-Mahdi vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) schreibt Geschichte. Erstmals erkennt die internationale Justiz Kulturzerstörung als...

  • Nadja Sawtschenko: Verurteilung widerspricht rechtsstaatlichen Grundsätzen
    Dienstag, 22. März 2016

    Ein Gericht im russischen Donezk hat am heutigen Dienstag die ukrainische Militärpilotin Nadja Sawtschenko zu 22 Jahren Lagerhaft verurteilt.

  • Russische Behörden müssen den feigen Mord an Boris Nemzow so schnell und gründlich wie möglich aufklären
    Samstag, 28. Februar 2015

    Berlin (ots) - Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit trauert um und ist bestürzt über den Mord an ihrem langjährigen Partner Boris Nemzow. Der liberale russische Oppositionspolitiker war...

  • Erdoğans "Säuberungen"
    Dienstag, 19. Juli 2016

    Die Konsequenz, mit der der türkische Präsident den gescheiterten Putschversuch gegen ihn dazu nutzt, Gegner und Kritiker aller Couleur zu inhaftieren oder ihres Amtes zu entheben, ist atemberaubend.

  • Argentinien: Mauricio Macri umweht der Dunst der Diktatur
    Montag, 16. Mai 2016

    Die Regierung Argentiniens unter dem rechten Präsidenten Mauricio Macri fährt einen radikalen Kurs. "Sie nimmt den Arbeitsschutz und die sozialen Sicherungssysteme auseinander, die nach der Krise...

  • Inhaftierte Journalisten in Turkmenistan
    Sonntag, 28. August 2016

    Turkmenistans Präsident Gurbanguli Berdimuhamedow trifft am Montag in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen - eine seltene Gelegenheit, einen der weltweit schlimmsten Feinde der...

  • Kasachstan: Vorgezogene Parlamentswahlen
    Dienstag, 15. März 2016

    Am 20. März stehen in Kasachstan Parlamentswahlen an. Es handelt sich - wieder einmal - um vorgezogene Neuwahlen. Die laufende Legislaturperiode wurde um zehn Monate verkürzt. Die nächsten regulären Wahlen...

  • Filmstandort Europa stärken
    Montag, 15. Februar 2016

    Auf Einladung der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, haben sich am heutigen Montag die EU-Amtskolleginnen und -kollegen aus Luxemburg, Lettland, Schweden, Estland, Tschechien...