Der »Frankenstein«-Kandidat hat das Ziel seiner Mission erreicht

Foto: kl801 / CC BY 2.0 via Flickr

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Mit der offiziellen Nominierung auf dem Wahlparteitag der Republikaner hat Donald Trump seinen Schöpfer zerstört. Die Partei Abraham Lincolns, Ronald Reagans und George W. Bushs folgt nun einem Rattenfänger, der Amerikas Konservative in den Untergang führt.

Selbst wenn Trump im November gewinnt, sind die Tage der »Grand Old Party« gezählt. Die Partei, die Amerika einst aus der Sklaverei führte, wird nun von einem bigotten Mann geführt, der offen Rassismus und Diskriminierung predigt. Die leidenschaftlichsten Verfechter des Freihandels haben nun einen Protektionisten an ihrer Spitze, der wirtschaftlichen Nationalismus über die Verheißung offener Märkte stellt. Dass nun ausgerechnet die emsigsten Agenten der Globalisierung die ersten Opfer eines Populisten werden, entbehrt nicht der Ironie und verlangt eine Erklärung.

Während die Führer der Republikaner über Jahrzehnte eine Politik betrieben, die soziale Sicherungsnetze zerschnitt, den Zugang zu Bildung und Gesundheit erschwerte und die kleinen Leute den Preis für ihre militärischen Abenteuer zahlen ließ, appellierten sie unterschwellig an die Ängste ihrer weißen Basis im ländlichen Amerika. Trumps Wähler finden es nun erfrischend, wenn ihr Führer nicht mehr bloß zwischen den Zeilen, sondern ganz direkt ausspricht, was viele von ihnen denken. Seine Schöpfer verloren die Kontrolle über das Monster, weil sie es über Jahre mit ihren impliziten Botschaften genährt hatten.

Die Nominierung Trumps bedroht nun auch den Kern einer vitalen Nation, die entgegen aller Unkenrufe noch immer der Neid der Welt ist. Dass Amerika unter Präsident Barack Obama rasant auf ihren Niedergang zusteuert, gehört zu den Idiotien, die der Twitter-König aus seinem Wolkenkratzer in Manhattan schamlos verbreitet und der Parteitag beschwört. Tatsächlich blicken die USA auf eine der längsten Wachstumsphasen in der Geschichte zurück. Der Aktienmarkt notiert so hoch wie nur zu vor und die Arbeitslosigkeit liegt mit unter fünf Prozent niedriger denn je. Zuletzt zogen auch die Löhne an. Die Probleme, die den USA zu schaffen machen, haben mit dem enormen Ungleichgewicht bei der Einkommens- und Wohlstandsverteilung zu tun.

Die Globalisierung hat eine neue Unterklasse geschaffen, deren Angehörige mangels Zugang zu bezahlbarer Bildung kaum Aufstiegsmöglichkeiten haben. Die größte Gefahr für die USA rührt nicht von diesen realen Problemen, sondern narzisstischen Führern, die nicht an die besten, sondern niedersten Instinkte der Bürger appellieren. Trump steht nicht nur für eine andere Politik, sondern für ein anderes Amerika.



Quelle: ots/Westfalen-Blatt


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