Dienstag, 04 Aug 2020
Nie zuvor gab es so wenig Führung aus dem Weißen Haus. In diese Lücke stößt Joe Biden.
Nie zuvor gab es so wenig Führung aus dem Weißen Haus. In diese Lücke stößt Joe Biden. Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)
 2-3 Minuten Lesezeit  579 Worte im Text  vor 56 Tagen

Amerika droht in den Modus einer Dauerkrise zu geraten. Es bekommt die Covid-19-Pandemie nicht unter Kontrolle, die bereits mehr als 100 000 Menschenleben gefordert hat. Mit über 40 Millionen Arbeitslosen haben die wirtschaftlichen Probleme erst angefangen. Und die Massenproteste in Amerikas Städten nach dem Tod des Schwarzen George Floyd werden von einer so tief sitzenden Wut über strukturellen Rassismus angetrieben, dass kein schnelles Ende zu erwarten ist.

Kevin Kühnert
Foto: INSM / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Kühnert widerspricht Gedanken über Fusion von SPD und LINKE

Eine Pandemie wie 1918, Unruhen wie 1968 und Wirtschaftsprobleme wie 2008 - so viele Krisenherde auf einmal brannten noch nie in den USA. Und nie zuvor gab es so wenig Führung aus dem Weißen Haus. In diese Lücke stößt Joe Biden, der kurz davor steht, die Nominierung seiner Partei auch formal im Sack zu haben. Mit einer Art "Rede an die Nation" aus dem Rathaus von Philadelphia ließ Biden die Amerikaner spüren, wie man eine Nation in Aufruhr zusammenbringen kann. Mit ruhiger Hand nahm der 77-Jährige die Schutzmaske vor seinem Gesicht ab. "Ich kann nicht atmen", sagte er mit entschlossenem Blick in die Kamera und erinnerte daran, dass dies die letzten Worte George Floyds waren. Dann schlägt er eine assoziative Brücke zwischen dem Covid-19-Erreger, der den Opfern die Luft nimmt, und der Pandemie des Hasses. "Ich kann nicht atmen", sei das, was Millionen Amerikaner nicht in ihren letzten Momenten, sondern in ihrem Alltag erlebten. Es sei Zeit darauf zu hören. So klingen die Worte eines Präsidenten, der die Nation angesichts einer historisch beispiellosen Doppelkrise tröstet, aufbaut und führt. Doch sie kommen nicht aus dem Mund des Amtsinhabers, sondern seines Herausforderers.

Trump ist nicht nur abwesend, sondern gießt Öl ins Feuer. Er macht das lebensrettende Tragen von Masken während der Pandemie zu einem Politikum und droht, das Militär gegen Amerikaner einzusetzen, die grundlegende Veränderungen im Land verlangen. Als wären Andersdenkende Feinde. Den letzten Funken an moralischer Autorität verlor der Präsident, als er friedliche Demonstranten mit Gummigeschossen und Tränengas vertreiben ließ, um für ein Foto mit Bibel vor der St. John's Kirche posieren zu können. Zurück bleibt ein Vakuum, das gefüllt werden muss. Diese Erkenntnis dämmerte auch im Beraterkreis des designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten.

Zum Beispiel Senator Chris Coons aus Bidens Heimatstaat Delaware, der den Stellvertreter des ersten schwarzen Präsidenten im Weißen Haus einzigartig auf diesen Moment vorbereitet sieht. Coons wünscht sich deshalb, mehr von Biden in der Öffentlichkeit zu sehen. Zum Beispiel in Minneapolis, dem Epizentrum der Bürgerrechts-Proteste, wo Floyd unter dem Knie eines weißen Polizisten einen qualvollen Foltertod starb. Sicher ist, dass Biden auf Einladung der Familie am Dienstag nach Houston reisen wird, um an der Beerdigung teilzunehmen. Eine unübersehbare Geste, die einen Kontrast zu dem Amtsinhaber schafft, der lieber darüber faselt, Demonstranten zu "dominieren" als Anteilnahme zu zeigen. Diese Unfähigkeit zur Empathie kann Biden für sich nutzen. Und er tat es, als er in den vergangenen Tagen vorsichtig aus der Quarantäne auftauchte. Doch mit Reden allein ist es vor allem für die jungen Aktivisten nicht getan. Sie erwarten mehr von dem Mann, dessen Kandidatur die Afroamerikaner mit dem politischen Wunder am Superdienstag rettete. Jetzt sei es an ihm, dem schwarzen Amerika in der Doppelkrise aus Pandemie und Polizeigewalt zu helfen. Seine Strategen erkennen, dass er sich in diesem Moment nicht als Präsident des "Übergangs" verkaufen kann, sondern einer, der grundlegende Reformen anbietet. Biden scheint zu verstehen, dass er die Stimmung auf der Straße aufnehmen und für Veränderungen nutzen muss. Deshalb kehrte er nicht als Kandidat, sondern als Schattenpräsident ins öffentliche Leben zurück.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrNachrichten
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Back To Top