Dürrekatastrophe in Äthiopien: Die Situation spitzt sich dramatisch zu

Foto: obs/Stiftung Menschen für Menschen Schweiz/Rainer Kwiotek

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Die Vereinten Nationen schlagen Alarm. In Äthiopien droht eine Hungerkatastrophe. Über 10 Millionen Menschen sind jetzt schon auf Nahrungsmittel-Lieferungen angewiesen. Diese Zahl könnte sich laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in wenigen Monaten verdoppeln.

Über 400'000 Kinder sind bereits schwer unterernährt. Insgesamt sind 1,7 Millionen Kinder, schwangere und stillende Frauen dringend auf Zusatznahrung angewiesen. Ohne Hilfe tragen gerade die Kinder Entwicklungsschäden davon - oder verhungern.

"Wir müssen jetzt handeln!", sagt Martin Grunder, Projektleiter der Stiftung Menschen für Menschen Schweiz in Äthiopien. "Ich bin seit rund drei Jahrzehnten in Äthiopien tätig. Doch so dramatisch waren die Folgen von El-Niño noch nie." Das globale Wetterphänomen ist für die schlimmste Dürre seit 30 Jahren verantwortlich. Vielerorts sind die Ernten verdorrt und das Vieh verendet. Im Landkreis Mille im besonders betroffenen Afar-Gebiet im Nordosten des Landes weist nach Behördenangaben jedes vierte Kind unter fünf Jahren Anzeichen von Unterernährung auf. Rund 1000 Kinder sind schwer unterernährt.

Um Gesundheit und Leben der Kinder zu retten, versorgt Menschen für Menschen Schweiz die Familien mit Famix, einer nährhaften Zusatznahrung aus Soja und Getreide, und mit Speiseöl. "Es ist entscheidend, in den kommenden Wochen und Monaten zu helfen, bis die Krise überstanden ist", erklärt Grunder. "Bis dahin entscheidet unsere Unterstützung über Leben und Tod."

Laut dem Welternährungsprogramm (WEP) der Vereinten Nationen sind insgesamt 1,4 Milliarden Franken notwendig. Anfang Februar hatte das WEP erst ein Viertel der Finanzierung für seine Arbeit erreicht. Äthiopien, trotz Wirtschaftswachstum immer noch eines der ärmsten Länder der Welt, könne maximal die Hälfte der Kosten schultern, betont die Regierung in Addis Abeba und bittet deshalb die internationale Gemeinschaft um Hilfe.

"Die Kinder können aber nicht warten. Es ist wichtig, dass wir jetzt schnell und unbürokratisch Lebensmittel zu den Menschen bringen", betont Josefine Kamm, Geschäftsführerin von Menschen für Menschen Schweiz. "Unsere Mitarbeiter vor Ort haben bereits frühzeitig vor den Folgen der Dürre im letzten Sommer gewarnt. Deshalb haben wir rechtzeitig reagiert und unser Nothilfe-Programm im besonders betroffenen Afar-Gebiet gestartet. So konnten wir das Allerschlimmste verhindern. In den nächsten Monaten wird sich die Situation weiter zuspitzen. Wir sind deshalb dringend auf die Hilfe der Schweizer Bevölkerung angewiesen, um die Menschen in Äthiopien in dieser Krise weiter zu unterstützen."



Quelle: Stiftung Menschen für Menschen


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