Donnerstag, 09 Jul 2020
Foto: home thods / Flickr CC BY 2.0
 2-3 Minuten Lesezeit  511 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Kein anderer Präsident schaffte zuvor, was Trump in sechs Monaten gelang. Mit seiner Politik brachte er so viele Amerikaner gegen sich auf, dass seine Zustimmungswerte deutlich unter die 40-Prozent-Marke fielen. Die angesehenen Meinungsforscher von "Quinnipiac" registrierten diese Woche ganze 33 Prozent Zufriedenheit mit Trumps Amtsführung.

empty alt
Foto: Daniel Haußmann / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Vor der Parlamentswahl in der Ukraine sind prorussische Parteien auf dem Vormarsch

Viel spannender ist jedoch eine andere Zahl dieser Umfrage. Demnach bleiben weiße Männer in den USA gespalten (47 zu 48 Prozent) in ihrer Ansicht über einen Präsidenten, dessen Amtszeit sich in der Wahrnehmung aller Amerikaner durch Inkompetenz (63 Prozent), Lügen (62 Prozent) und Machtmissbrauch (57 Prozent) auszeichnet. Die Frage drängt sich auf, was weiße Männer in Trump erkennen, das der Rest der Gesellschaft anders wahrnimmt? Die Experten haben darauf eine einfache Antwort: Die Angst der bisher tonangebenden Gruppe der US-Gesellschaft durch den demographischen Wandel dauerhaft an Status zu verlieren.

Der Politologe John Sides von der George Washington University hat in den Forschungen mit seinem Kollegen Michael Tesler herausgefunden, dass unter Trump-Wählern das Thema "weiße Identität" eine überragende Rolle spielt. Der Präsident habe kein sonderliches Interesse an den Details der Gesundheitsreform oder anderen Themen gezeigt. "Aber er blieb standfest bei einer Sache: seiner speziellen Art der Identitätspolitik." Wie schon im Wahlkampf appelliert Trump an die vermeintliche Opferrolle, in der sich vor allem weiße Männer sehen, die nicht nur gegenüber Minderheiten zurückfallen, sondern auch im traditionellen Geschlechter-Verhältnis. Der Präsident beweist ein sicheres Gespür für die Ängste dieser Wähler und tut alles, diese Basis zu sichern. Das erklärt, warum die nationalistischen Identitätspolitiker um Stephen Bannon und Stephen Miller die Säuberungen im Weißen Haus nicht nur überlebten. Wie die Vorstöße für eine Halbierung der legalen Einwanderung, die angedrohten Maßnahmen gegen die angebliche Diskriminierung weißer Studenten bei der Universitätszulassung oder die offene Unterstützung Trumps für Polizeigewalt gegen Gang-Mitglieder zeigen, ging dieser Flügel gestärkt aus dem Chaos der letzten Wochen hervor.

Nichts von alldem hat nur den Hauch einer Chance, Gesetz zu werden, den Gerichten standzuhalten oder die Popularität des Präsidenten insgesamt steigen zu lassen. Trump bedient damit seine Basis, der er etwas bieten muss, damit sie bei der Stange bleibt. In diese Kategorie passt übrigens auch der per Twitter angekündigte Kurswechsel im Umgang mit Transgender beim Militärdienst. Das war ein Herzens-Anliegen rechter Christen-Fundis, die eine Säule der Trump-Koalition ausmachen. Der Präsident nannte die Evangelikalen, die kürzlich im Oval Office für ihn beteten, paternalistisch "meine Leute". Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit. Der Führer des einflussreichen Family Research Councils Tony Perkins ist entzückt über den Einfluss, den die Bewegungs-Konservativen auf Trump haben. "Ich war in den ersten sechs Monaten öfter im Weißen Haus als während der acht Jahre George W. Bushs". Solange Trump seine Basis bei Laune hält, so Analysten, sitze er weiter sicher im Sattel.

Dafür posaunt das Weiße Haus in einem wöchentlichen Newsletter mit dem Namen "The Trumpet" an die Führer Trump-freundlicher Organisationen angebliche Erfolge und Initiativen heraus. Die Propaganda bleibt nicht ohne Wirkung - während die Amerikaner insgesamt die Nase von seiner Präsidentschaft voll haben, bleiben ihm 89 Prozent aller Republikaner gewogen; darunter viele weiße Männer.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung


#mehrNachrichten
In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise.
Foto: AbsolutVision

Das "S" von ESG im Blick

Die Coronakrise hat für das Entstehen einer neuen Anleiheart gesorgt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Covid-19-Response-Bonds oder kurz Covid-19-Bonds. Mit den Erlösen aus diesen Anleihen...
Weiß oder schwarz zu sein, ist ein soziales Konstrukt.
Foto: Olayinka Babalola

Eine freie Gesellschaft kennt keine Rassen

Der Begriff der Rasse hat in Deutschland eine üble Karriere gemacht; auf ihn gründete die NS-Ideologie. Arier-Nachweise und Judensterne, Deportation und Vernichtung - das ganze Grauen beruhte auf...
Exporteure versuchen Gen-gepanschten Mais in Europa unter die Leute zu bringen und damit deutsche Landwirte und Verbraucher zu täuschen.
Foto: Charles Deluvio

Genetisch veränderter Zuckermais: Behörden suchen 13 Millionen Körner

Europaweit suchen Behörden derzeit nach zig Millionen Maiskörnern der Sorte "Sweet Wonder". Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, hat ein Unternehmen aus Bad Essen in Niedersachsen das...
Freitag räumte Amthor ein: "Es war ein Fehler."
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Union wird zur Aufklärung im Fall Amthor gedrängt

Nach den Enthüllungen über die Nebentätigkeit des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor wächst der Druck auf die CDU, die Unionsfraktion und den Bundestag, den Fall genau zu untersuchen. Norman...
Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte Unternehmen erwartet aktuell Geldengpässe.

Industrie bleibt im Abwärtsstrudel

Während die Wirtschaft nach den Corona-Lockerungen langsam wieder hochfährt, verharrt die Industrie im Krisenmodus. Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte...
Das Beispiel der Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, dass Unternehmen verantwortlich handeln und ihre globale Sorgfaltspflicht wahrnehmen.
Foto: Piqsels CC0

Bundesregierung will Kampf gegen Kinderarbeit zu Schwerpunkt der EU-Ratspräsidentschaft machen

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung von Kindern zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen und in dieser Zeit die Grundlagen für ein...
Bleibt die Kernfrage: Kann Söder überhaupt Kanzler?
Foto: Josef A. Preiselbauer

Der Reiz der Kanzlerkandidatur

Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nie: Sollte auch nur im hintersten Gedankenstübchen von Ministerpräsident Markus Söder der Wunsch nach einer Kanzlerschaft herumspuken - und wer würde ernsthaft...
Back To Top