Erdogans zynisches Kalkül

Foto: CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

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Essen (ots) - Noch steht nicht fest, wer hinter dem furchtbaren Attentat in Ankara steckt. Die konservativ-islamische AKP-Regierung beschuldigte sofort die aus ihrer Sicht üblichen Verdächtigen: Die Terroristen des Islamischen Staates (IS), die Kurdische Arbeiterpartei PKK oder Linksextremisten. Linke oder Kurden für ein derartiges Massaker an linken pro-kurdischen Demonstranten verantwortlich zu machen, ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Doch es ist genau dieser Zynismus, der die Regierung auszeichnet, die unter der Knute Präsident Erdogans steht. Seit dessen Wahlschlappe im Juni lassen seine Getreuen alle Hemmungen fallen: Sie erklären den Friedensprozess mit der PKK für beendet, sie hetzen maßlos gegen Linke und Kurden. Das böse Kalkül Erdogans: Wenn es gelingt, die Gewalt auf die Straßen zu tragen, dann werden die Türken nach dem starken Mann rufen, der dieses Chaos beendet: nach Erdogan.

Fragt man also, wem das Massaker nutzt, dann ist man schnell beim Regime. Die Hintermänner in den Erdogan-Kreisen, bei den Geheimdiensten oder bei Ultra-Nationalisten zu suchen, könnte zielführend sein. Der Staat als Drahtzieher hinter dem Massenmord? So furchtbar der Verdacht ist - er ist nicht einfach als absurd zurückzuweisen. Und ausgerechnet diesem Erdogan dient sich die EU nun in der Flüchtlingspolitik unterwürfig an. So machen sich die Europäer in ihrer Flüchtlingspanik zu Handlangern des Despoten am Bosporus.



Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung


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