Freitag, 07 Aug 2020
Foto: Mrnico1092 / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  409 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Deutsche Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen sehen den Friedensprozess in Kolumbien trotz jüngst bekannt gewordener Verzögerungen bei der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen linksgerichteter FARC-Guerilla und kolumbianischem Staat auf dem richtigen Weg.

empty alt
Foto: Hans Romeiser / CC0 (via Pixabay)

Neues Boarding-System der Lufthansa

"Wir hoffen sehr, dass am 23. März zumindest ein beidseitiger Waffenstillstand verkündet wird. Das wäre ein großer Fortschritt für die Menschen in Kolumbien, insbesondere für die Landbevölkerung, die Hauptopfer des Krieges war und bislang kaum positive Auswirkungen der Friedensverhandlungen gespürt hat", so Oliver Müller, Leiter von Caritas international.

Die bereits bekannt gewordenen Teilabkommen zu ländlicher Entwicklung, Drogenproblematik und zur Übergangsjustiz enthalten nach Ansicht von deutschen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen sowie ihrer kolumbianischen Partner grundsätzlich wichtige Ansätze, um langfristig Frieden und Versöhnung in der Gesellschaft des Andenstaates erreichen zu können.Große Skepsis herrscht jedoch hinsichtlich der Frage vor, ob FARC-Guerilla (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia/Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) und Regierung letztlich die Vereinbarungen einhalten und umsetzen werden. "Die kolumbianischen Menschenrechtsorganisationen wollen, dass die internationale Gemeinschaft die Umsetzung der Vereinbarung überwacht. Die Bundesregierung sollte den Friedensprozess unterstützen und dabei die Einhaltung internationaler Rechtsstandard einfordern sowie Kohärenz in der kolumbianischen Regierungspolitik", sagt Christiane Schwarz von kolko - Menschenrechte für Kolumbien. "Aus unserer Sicht stehen beispielsweise die wirtschaftlichen Investitionszonen "ZIDRES" im Widerspruch zu Opferrechten und der Teilvereinbarung zu ländlicher Entwicklung." Große Sorgen bereiten zudem die anhaltenden Bedrohungen und Ermordungen von Menschenrechtsverteidiger/innen und die Ausbreitung von rechtsgerichteten paramilitärischen Gruppen in Regionen, die zuvor von der Guerilla kontrolliert wurden.

Nach Unterzeichnung einer Vereinbarung warten noch viele Herausforderungen: Konflikte können sich in der Übergangsphase verschärfen. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg keine rapide Zunahme der zivilen Kriminalität und Gewalt folgt, wie es in den post-konfliktären Ländern Mittelamerikas geschieht. "Für einen dauerhaften Frieden müssen vor allen Dingen junge Menschen ernsthafte Zukunftsperspektiven in einem friedlichen Kolumbien vorfinden. Kindersoldaten müssen daher schnell in das zivile Leben integriert werden", hebt Albert Recknagel, Sprecher des Vorstands von terre des hommes Deutschland, hervor. "Deutschland sollte effektive Wiedereingliederungsprogramme und die Friedenserziehung in Kolumbien fordern und fördern."

Die Verhandlungen zwischen FARC-Guerilla und dem kolumbianischen Staat befinden sich in der entscheidenden Phase. Ursprünglich war für den 23. März bereits die Unterzeichnung eines Friedensvertrages angekündigt worden; es zeichnete sich jedoch in den vergangenen Tagen ab, dass dieses Datum nicht eingehalten werden wird. Eine Unterzeichnung in den kommenden zwei bis vier Monaten gilt jedoch als wahrscheinlich. Für den 23. März wird eine entscheidende Geste aus dem Verhandlungsort Havanna erwartet. In Kolumbien herrscht seit 51 Jahren ein bewaffneter Konflikt.



Quelle: ots/Caritas


#mehrNachrichten
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Back To Top