Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters

Donald Trump und Kim Jong-un [Karikatur]Foto: DonkeyHotey / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

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Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des notorisch ungeduldigen US-Präsidenten aus. Donald Trump hatte gegen den Rat seiner eigenen und unabhängiger Experten vor den Verhandlungen fast alle Trümpfe aus der Hand gegeben.

Vor lauter Hybris glaubte Trump, er brauche nur um die halbe Welt fliegen und dort eine gute Gipfel-Show inszenieren. Dies werde den "kleinen Raketenmann" genügend beeindrucken, dem Präsidenten der Supermacht seine Nuklearwaffen vor die Füße zu legen. In seiner Vorstellung sah sich Trump schon bei der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo. Dabei hätte der Narzisst spätestens nach den Erfahrungen des ersten Korea-Gipfels in Singapur vor acht Monaten wissen müssen, dass er es mit einem knallhart kalkulierenden Regime zu tun hat. Kim und seine Schergen betrachten Atomwaffen als Immunisierung gegen Druck von außen und Überlebensgarantie.

Sie haben genau studiert, wie es einst dem irakischen Machthaber Saddam Hussein und dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi erging, und die Herren in Pjöngjang haben nicht das geringste Interesse daran, deren Schicksal zu teilen. Von seinem Vater und Großvater hat der Machthaber Nordkoreas die Salamitaktik gelernt, mit massiver Aufrüstung wirtschaftliches Entgegenkommen zu erwirken. Wer glaubt, Kim werde die unter großen Entbehrungen für sein Volk entwickelten Nuklearsprengköpfe aufgeben, ist blauäugig. Diesen Vorwurf muss sich Trump gefallen lassen, der voller Naivität nach dem Gipfel von Singapur verkündete, von Nordkorea gehe nun keine nukleare Gefahr mehr aus. In den acht Monaten danach erhielt er nicht einmal die in Aussicht gestellte Inventarliste, geschweige denn handfeste Abrüstungsschritte. Warum er auf dieser Grundlage überhaupt einem zweiten Gipfel zugestimmt hatte, bleibt für Experten ein Geheimnis.

Kim konnte nur gewinnen. Der Führer der Supermacht rollte dem Diktator gleich ein weiteres Mal den roten Teppich aus. Kim versuchte, Trump den verbliebenen Trumpf aus der Hand zu luchsen: Die Einstellung aller Sanktionen. Glücklicherweise stellten sich Außenminister Mike Pompeo und der Nationale Sicherheitsberater John Bolton dem in den Weg. Sie bewahrten Trump vor größerem Schaden in Hanoi. Der Abbruch des Gipfels war eine Art Notbremse in voller Fahrt. Aber auch Notbremsen sind gefährlich. In diesem Fall riskiert sie den Zusammenbruch der Verhandlungen und eine gefährliche Eskalation auf der koreanischen Halbinsel. Schmerzhaft muss Trump lernen, dass es einfacher ist, mühsam ausgehandelte Abkommen anderer, wie den Atom-Deal mit dem Iran, zu sabotieren, als selber etwas auf die Beine zu stellen.

Ob es jetzt noch gelingen kann, Trumps verquere Diplomatie vom Kopf auf die Füße zu stellen, bleibt mehr als fraglich. Statt weiterer Schaufenster-Gipfel bedürfte es dafür mühsamer Verhandlungen auf Expertenebene, die mitunter Jahre in Anspruch nehmen. Dabei müssten auch China, Russland und internationale Organisationen eingebunden werden. Erst danach wäre ein Gipfel angezeigt, um die ausstehenden Probleme zu lösen. Der angebliche Meister der Verhandlung-Kunst steht am Ende dieser Woche als Meister des Desasters da. Grandios gescheitert in Hanoi und gedemütigt von seinem langjährigen Hausanwalt vor einem Millionenpublikum im Kongress, kehrt Trump geschwächt nach Washington zurück. Nicht Kim, sondern er muss nun um seine Macht bangen.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

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