Samstag, 04 Jul 2020
US Militärbasis, Thule, Grönland
US Militärbasis, Thule, Grönland Foto: TSGT Lee E. Schading / U.S. Air Force VIRIN DF-ST-90-10597 / Gemeinfrei (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  499 Worte im Text  vor 318 Tagen

Die schönsten Parodien schreibt das wirkliche Leben. In diesem Fall der US-Präsident, dessen Begehrlichkeiten, Grönland zu kaufen, anfangs kaum jemand ernst nahm. Nicht einmal seine eigenen Mitarbeiter im Weißen Haus, die den Prüfungsauftrag von ganz oben erst einmal auf Eis gelegt hatten. Zu absurd schien ihnen die Idee, dem Königreich Dänemark dessen Kronjuwel in der Arktis abzuluchsen. Zumal es sich um eine autonome Region handelt, deren 56 000 Einwohner das Recht haben, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen.

Ursula von der Leyen
Foto: European Parliament / CC BY 2.0 (via Flickr)

EU-Klimagesetz: Auf die Umsetzung kommt es an

Trump höchstpersönlich bestätigte dann Medienberichte, dass er es tatsächlich ernst meinte. Klar wäre der Kauf strategisch interessant und könne bei seinem Besuch in Kopenhagen am 2. September besprochen werden. Aber es sei gewiss nicht "oberste Priorität". Nachdem die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen dem "großen Immobilien-Geschäft" bei einem Solidaritätsbesuch auf Grönland eine unmissverständliche Absage erteilt hatte, schmollte der Narzisst. Er werde das Treffen in zwei Wochen "auf ein andermal" verschieben, twitterte Trump. Damit sei "ein sehr großer Aufwand" erspart worden.

Damit provozierte er einen beispiellosen Eklat. Aus Sicht des US-Präsidenten hätte er den Dänen, die als Nato-Partner "den Schutz der USA genießen", eigentlich nur einen Gefallen tun wollen. Denn Grönland sei eine schwere Last für das Königreich geworden. "Sie halten es mit sehr hohen Verlusten." Was genau Trump damit meinte, ließ er offen. Die Grönland-Affäre gibt Einblick in die Sicht des US-Präsidenten auf die Welt, in der große Mächte Staaten wie Figuren auf dem Schachbrett bewegen. Mit dem Erwerb Grönlands wären die USA unter seiner Führung in den Besitz der "größten Insel der Welt" gelangt, die von ihrer Ausdehnung her sechs mal so groß wie Deutschland ist und geografisch ohnehin schon zu Nordamerika gehört. Unter dem 3400 Meter starken Eisschild, der weite Teile Grönlands bedeckt, werden enorme Bodenschätze vermutet. Je schneller das Eis schmilzt, umso besser für den geschäftstüchtigen Präsidenten, der dann nicht zum Mars aufbrechen muss, um neue Gebiete zur Kolonialisierung zu erschließen.

Erklärt wären damit auch die Begeisterung des US-Präsidenten für fossile Brennstoffe, laxe Emissionsvorschriften und die Unterminierung des Weltklima-Abkommens. Trump hatte auch schon einen Mitstreiter gefunden, der das potenzielle US-Territorium in diesem Jahr schon einmal inspizierte. Die USA hätten in Thule bereits eine strategische Militärbasis, erklärte der Demokrat Joe Manchin, der die Idee des Präsidenten als "sehr interessant" lobte. Der Senator aus dem Kohle-Staat West-Virginia teilt übrigens auch die Begeisterung des US-Präsidenten für den fossilen Energieträger, der dazu beiträgt, Grönland schneller von seinen Eismassen zu "befreien".

Anfang der Woche twitterte Trump dann allen Ernstes noch ein montiertes Bild, das einen goldenen Trump-Tower neben den bescheidenen Häusern der Grönländer zeigt. Der Kommentar des Präsidenten dazu: "Ich verspreche, Grönland das nicht anzutun." Die Dänen hätten es ihm ohnehin nicht erlaubt. Wie schon Harry S. Truman, der nach dem Zweiten Weltkrieg einhundert Millionen Dollar für den Erwerb der Insel angeboten hatte, sagten sie Trump mit eisiger Klarheit: Nej Tak! Und der Rest der Welt lacht über einen Präsidenten, der sich selber dem Spott preisgegeben hat.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrNachrichten
Die SPD-Vorsitzende Esken hatte in einem Zeitungsinterview einen "latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte" beklagt .
Foto: Bankenverband / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Bundesjustizministerin sieht kein "strukturelles Rassismusproblem" bei Polizei

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat Klagen der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken über einen "latenten Rassismus" in den Sicherheitskräften und den Ruf nach einer neuen Meldestelle...
"Viel zu viele Leute, zu wenige Masken, zu wenig Abstand - das ideale Super-Spreading-Event!"
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Demos sind "ein Sargnagel" für die noch bestehende Corona-Regeln

Angesichts der jüngsten Massendemonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach strengere Regeln, um eine zweite Corona-Welle zu verhindern....
Die neue Initiative aus Brüssel soll bestehende Gesetzeslücken schließen, damit europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb besser geschützt werden.
Foto: Mika Baumeister

Attacke gegen China

Auch wenn der Name China in dem rund 50-seitigen neuen Weißbuch der EU-Kommission zur Wettbewerbspolitik nicht vorkommt und die Behörde dies strikt von sich weist: Es ist völlig klar, gegen wen sich die...
Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen.
Foto: Patrick Büttgen / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Fehlinvestment

Wenn ein Staat innovative Unternehmen unterstützen will, kann er die Fördertöpfe vergrößern, er kann steuerlich entlasten und regulatorisch ein Umfeld schaffen, das guten neuen Ideen keine Grenzen...
Das Beispiel der Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, dass Unternehmen verantwortlich handeln und ihre globale Sorgfaltspflicht wahrnehmen.
Foto: Piqsels CC0

Bundesregierung will Kampf gegen Kinderarbeit zu Schwerpunkt der EU-Ratspräsidentschaft machen

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung von Kindern zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen und in dieser Zeit die Grundlagen für ein...
Nie zuvor gab es so wenig Führung aus dem Weißen Haus. In diese Lücke stößt Joe Biden.
Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Der Schattenpräsident

Amerika droht in den Modus einer Dauerkrise zu geraten. Es bekommt die Covid-19-Pandemie nicht unter Kontrolle, die bereits mehr als 100 000 Menschenleben gefordert hat. Mit über 40 Millionen...
Gegen den Klimawandel und die fortschreitende Erderwärmung gibt es keine Impfung und kein Medikament.
Foto: Annie Spratt

Gegen den Klimawandel wird es nie eine Impfung oder ein Medikament geben

Alle Kraft fließt momentan ins Überwinden der Pandemie, in den Kommunen, Ländern und im Bund. Wie groß die Kraftanstrengung ist, zeigen die gigantischen Hilfssummen: 130 Milliarden Euro umfasst...
Back To Top