Freitag, 03 Jul 2020
Donald Trump
Donald Trump Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)
 2-3 Minuten Lesezeit  483 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Neun Tage lang hielt der amerikanische Präsident die Wirtschaftsführer auf beiden Seiten der Grenze in Atem. Dann blies er die Strafzölle auf Waren aus dem Nachbarland genauso plötzlich ab, wie er sie vorher angedroht hatte. Anschließend beschwerte sich der Drama-König im Weißen Haus, er bekomme viel zu wenig Anerkennung für seine Verhandlungskünste.

ThyssenKrupp-Hauptquartier
Foto: Tuxyso / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Thyssenkrupp: Am Abgrund

Hätte Barack Obama so etwas erreicht, wäre ein Nationalfeiertag ausgerufen worden. Das Problem freilich besteht darin, dass Donald Trump nicht viel vorzuweisen hat. In dem entscheidenden Punkt blieben die Mexikaner hart, weil sie tatsächlich kein sicherer Drittstaat für die Flüchtlinge aus Zentralamerika sind. Die meisten anderen Zugeständnisse hatte die Regierung Andrés Manuel López Obrador bereits vor der ersten Drohung mit Strafzöllen gemacht.

Vor seinen Anhängern kann sich Trump als Held einer Krise hochleben lassen, die er selber erzeugt hat. Wer dem Kult des Populisten nicht angehört, hat dessen politische Taschenspieler-Tricks längst durchschaut. Statt Probleme zu lösen und handfeste Ergebnisse vorzuweisen, verkauft dieser Präsident Mogelpackungen. So auch in diesem Fall. Trotz der Zugeständnisse der mexikanischen Regierung kletterte die Zahl der Flüchtlinge aus Guatemala, El Salvador und Honduras im vergangenen Monat auf einen neuen Rekord. Mehr als 144 000 Menschen suchten an der Grenze Schutz vor Gewalt und extremer Armut in ihren Heimatländern.

Die Vereinigten Staaten bewegen sich in der Flüchtlingskrise mittlerweile mit großen Schritten der Eine-Million-Marke bei den Neuankömmlingen zu. Ironischerweise passiert das in die Zuständigkeit Trumps, der mit Mauer und Mexikaner-Hetze Wahlkampf gemacht hatte. Derselbe Präsident, der sich das Maul über das angebliche Versagen Angela Merkels in der syrischen Flüchtlingskrise zerriss, bekommt den Zustrom ins eigene Land nicht unter Kontrolle. Daran änderten weder die unmenschliche Schikanen etwas, wie das Trennen von Familien an der Grenze, die Internierung von Jugendlichen in von Stacheldraht umzäunten Wüstenlagern oder das Einpferchen von Asylbewerbern auf nacktem Schotter unter Brücken. Noch helfen die unsinnigen Drohungen mit der Schließung der Grenze oder Strafzöllen gegen das Nachbarland weiter. In letzterem Fall hätte die eigene Wirtschaft darunter mindestens ebenso gelitten wie die Mexikos. Die Zeche bezahlt hätten die Verbraucher mit höheren Preisen für Autos, Fernseher, Haushaltsgeräte, Gemüse und Früchte. Umgekehrt drohten den US-Farmern massive Einbußen durch Vergeltung der Mexikaner.

Donald Trumps Hilf- und Ratlosigkeit in der Flüchtlingskrise ist mittlerweile mehr als offenkundig. Statt die Fluchtursachen zu bekämpfen, verschärft er sie, indem er Hilfsgelder für nicht-staatliche Akteure in Zentralamerika streicht. Gleichzeitig unterminiert er das Vertrauen der Unternehmen, die sich im Handel nichts sehnlicher wünschen als Verlässlichkeit. Wenn die Zahl der Neuankömmlinge in den Sommermonaten sinken wird, hat das mehr mit den sengenden Temperaturen als mit dem imperialen Auftreten Trumps zu tun. Der Narzisst im Weißen Haus blendet so sehr, wie er sich blenden lässt. Leider werden dadurch konkrete Probleme nicht gelöst - weder die atomare Bewaffnung Nordkoreas noch die Flüchtlingskrise in Zentralamerika. Auf der Strecke bleibt die Glaubwürdigkeit der Supermacht und ihres Präsidenten, der Außenpolitik wie eine Reality-TV-Show inszeniert.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrNachrichten
Das war der Moment, auf den Wladimir Putin über Jahrzehnte hingearbeitet und gehofft hatte.
Foto: The White House / Public Domain (via Flickr)

D-Day im Rückwärtsgang

Vermutlich entging dem "America-First"-Präsidenten der symbolische Kontext seiner folgenschweren Entscheidung. Das "Wall Street Journal" berichtete am Vorabend des 76. Jahrestags der Invasion der...
Dass es immer noch keinen Lockdown gibt, ist nicht nachvollziehbar.
Foto: Medakit Ltd

Das Corona-Rezept: Testen, testen, testen

Der Corona-Neuausbruch im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück führt uns allen unsanft vor Augen, wie wenig stabil die Situation in Deutschland ungeachtet der permanent sinkenden Neuinfektionszahlen...
Exporteure versuchen Gen-gepanschten Mais in Europa unter die Leute zu bringen und damit deutsche Landwirte und Verbraucher zu täuschen.
Foto: Charles Deluvio

Genetisch veränderter Zuckermais: Behörden suchen 13 Millionen Körner

Europaweit suchen Behörden derzeit nach zig Millionen Maiskörnern der Sorte "Sweet Wonder". Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, hat ein Unternehmen aus Bad Essen in Niedersachsen das...
Ein Vorbild war die Kreativität des Buchhandels im Moment des Shutdowns.
Foto: InstagramFOTOGRAFIN / CC0 (via Pixabay)

Buchhandel sieht Kreativität kleinerer Läden als Vorbild

Wie kann die Buchbranche auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagieren? Nach Ansicht von Karin Schmidt-Friderichs haben gerade kleine Buchhandlungen vorgemacht, wie das geht. "Ein Vorbild...
Die SPD-Vorsitzende Esken hatte in einem Zeitungsinterview einen "latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte" beklagt .
Foto: Bankenverband / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Bundesjustizministerin sieht kein "strukturelles Rassismusproblem" bei Polizei

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat Klagen der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken über einen "latenten Rassismus" in den Sicherheitskräften und den Ruf nach einer neuen Meldestelle...
Wegen der Corona-Pandemie verschanzen sich Teile der öffentlichen Verwaltungen weiterhin hinter abgesperrten Türen und Anrufbeantwortern.
Foto: USCDCP /CC0

Beamte im Corona-Modus

Alle freuen sich über die Corona-Lockerungen. Geschäfte, Restaurants, Kinos und Urlaubsorte begrüßen ihre Gäste mit herzlichen Willkommensschildern. Theaterschauspieler unterhalten mit aus dem Boden...
Infektionsschutz für Kleinkinder sei "eine Illusion", so Montgomery, sie könnten sich nicht an die Regeln halten.
Foto: StagiaireMGIMO / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Weltärztechef fordert Absage von Parteitagen, pocht auf Corona-Impfpflicht und warnt vor Kita- und Schulöffnungen

Wegen der Corona-Gefahr hat Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery die Absage des für Dezember geplanten CDU-Bundesparteitages gefordert. "Wir müssen unbedingt weiter Abstand zueinander halten, die...
Back To Top