Leitartikel von Thomas Spang zu Präsidentschaftswahlkampf in den USA

Foto: Serge Melki

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Regensburg (ots) - Es mag ein Zufall sein oder Absicht der Wahlkampfteams. Ein Symbol ist die zeitliche Nähe der ersten großen Rede Hillary Clintons in New York und dem Wahlkampfauftakt Jeb Bushs in Miami allemal. Hebt es doch die ganz realistische Möglichkeit eines Aufeinandertreffens der beiden einflussreichsten Polit-Dynastien der USA bei den Präsidentschaftswahlen 2016 ins Bewusstsein.

Für viele Amerikaner ist die Perspektive für sich genommen eine beklemmende Vorstellung. Dass in einem Land mit 319 Millionen Einwohnern das Rennen um die Macht auf den Wettstreit zweier Familien hinausläuft, steht im ironischen Gegensatz zur Gründungsgeschichte der Nation. Entstanden die USA doch aus der Rebellion. Die USA verfassten sich als egalitäre Demokratie, deren Bürger nichts mehr liebten als Tellerwäscher, die zu Millionären aufsteigen. Während in Europa politische Erbhöfe heute weitgehend der Vergangenheit angehören, kehren sie in den USA dank der zunehmend plutokratischen Strukturen quasi durch die Hintertür wieder zurück.

Der Bush-Clan verkörpert den Geldadel wie kaum eine andere Familie. Die neu-englische Dynastie reicht bis Großvater Prescott zurück, der als Senator im Kongress diente. Sein Sohn George H. W. Bush schaffte es als 41. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus, Enkel George W. als 43. Dessen Bruder John Ellis, der sich volkstümlich lieber "Jeb" rufen lässt, stieg derweil zum Gouverneur von Florida auf. Sollte er gewählt werden, zöge zum dritten Mal in der Geschichte ein Bush ins Weiße Haus. Im Fall der Clintons ist es etwas komplizierter. Bill stammt aus kleinen Verhältnissen und schaffte den Aufstieg ganz nach oben wie einer der mythischen Helden in den "Horatio Alger" Romanen. Ehefrau Hillary profitierte von den gemeinsamen Jahren im Weißen Haus beim Aufbau ihrer Karriere, während Bill sie nach seiner achtjährigen Amtszeit zu vergolden verstand. Gemeinsam bildeten die beiden ein Familien-Konglomerat, das an Macht und Einfluss mit dem Bush-Clan konkurrieren kann.

Obwohl mehr als zwei von drei Amerikanern in Umfragen ihre Abneigung gegen ein Rennen der beiden Familien-Dynastien zu Protokoll geben, spricht einiges für ein Aufeinandertreffen der Bushs und der Clintons bei den Präsidentschaftswahlen 2016. Ein Widerspruch, der sich mit dem Öffnen der Geldschleusen im Wahlkampf durch das Verfassungsgericht erklären lässt. Dank der weitgehend unbegrenzten Spenden, die Politiker heute entgegen nehmen dürfen, haben Kandidaten ohne tiefe Taschen einen erheblichen Nachteil.

Mit ihren Flüstertüten können sich Außenseiter im Wettbewerb gegen die Megatron-Lautsprecher der etablierten Kandidaten kaum mehr Gehör verschaffen. Schon gar nicht in einem Präsidentschafts-Wahlkampf der dieses Mal rund zwei Milliarden US-Dollar kosten dürfte. In dieser Welt aus Geben und Nehmen sitzen die Clintons wie die Spinne im Netz der liberalen Spender aus Hollywood und dem Silicon Valley. Die Bushs üben diese Funktion in der Welt ihrer konservativen Groß-Sponsoren aus Energiewirtschaft und Wall Street aus. Während Hillary keinen echten Herausforderer hat, muss sich Bush vor allem vor zwei jungen Aufsteigern in Acht nehmen. Der Werdegang des Gouverneurs von Wisconsin, Scott Walker, und des Senators aus Florida, Marco Rubio, appelliert sehr viel mehr an amerikanische Sentimentalitäten als der Sohn und Bruder zweier Präsidenten.

Die spannende Frage bleibt, ob sie noch eine Chance in der besten Demokratie der Welt haben, die sich mit Geld kaufen lässt.



Quelle: Mittelbayerische Zeitung


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