Freitag, 03 Jul 2020
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Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wertet das von Vizekanzler Sigmar Gabriel geäußerte Verständnis für menschenverachtende Arbeitsbedingungen in Katar als einen historischen Fehler.

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Foto: Wilfried Pohnke / CC0 (via Pixabay)

Rentenlücke - der Staat wird es richten müssen

"Dass der Bundeswirtschaftsminister für gute Beziehungen zu Investoren wirbt, ist verständlich. Es ist aber unerträglich, wenn er dabei elementare Grundwerte wie die Menschenwürde einfach dem Profitstreben von Lobbyisten opfert. Angesichts der Vielfalt von Beteiligungen der Scheichs von Katar in Deutschland, wirft sein Handeln inzwischen die Frage auf, wie frei die deutsche Politik gegenüber dem Emirat noch agieren kann", sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers.

Die IG BAU und der internationale Verbund der Baugewerkschaften, BHI, weisen seit Jahren auf Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen mit vielen Todesfällen in Katar hin. Die dortige Regierung hat derweil alles Mögliche versprochen. Wirklich geändert hat sich jedoch nichts.

Schäfers, der auch Vizepräsident der BHI ist, sagte: "Wir laden Sigmar Gabriel ein, mit uns die wahren Zustände vor Ort zu besichtigen. Seine jetzigen Äußerungen drohen nämlich, die Anstrengungen der Gewerkschaften, Verbesserungen herbeizuführen, zunichte zu machen. Dabei hätten wir seine Unterstützung in dieser Sache gut gebrauchen können. Es hängen schließlich Menschenleben davon ab. Mit seinem Einknicken vor dem Wunsch der Scheichs nach einem Entlastungszeugen hat der Bundeswirtschaftsminister lediglich den - in arabischen Staaten ohnehin bestehenden - Verdacht erhärtet, dass der Westen seine Grundwerte zwar stets wortreich predigt, sie aber locker beiseiteschiebt, wenn es ums Geldverdienen geht."

Neben der Politik sieht die IG BAU und die BHI bei der Vergabe von großen Sportereignissen auch die internationalen Verbände in der Pflicht, saubere Arbeitsbedingungen zu garantieren. Sie können über ihre jeweiligen Vergaberichtlinien zumindest auf den Sportstätten-Baustellen menschenwürdige Arbeit im Austragungsland einfordern. "Mit einer Kampagne anlässlich der FIFA-Präsidentenwahl am 29. Mai 2015 machen IG BAU und BHI deutlich, dass wir von den Kandidaten für das höchste FIFA-Amt ein klares Programm erwarten, welches beinhaltet, dass die FIFA zukünftig die Vergabe von Fußballweltmeisterschaften nicht nur vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen und sportlichen Aspekts betrachtet, sondern die Vergabebedingungen auch knüpft an die Einhaltung und Kontrolle der Menschenrechte und somit auch die Arbeitsrechte in den potentiellen Ausrichterländern", sagte Schäfers.



Quelle: IG Bauen-Agrar-Umwelt


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