Menschenunwürdige Arbeit auf WM-Baustellen in Katar

Foto: Richard Messenger

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wertet das von Vizekanzler Sigmar Gabriel geäußerte Verständnis für menschenverachtende Arbeitsbedingungen in Katar als einen historischen Fehler.

"Dass der Bundeswirtschaftsminister für gute Beziehungen zu Investoren wirbt, ist verständlich. Es ist aber unerträglich, wenn er dabei elementare Grundwerte wie die Menschenwürde einfach dem Profitstreben von Lobbyisten opfert. Angesichts der Vielfalt von Beteiligungen der Scheichs von Katar in Deutschland, wirft sein Handeln inzwischen die Frage auf, wie frei die deutsche Politik gegenüber dem Emirat noch agieren kann", sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers.

Die IG BAU und der internationale Verbund der Baugewerkschaften, BHI, weisen seit Jahren auf Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen mit vielen Todesfällen in Katar hin. Die dortige Regierung hat derweil alles Mögliche versprochen. Wirklich geändert hat sich jedoch nichts.

Schäfers, der auch Vizepräsident der BHI ist, sagte: "Wir laden Sigmar Gabriel ein, mit uns die wahren Zustände vor Ort zu besichtigen. Seine jetzigen Äußerungen drohen nämlich, die Anstrengungen der Gewerkschaften, Verbesserungen herbeizuführen, zunichte zu machen. Dabei hätten wir seine Unterstützung in dieser Sache gut gebrauchen können. Es hängen schließlich Menschenleben davon ab. Mit seinem Einknicken vor dem Wunsch der Scheichs nach einem Entlastungszeugen hat der Bundeswirtschaftsminister lediglich den - in arabischen Staaten ohnehin bestehenden - Verdacht erhärtet, dass der Westen seine Grundwerte zwar stets wortreich predigt, sie aber locker beiseiteschiebt, wenn es ums Geldverdienen geht."

Neben der Politik sieht die IG BAU und die BHI bei der Vergabe von großen Sportereignissen auch die internationalen Verbände in der Pflicht, saubere Arbeitsbedingungen zu garantieren. Sie können über ihre jeweiligen Vergaberichtlinien zumindest auf den Sportstätten-Baustellen menschenwürdige Arbeit im Austragungsland einfordern. "Mit einer Kampagne anlässlich der FIFA-Präsidentenwahl am 29. Mai 2015 machen IG BAU und BHI deutlich, dass wir von den Kandidaten für das höchste FIFA-Amt ein klares Programm erwarten, welches beinhaltet, dass die FIFA zukünftig die Vergabe von Fußballweltmeisterschaften nicht nur vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen und sportlichen Aspekts betrachtet, sondern die Vergabebedingungen auch knüpft an die Einhaltung und Kontrolle der Menschenrechte und somit auch die Arbeitsrechte in den potentiellen Ausrichterländern", sagte Schäfers.



Quelle: IG Bauen-Agrar-Umwelt


Welt (Top 10/365)

  • Angriff auf die Demokratie
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Wenn Lech Walesa lospoltert, gibt es oft kein Halten mehr. Politische Gegner beschimpft der Friedensnobelpreisträger von 1983 dann wahlweise als Idioten, Schlappschwänze oder Eierköpfe. Stellt ein...

  • Illegale Giftlieferung in die USA?
    Freitag, 13. Juli 2018

    Das deutsche Medizinunternehmen VET Pharma Friesoythe GmbH steht im Verdacht, illegal mehrere Tonnen eines Mittels zum Einschläfern von Tieren in die USA geliefert zu haben. Der enthaltene...

  • Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf
    Samstag, 09. Februar 2019

    Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf. 2018 hatten nur 60 Prozent der Mitglieder dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit ihren Asylanträgen Erfolg. Im Jahr zuvor waren...

  • Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des...

  • Putins gefährlicher Geheimplan
    Dienstag, 29. Januar 2019

    Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner...

  • Nord Stream 2: Russischer Botschafter kritisiert USA
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die...

  • Haushaltsplan Italien: Ein Drahtseilakt
    Dienstag, 12. Februar 2019

    Es ist ein geradezu befremdlich wirkender Termin. Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte spricht heute in Straßburg über die Zukunft Europas. Seit Herbst klafft zwischen Italien und der...

  • Brexit: Die wichtigsten Szenarien
    Mittwoch, 23. Januar 2019

    Nachdem das Austrittsabkommen der britischen Regierung mit der EU im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, diskutieren die Briten und Brüssel verschiedene Brexit-Lösungen. Ein Überblick über die...

  • Ukraine: An Putin ausgeliefert
    Freitag, 22. Februar 2019

    Fünf Jahre ist es her, dass die Massenproteste auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen von Kiew, in tödliche Gewalt umschlugen. Scharfschützen feuerten in die Menge. Barrikaden brannten....

  • Brexit: Für die EU gibt es nichts mehr zu verhandeln
    Mittwoch, 16. Januar 2019

    Nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Vorschlag im Parlament gescheitert ist, gibt es kaum noch Hoffnung auf ein geregeltes Austreten Großbritanniens. Deutsche...