Merkel und Modi: Weltpolitik auch ohne Trump

Kein anderes BRIC-Land entwickelt sich derzeit so dynamisch wie Indien. Foto: Ксения Иванова / Pixabay CC0

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Beim heutigen Treffen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi hat Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass Deutschland sich weiterhin für den Klimaschutz einsetzen wird. Rund eine Milliarde Euro will die Bundesregierung in Indiens Green Economy investieren. Das ist eine gute Investition in die Zukunft – in einem Land mit viel Potenzial als Handels- und Investitionspartner.

Nach einer turbulenten Woche beim Nato- und G7-Gipfel hat Merkel klargemacht, dass sich Deutschland weiter für Freihandel und Klimaschutz einsetzen wird. Allerdings seien die USA unter Präsident Donald Trump kein verlässlicher Partner mehr, sagte Merkel. Das birgt Risiken, aber auch Chancen für die EU und damit die Bundesrepublik: Die Europäer können ihre Stärken ausbauen und die Führung in der Weltpolitik übernehmen. Dabei hat die EU viele Verbündete – sei es unter den Industrieländern, die im Rahmen des G7-Gipfels gezeigt haben, dass Präsident Trump ziemlich allein steht, oder unter den Schwellenländern, die über Handelsbeziehungen mit der EU eng verflochten sind und diesen Kurs weiterverfolgen wollen.

Den ersten Schritt in diese Richtung hat Merkel heute bereits getan: Im Rahmen der deutsch-indischen Regierungskonsultationen hat die Bundeskanzlerin zugesagt, eine Milliarde Euro jährlich in Indiens Zukunftstechnologien zu investieren und damit die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens zu unterstützen. Im Ländervergleich stößt Indien nach China und den USA weltweit die meisten CO2-Emissionen aus. Dies liegt vor allem an der großen Einwohnerzahl – pro Kopf gerechnet erreichen die Inder gerade einmal ein Achtel dessen, was US-Amerikaner an CO2 produzieren. Investitionen in erneuerbare Energien dürften der indischen Regierung helfen, ihre Klimaschutzziele zu erreichen.

Investitionen in die indische Wirtschaft sind aber nicht nur in Bezug auf den Klimaschutz eine gute Idee. Mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern und einem Wirtschaftswachstum von etwa 7 Prozent pro Jahr verfügt Indien über ein enormes Potenzial als Handels- und Investitionspartner der deutschen Wirtschaft. Im vergangenen Jahr lag das Land gerade einmal auf Platz 24 der wichtigsten deutschen Exportzielländer.

Von den hochgelobten BRIC-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien und China – entwickelt sich derzeit kein Land so dynamisch wie Indien. Russland und Brasilien kämpfen an der Nullwachstumsgrenze, China kann seine Wachstumsziele nur dank massiver Staatsausgaben erreichen. Wenn das Wirtschaftswachstum von 7 Prozent jährlich anhält, dürfte sich Indiens Wirtschaftsleistung innerhalb von nur 10 Jahren verdoppeln – und somit der Markt für deutsche Exportunternehmen. Einen weiteren Schub könnte auch ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU geben – und zeigen, dass Weltpolitik auch ohne Trump funktioniert.



Quelle: IW Köln


Welt (Top 10)

  • Belarus vor der Wahl: Hacker-Attacken auf unabhängige Online-Medien
    Dienstag, 06. Oktober 2015

    Berlin (ots) - Reporter ohne Grenzen kritisiert die Angriffe auf unabhängige Online-Medien wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Belarus am 11. Oktober. Die Seiten der unabhängigen...

  • Keine Bußgelder für Spanien und Portugal: Aufgeschoben darf nicht aufgehoben sein
    Mittwoch, 18. Mai 2016

    Erstmals in der Geschichte des Stabilitäts- und Wachstumspaktes (SWP) hätte die EU Sanktionen gegen Spanien und Portugal wegen überhöhter Staatsdefizite verhängen können. Sie hat aber vorerst darauf...

  • Wahl in Spanien: Unsicherheit endlich beenden
    Montag, 27. Juni 2016

    Spanien hat nach sechs Monaten vergeblicher Regierungsbildung erneut gewählt. Die weiter gesunkene Wahlbeteiligung zeigt, dass die Geduld vieler Spanier mit ihren Politikern zu Ende geht. Auch...

  • Fotoverbot vor Rheinmetall Firma in Türkei
    Freitag, 11. August 2017

    Die türkische Firma Rheinmetall BMC Defense Industry Inc., an der Rheinmetall mit 40 Prozent beteiligt ist, arbeitet in Ankara offenkundig unter Bedingungen erhöhter Geheimhaltung. An dem Gebäude in...

  • Der Nordwesten Syriens: "Es riecht nach Blut und Schießpulver"
    Dienstag, 26. Juli 2016

    Der Nordwesten Syriens steht an der Schwelle zu einer humanitären Katastrophe, warnt die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Hilfsgüter kommen nicht zu den notleidenden Menschen durch und...

  • Terrorangst belastet EM-Geschäfte
    Mittwoch, 18. Mai 2016

    Die Angst vor Terroranschlägen belastet die Geschäfte der UEFA mit der Fußball-EM. Die UEFA werde ihr Umsatzziel für die sogenannten Hospitality-Tickets nicht erreichen, sagte Martin Kallen,...

  • Israel: Was niemand wissen soll
    Mittwoch, 18. Mai 2016

    Israels Militärgerichte verfolgen die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen. Plünderer werden zur Verantwortung gezogen, und auch wer sich bei Vandalismus beobachten lässt oder gar bei gezielter...

  • Russland kündigt Teilabzug aus Syrien an
    Dienstag, 15. März 2016

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat am gestrigen Montag angekündigt, den Großteil der russischen Streitkräfte aus Syrien abzuziehen.

  • Alte Feindschaft rostet nicht
    Donnerstag, 31. März 2016

    Die Ursachen und Folgen des IS-Terrors beschäftigen uns an den meisten Nachrichtentagen so sehr, dass wir eine potenziell viel größere Bedrohung fast aus den Augen verloren haben: die russischen...

  • Safe Harbor Urteil: Niemand ist beeindruckt
    Dienstag, 06. Oktober 2015

    Regensburg (ots) - Eigentlich wussten wir es schon vor dem Urteil des höchsten europäischen Gerichts: Unsere Daten sind in den USA nicht sicher.